Freitag, 10. Juni 2011

05. Juni 651 (Dvalinns Tagebuch)

Ort: Ferntunnel zwischen Khazad Mirr und Lur

Sehanine sei gedankt! Alarik lebt und ist gesund. Hildegard hat es tatsächlich geschafft in der Einöde vor Berheim einen Heiler aufzutreiben. Einen Druiden mit Namen Roderick, der in der Lage war Alariks Bisswunden zu heilen und das Gift aus seinem Körper zu vertreiben! Sehanine muss gut über ihre Geweihte gewacht haben, denn Hildegard ist alleine, nachts, ohne schützende Rüstung durch unbekanntes Geländer gegangen um Hilfe zu finden. Wenn ihr etwas passiert wäre... ich hätte meine zwei besten Freunde in nur einer Nacht verloren. Und ich konnte NICHTS tun. Meine kurzen Beine hätten mich nicht schnell genug durch die Nacht getragen. Meine Hände haben keine heilende Aura, sie bringen nur den Tod....
Es sah schlimm aus um Alarik. Sein Fieber stieg stetig an und immer wieder fiel er in Ohnmacht. Als er erkannt hatte, wie es um ihn steht und warum, bat er mich mit bebenden Worten darum, dass ich alles dafür tue, dass er nicht einer unwürdigen Existenz als Ghoul endet. Er bat mich darum, ihm seinen Kopf abzuschlagen, sobald er anfängt sich in so eine schreckliche Kreatur zu verwandeln. Er sagte, er wolle versuchen still zu halten...
Nichts konnte ich tun. Warten... warten auf Hildegard. Sekunden schienen Stunden zu dauern und Minuten Tage. Aus Stunden wurden Ewigkeiten. 
Dann kam Hildegard mit dem Heiler angeritten und wenige Minuten später schlief Alarik friedlich. Und alles war in Ordnung.
Ich übernahm die Nachtwache, oder zumindest versuchte ich es. Immer wieder schlichen sich die Bilder der Dinge, die ich in Khazad Mirr sah, in meinen Geist und raubten mir die Sicht. Immer wieder hörte ich ein Rascheln im Gebüsch. Mal in diesem, mal in jenem. Mal war ich mir sicher, dass ich was hörte, mal dass diese Geräusche nur in meinem Kopf existieren. Als die Sonne sich über den Berggipfeln erhob sah ich dann den Schatten. Er muss seit Stunden in unserer Nähe gewesen sein. Dieser Schatten war uns freundlich gesinnt, doch machte das die Sache nicht besser! Dieses Mal war es vielleicht nur ein „Eichhörnchen“ welches uns Alkohol und Schinken brachte. Das nächste Mal sind es vielleicht Orks. Fakt ist: Ich habe versagt. Ich habe es nicht geschafft meine Freunde zu beschützen. Vielleicht hatte mein Vater recht, als er mir vorwarf für nichts nutze zu sein. Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, wäre ich nicht geboren worden...
Diese Worte, die mein Vater mir an den Kopf warf, als er aufhörte mich Sohn zu nennen, diese Worte...
Alarik, Hildegard und ich, wir haben mehr geschafft als der große, große Held epischer Sagen Larni. Was nützt es mir? Ich werde nie sein wie Larni. Auch die größte Heldentat könnte die Schande meiner Verbannung nur überdecken, nicht rückgängig machen. Was wird Svea sagen, wenn sie erfährt, wer ich bin? Gunnar wird mich auf die gleiche Weise verstossen wie mein Vater. Als ich in kennen lernte, hoffte ich, dass er vielleicht anders handeln würde... Aber warum sollte er?
Es ist schwierig die Wahrheit zu sagen, wenn man jemandem, den man liebt, damit weh tut.
Auch bei Alarik war es nicht anders. Hätte ich ihm früher sagen sollen, wie es um ihn steht? Ihm damit vielleicht seine letzten Stunden unerträglich machen? Oder war es richtig ihm ins Gesicht zu lügen? Ihm zu sagen, dass man das Glitzern einer Goldader gesehen hat, wenn man doch nur den schwärzesten Stein erblicken kann?
Gestern sind wir nach Bergheim gegangen. Alarik ging es bereits wieder gut, doch war er zu schwach für den langen Weg nach Lur. Hildegard wich kaum eine Sekunde von seiner Seite.
Mein Freund war nur der Alkohol. Der Alkohol, den uns das Eichhörnchen vorbei gebracht hat. Mit jedem Schluck verschwammen die Bilder der Leichen ein wenig. So kamen wir dann schließlich in Bergheim an. Einige weitere Krüge folgten und Hildegard konnte das Bemuttern nun nicht mehr auf Alarik beschränken. Ins Bett gezwungen hat sie mich... Fehlte nur noch das Wiegenlied. Ach, Moment. Nein. Es fehlte nicht! Sie behandelte mich wie meine geliebte Mutter es tat als ich noch ein kleiner Kiesel war. Es war eine unerträgliche Situation! Alles drehte sich, Alariks Vogel raubte mir den letzten Nerv und Hildegard... Sie meinte es zwar nur gut... Aber im Grunde sorgte sie sich auch deshalb so um uns, damit sie nicht über ihre eigenen Probleme nachdenken musste. Am Abend konnte auch sie nicht mehr mit der Situation umgehen und weinte in meinen Armen. Wie oft habe ich in der Mine vergessen, dass in dem Schuppenpanzer auch nur ein junges Mädchen steckt. Ein junges Mädchen, welches soviel stärker ist als ich es je sein werde.
Die Leichen vor meinem inneren Auge waren des Tanzens wohl müde geworden und anders als am Nachmittag fiel ich in einen traumlosen Schlaf. In der Ausbildung konnten sie uns nur beibringen mit der Axt und dem Schild umzugehen, doch nicht mit den Folgen...
Am heutigen Tag sind wir dann noch bei Roderick vorbei gegangen und haben ihm den gestohlenen Alkohol ersetzt. Den Alkohol hatten wir am gestrigen Nachmittag gekauft, zusammen mit neuen Stiefeln. Die alten, blutdurchtränkten Stiefel habe ich zusammen mit den anderen nun blutroten Kleidern entsorgt. Ein Versuch mit Khazad Mirr abzuschließen.
Lange sind wir heute gelaufen. Lange und schneller als ich es gewohnt bin, doch kann ich keine Sekunde zulassen, die ich nicht in Sveas Armen verbringen darf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch dieser Traum wieder ins Nichts auflösen wird. Bis auch sie mich nicht mehr ansehen und meinen Namen vergessen wird...

2 Kommentare:

  1. Dvalinn ist so süß. Und wie sehr er versucht, die beiden Menschen zu beschützen. Vor allem Hildegard, wenn sie mal weint - das arme Mädchen.
    Alles in allem: aaawwwwwww.
    Ich mag den Zwerg. Harte Schale, weicher Kern.

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  2. Ja, er ist wirklich unglaublich süß!
    Aber ich schätze er ist gerade zu viel weicher Kern und zu wenig harte Schale. Dvalinn würde es richtig gut tun, wenn er mal wieder irgendwen vor einer richtigen Gefahr beschützen könnte... Irgendein großes Monster auf dass er sich stürzen kann.

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