Montag, 30. Mai 2011
25. Mai 651 (Hildegard)
Sonntag, 29. Mai 2011
25. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Ich stehe auf diesem Schlachtfeld wohl in der Mitte. Zwischen Menschen und Zwergen, doch gehöre ich zu keiner Fraktion.
Alarik fällt immer wieder in seine Angst zurück, auch wenn Hildegard alles mögliche dagegen unternimmt. Meine Versuche ihn von der Umgebung abzulenken haben nur wenige Minuten funktioniert. Ich war sehr froh, dass die Menschen die missgünstigen Blicke der Vettern nicht sehen konnten. Zwar galten sie hauptsächlich mir, weil ich mich mit Menschen einlasse, aber zu einem offenen Konflikt zwischen den beiden Parteien wird es wohl eh noch kommen.
Und in diesem Konflikt würde ich mich auf die Seite der Menschen stellen. Was bin ich auch für ein Zwerg!? Ich habe mit den Vettern nichts gemeinsam. Ich lebe mehr über als unter der Erde, ich reise von Ort zu Ort, singe öfter die Lieder der Menschen als die Lieder meines Volkes...
Gunnar hat mir Sveas Hand wohl kaum geboten, weil er mich in seiner Familie haben möchte. Nein. Er hat sie mir geboten, damit ich seine Heimat von Menschen befreie uns säubere. Warum sollte er mir sonst die Hand seiner Tochter versprechen? Ich habe nichts und was bin ich schon? Ein Krieger? Ich diene doch in keiner Armee. Nichts weiter als ein Söldner...
24. Mai 651 (Hildegard)
24. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Gunnar wird mich umbringen, vermutlich zu Recht, aber das war es mir wert! Schon seit gestern überlegte ich mir Mittel und Wege um kurz mit Svea allein zu sein. Ich hatte darüber nachgedacht ihr ein Zettel zuzustecken oder sie vor der Abreise kurz von ihrem Vater und ihrem Bruder zu trennen. Aber das wäre aussichtslos gewesen, wahrscheinlich hätte Gunnar einfach Durin mitgeschickt... Aber verdammt, ich ziehe hier in einen Kampf mit ungewissem Ausgang. Ich habe mir wenigstens einen Kuss verdient!
Dieser Kuss hat mich mehr Mut gekostet als Kämpfe gegen irgendwelche Räuber, Wölfe oder Yetis. Es war nicht Gunnars Reaktion die mir Angst machte, sondern Sveas. Was wäre wenn sie diesen Kuss verweigert hätte? Dann hätte ich die Frage geklärt, ob Svea mich liebt oder nicht... Aber dann zu diesem Ort zurückkehren, niemals! Dann würde ich lieber im Kampfe sterben. Wenn ich das nicht sowieso werde. Aber sie hat ihn erwidert. Ihre Lippen haben ganz leicht nach Pilzen geschmeckt, vermutlich hatte sie erst wenige Minuten vorher die Pasteten abgeschmeckt und gefüllt. Diese Pasteten haben wir dann mittags gegessen. Hildegard hatte wohl keinen Hunger und Alarik, nun, der versteht einfach nichts von zwergischer Küche, so dass ich ihre Portionen auch noch bekommen habe.
Die Reise verlief sonst ziemlich ruhig. Alarik und Hildegard kabbelten sich mal wieder wegen irgendetwas und die Vettern ignorierten mich. Insbesondere Turin, der älteste der Vettern, hat mich ziemlich kritisch angesehen, vermutlich machte er sich selbst Hoffnungen auf Svea...
Am späten Nachmittag erreichten wir bereits den Ferntunnel und da begannen die Probleme: Alarik kommt mit unterirdischen Umgebungen überhaupt nicht klar. Er hat Angst. Da ich das bereits wusste, wollte ich ihm noch eine Nacht im Freien gönnen, doch die Vettern weigerten sich und machten sich über seine Angst lustig. Ich kann Alarik im Prinzip verstehen, auch ich habe mich bei den ersten Nächten unter freiem Himmel nicht wohl gefühlt, doch die Heftigkeit seiner Reaktion überraschte mich etwas. Hildegard konnte ihn zum Glück mit ihrer mütterlichen Art beruhigen und zum weitergehen bewegen. Die Alternative, den Vorsprung der Vettern am Morgen wieder einzuholen, erwies sich schnell als unmöglich. Unsere Klerikerin muss schließlich jeden Morgen das Gespräch mit ihrer Göttin suchen und dafür müssten wir noch einmal pausieren...
Ich hoffe die Fackeln der beiden Menschen reichen über unsere Mission, sonst gnade den beiden Moradin.
23. Mai 651 (Hildegard)
23. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Sie hat Ja gesagt und meinen Ring genommen!
Heute war der Tag, heute habe ich Svea gefragt, ob sie mir mit den steinernen Bund schließen möchte.
Ich habe sie ja schon gestern um ein Treffen am heutigen Abend gebeten. Erst war ich jedoch wieder zum Abendessen bei Gunnar eingeladen und das Fleisch mit den Pilzen im Backteig von Svea war wieder hervorragend. Ob ich solches Essen wohl bald jeden Tag bekommen werde?
Nach dem Abendessen bin ich erst einmal kurz in den goldenen Hahn zurück. Narsil war wieder da und hat mit seinen Zaubertricks eine Blume in Stein verwandelt. Einerseits eine wirklich nette Geste, aber er hat wohl das Wesen der Zwerge nicht verstanden. Menschen mögen solche Tricks nett finden und sich nicht daran stören, dass die Steinblume nach wenigen Stunden wieder eine normale Blume ist, aber das ist doch nur ein fauler Zauber! Das ist kein Handwerk, das ist nicht von Dauer. Trotzdem habe ich mich sehr über Narsils Erscheinen gefreut: Ich mag den Jungen wirklich! Auch wenn sie vom Aussehen völlig unterschiedlich sind, trotzdem erinnert mich Narsils Grinsen oft an Argam...
Wenig später bin ich dann auch wieder nach draussen gegangen, habe mich auf den Brunnenrand gesetzt und vermutlich den halben Ring wegpoliert. Ich hatte befürchtet, sie findet keinen Grund um noch aus dem Haus zu gehen, oder Durin begleitet sie oder ähnliches. Doch plötzlich stand sie neben mir. Ihre Augen glänzten im Mondenlicht und sie war schöner als je zuvor! Moradin schloss seine eisernen Zangen um meine Kehle und ich konnte nur ihre Hände in die meinen nehmen. Ihre Hände fühlten sich so weich und doch rauh an und etwas feucht.
Schließlich fragte ich sie einfach. Die Antwort dass ihr Vater sicherlich damit einverstanden wäre reichte mir einfach nicht und ich musste sie fragen, ob sie das auch wolle: sie sagte ja. Einfach nur Ja! Ich weiß, ich hätte erst mit Gunnar reden müssen und die Hochzeit mit ihm klären, doch ich konnte nicht warten! Nur Moradin weiß, ob ich lebend von der Mission zurückkehre. Zu wissen, dass jemand in Lur auf mich wartet, lässt die Axt in meiner Hand leichter werden und schärfer schneiden.
Nur ist Svea so ein furchtbar anständiges Mädchen: Als ich versuchte sie zu küssen wich sie mir aus. Mich zu heiraten ist für sie in Ordnung, mir nahe zu sein nicht? Ein kleines Küsschen auf Wange und Stirn ließ sie zu, nur sehne ich mich nach einem richtigen Kuss. Ich würde mein Leben dafür geben, ihre weichen Lippen auf meinen zu spüren.
Und genau dies werde ich morgen tun. Nicht nur werde ich auf eine Mission gehen, die mich mein Leben kosten kann, auch küssen werde ich sie. Gunnar wird es hoffentlich verstehen, schließlich weiß er selbst wie gefährlich diese Mission ist.
22. Mai 651 (Hildegards Tagebuch)
22. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Mein Kampfausbilder meinte immer, dass man den Unterschied zwischen heldenhaften und dummen Taten am Erfolg misst. Ich fürchte, dich werde bald eine ziemlich dumme Tat begehen. Eine ganze Mine voll von Grabräubern und möglicherweise schlimmerem und ich darf sie säubern...
Der gestrige Tag fing damit an, dass Hildegard Alarik und mich zum baden gezwungen hat. Nun, weniger mich als Alarik, den wollte sie mit Zaubersprüchen und Hexerei in den Zuber zwingen. Sowas hätte ich ihr eigentlich nicht zugetraut. Wird sie uns ihren Willen auch aufzwingen wenn es um wichtige Dinge geht!? Alarik war richtig sauer und ich verstehe ihn da absolut. Sie meinte es zwar nur gut, aber wie sie das getan hat...
Nachdem ich meine gewaschenen Klamotten wieder hatte bin ich dann in die Schmiede gegangen und wurde den Vettern vorgestellt. Die Stimmung war sehr drückend und Gunnar erzählte mir von den Vorgängen in Khazad Mirr, deren Kunde die Vettern Turin, Larni und Agdorn gebracht haben. Man hat Gunnar angesehen, dass er am liebsten aufgesprungen wäre um die räuberischen Menschen wieder zu verjagen, also hab ich ihm meine Hilfe angeboten und er hat angenommen. Alles würde er mir geben, wenn ich das schaffe. Das waren seine Worte. Ob er gesehen hat, dass ich Svea angesehen hab, oder ob ihm mein Interesse zu ihr bei anderer Gelegenheit aufgefallen ist, ich weiß es nicht, aber er bot mir auch an, mich in seine Familie aufzunehmen. Also mir seine Tochter zur Frau zu geben. Diesen zusätzlichen Anreiz hätte ich gar nicht gebraucht, aber so würde sich mein größter Wunsch erfüllen. Benommen durch das Versprechen von Ruhm, Ehre, Gerechtigkeit und einer wunderschönen Ehefrau bekräftigte ich noch einmal, wie gerne ich diesen Kampf auf mich nehmen würde.
Erst als ich auf dem Marktplatz stand, wurde mir klar, dass ich eben mein Todesurteil unterschrieben habe. Also führte mich mein Weg in den goldenen Hahn... Ich erinnere mich noch, dass Narsil plötzlich auftauchte, aber genauso schnell war er auch wieder fort.
Und Hildegard legte ihre Karten um in unser Schicksal zu sehen: Sie berichtete von Dunkelheit und Tod und dass der Ausgang unserer Reise ungewiss ist. Ja, unserer Reise. Sowohl Alarik als auch Hildegard zögerten nicht mich zu begleiten. Sie werden mir zwar sicher eine große Hilfe sein, aber darf ich sie wirklich der Gefahr aussetzen!? Sie werden sich aber wohl kaum noch umstimmen lassen.
Und das ist auch so ziemlich alles, an das ich mich erinnere.
Der nächste Morgen war furchtbar! Zum Glück hatte einer der Händler ein Pülverchen, dass wenigstens etwas gegen die Kopfschmerzen half.
Wenig später machte ich mich wieder auf den Weg in die Schmiede mit Hildegard. Wenn sie mit nach Khazad Mirr kommt, soll sie auch ruhig mit in die Schmiede kommen. Zwei Köpfe denken besser als einer.
Durin begrüßte uns in der Schmiede und nahm auch meine Rüstung an, die dringend ein paar Ausbesserungen nötig hat, bevor wir nach oben gingen.
Gunnar dankte mir noch einmal für meinen Einsatz und überreichte mir die Karte von Khazad Mirr, um die ich ihn gestern bat. Nachdem alle Fragen geklärt waren, ging Hildegard dann auch wieder.
Gunnar war so freundlich mir seine Schmiede zur Verfügung zu stellen damit ich die Brosche, die ich bei der Pferdeleiche gefunden habe, wieder gerade biegen zu können. Hildegard stellte nämlich nicht nur fest, dass sie Magie enthält, sondern auch dass die kleinen verbogenenen Goldstrahlen diese Magie behindern. Was ich natürlich leicht ändern kann, schließlich trage ich mein Goldschmiedezubehör nicht umsonst mit mir herum! Während ich arbeitete brachte mir Svea etwas zu essen vorbei. Sie wird immer so süß rot, wenn sie mit mir spricht. Je öfter ich sie sehe, desto sicherer bin ich mir, dass sie die Frau ist mit der ich den steinernen Bund schließen möchte. Ich habe sie um ein Treffen in der Nacht vor der Abreise gebeten. Sie zögerte erst, doch willigte schließlich ein.
Ob ich von der Reise nach Khazad Mirr zurückkehre oder nicht - ich will, dass Svea meine Frau wird!
Mittwoch, 4. Mai 2011
21 Mai 651 (Elaril)
Liebes Tagebuch, wir haben unseren Auftrag erfüllt und den Missus und die Schwarzmagier nach Malfori gebracht, wo sie den Gerichtsprozess bekommen haben, der ihnen zustand. Ich hatte schon den ganzen Rückweg kein besonders gutes Gefühl dabei, immerhin ist die Möglichkeit, eine Verhandlung durch den Fürsten persönlich zu fordern dazu gedacht, unschuldig Angeklagte vor der Willkür lokaler Gerichte zu schützen und nicht etwa dazu, zehn Ritter und einen Missus tagelang von wichtigeren Aufgaben abzuhalten. Seine Lordschaft schien ähnlich zu denken, jedenfalls war er sehr gereizt, als er die Verhandlung begann und der Versuch der Magier, sich bei ihm anzubiedern kam weniger gut an, als sich die Magier das vielleicht gedacht hatten. Arme Toren. Ich habe kurz mit dem Schlimmsten gerechnet, nicht nur für die Angeklagten, sondern auch für uns. Aber wir haben nun wirklich nur unsere Pflicht getan. Seine Lordschaft musste sich, glaube ich, sehr zusammenreißen, um die Magier nicht für ihre Dummheit mit einer schwereren Strafe zu belegen als nötig war. So sind sie erstaunlich glimpflich davon gekommen, mit einem schnellen und beinahe schmerzlosen Tod. Trotzdem hat die Hinrichtung heute Morgen selbstverständlich die Stimmung im Schloss und bei den Männern gedrückt, vor allem die Verlester schleichen herum wie geprügelte Hunde. Tja, was soll man machen, wenn die bei ihren höfischen Turnieren und Festen und dem ganzen parfümierten Geplauder nicht mehr wissen, wie man Gesetze durchsetzen muss. Schwarze Magie ist eben kein Kavaliersdelikt.
21. Mai 651 (Hildegard)
21. Mai 651 (Tiron)
Liebes Tagebuch, wie befohlen haben wir den Karren mit den gefangenen Magiern von Ravensloft nach Malfori eskortiert, wo sie vor das Gericht des Fürsten gestellt werden sollten. Denn immerhin hat der Herr von Malfori jedem seiner Untertanen zugesichert, dass er eine gerechte Verhandlung an seinem Hof bekommen würde, wenn er irgendwelche Vorbehalte gegen die lokale Gerichtsbarkeit hätte. Soweit die Theorie. Aber Papier ist geduldig, nicht wahr?
Ich muss vielleicht hinzufügen, dass ich bis gestern Abend nicht verstanden habe, warum die Magier statt einem Urteil durch Herrn von Rodenwald eines durch Victor von Malfori vorgezogen haben. Sie haben damit ja letztendlich nur etwas Zeit geschunden. Aber sie haben sich tatsächlich eine Chance ausgerechnet, dass der Fürst sie in seine Dienste nehmen würde – immerhin ist er ein Dämon. Aber weit gefehlt.
Ich muss gestehen, die Verhandlung hat mich erschreckt. Und wenn ich mich an die Gesichter der anderen an diesem Abend denke, bin ich nicht der einzige, dem es so gegangen ist. Selbst Elaril war – bei aller Loyalität zu seinem Herren – erschreckend blass. Das war keine Verhandlung, das war eine Farce. Oh, sicher, die Magier wurden verurteilt und schon am kommenden Morgen durch das Beil des Henkers hingerichtet, aber... ich werde das Gefühl nicht los, dass sie weniger dafür verurteilt worden sind, dass sie schwarzer Magie ausgeübt haben als vielmehr dafür, dass sie den Fürsten einfach genervt haben. Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll, ohne dass es wie Majestätsbeleidigung klingt, aber ich hatte das starke Gefühl, dass seine Lordschaft wenig bis keine Lust hatte, sich mit dem Prozess zu befassen, dass er das Urteil schon vorher gefällt hatte und dass der Versuch der Magier, sich zu verteidigen es eher noch schlimmer gemacht hat. Soviel also ist die gepriesene Gerechtigkeit in Malfori wert. Er hat sie nicht mal ausreden lassen. Was ist, wenn ein Unschuldiger an einem Tag seinen Prozess hat, an dem der Herr von Malfori solche Laune hat? Oder sich lieber mit anderen Dingen beschäftigen würde? Seinem Rosengarten oder seinen völlig überzogenen Bauprogrammen? Nun, das Beil des Henkers fällt hier offenbar schnell, das erspart dem Fürsten immerhin eine Wiederaufnahme der Verhandlungen. Verzeih mir den bitteren Ton, liebes Tagebuch, aber ich bin einfach anderes gewohnt und froh, wenn wir morgen wieder aufbrechen.
20. Mai 651 (Hildegard)
Diese Räuber haben allerdings nicht sehr viel Spaß mit uns gehabt, sie bekamen sehr direkt unseren Unmut über die ständigen Überfälle zu spüren. Bei sowas wird mir immer wieder klar, warum Meister Farald so viel Wert auf kriegerische Disziplinen legte, wie auf das Studium der Heilkünste und Magie. Er wusste, dass ich früher oder später alleine würde zurechtkommen müssen. Und dass dann auch de Tag käme, an dem ich darauf angewiesen bin mich notfalls auch alleine zur Wehr setzen und mich verteidigen zu können. Glücklicherweise hat mich mein Lehrmeister gut unterrichtet...
20. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Gerade, die Nacht neigt sich schon wieder dem Ende zu, sind wir in Lur angekommen.
Anders als auf der Hinreise nach Thorndorf haben wir auf der Rückreise nicht mehr in Galimswerth übernachtet sondern sind ein paar Stunden nach der Dämmerung bis nach Lur gelaufen. Die Nachtruhe haben wir uns jetzt dann wirklich verdient.
Doch möchte ich noch kurz die Reise zusammenfassen:
Wir sind am 18. Mai nach Galimswerth aufgebrochen und haben im dortigen Gasthaus Betten im Schlafsaal gemietet. Während des Abendessens trafen wir dann auf den Barden Narsil. Welch eine angenehme Überraschung! Er uns den Abend mit Speis und Tank wirklich versüßt. Dadurch dass er die ganze Gaststube unterhalten hat, bekam er soviel spendiert, dass auch für uns genug übrig blieb. Er hat dann auch noch das ein oder andere Lied gespielt, welches ich noch gar nicht kannte. Man muss den Menschen wirklich lassen: Sie haben unglaublich viele Lieder in denen es um Alkohol geht! Zwar gibt es auch bei uns das ein oder andere Trinklied zu Ehren Hanseaths, aber die meisten Lieder drehen sich um sagenhafte Helden und sind oft ziemlich ernst.
Meine Erinnerung an diese Nacht ist ziemlich verschwommen und setzt irgendwann ganz aus... Hildegard behauptete am nächsten Morgen, dass ich mich auf einen der Tische gestellt habe und mich ausgezogen habe. Das kann ich mir gar nicht vorstellen, warum sollte ich das getan haben!?
Am Nachmittag erreichten wir schließlich Thorndorf und fragten uns zu der Bibliothek durch. Dort wurden wir von Wilhelm Theophil Paulus von Thorndorf, Scholasticus und Bibliothekar a.D. sehr freundlich empfangen. Und als wir dann auch noch den Namen Thais erwähnten bat er uns schnell herein und stellte uns seine Bibliothek zur Verfügung. Eine sehr beeindruckende! Viele Menschen achten das geschriebene Wort ja nur gering, aber es gibt auch immer wieder lobenswerte Ausnahmen.
Insbesondere zum Thema Geschichte fanden sich dutzende Regalmeter! Seine Auswahl an Büchern zu zwergischen Sagen und Minen war natürlich geringer, doch er gab sich viel Mühe mit einige Werke über Khazad Mirr und die Larni-Saga herauszusuchen. Es war sehr faszinierend wie viele Bücher der kleine hutzelige Mann zu uns geschleppt hat.
Sogar einen Aufsatz über das Wort Dunkelheit in der Larni-Saga war in seinem Besitz!
Wir verbrachten einige Stunden in diesen Räumen und zwischendurch half ich Hildegard bei ihren Nachforschungen und sie bei den meinigen. Erst wunderte ich mich, warum Alarik so wenig Interesse an diesen Büchern zeigte, doch dann sah ich den Grund dafür in Form von einigen ungeschickt hingekritzelten Buchstaben: Der Junge kann weder lesen und schreiben! Ich weiß gar nicht warum mich diese Tatsache leicht verwundert hat.... Bei den Menschen ist das keineswegs unüblich. Hildegard bringt ihm wohl gerade die Grundlagen bei. Alarik scheint seine Unfähigkeit zur Schrift wohl auch sehr peinlich zu sein: Kaum hatte ich ihn auf einige kleine Fehler in seiner Übung hingewiesen, verfärbte sich sein Gesicht rubinrot.
Spät in der Nacht verließen wir schließlich das Haus Wilhelm Theophil Paulus‘ und übernachteten im schwarzen Eber.
Die Rückreise nach Lur war bis auf eine Begegnung mit Räubern ereignislos. Räuber... Davon gibt es hier ja weit mehr als genug. Dieser Kampf stellte für uns keine größere Bedrohung dar und so erreichten wir dann schließlich Lur.
19. Mai 651 (Hildegard)
Ich kann jetzt mit Sicherheit sagen, dass die Frau die uns in nächtlichen Träumen erscheint Ravija von Ragnaron ist, genau wie ich es vermutete. Was sie von uns will, das weiß ich allerdings nach wie vor nicht. Ich hoffte, dass eine Analyse der Magie die auf dem Ring liegt uns da irgendwie weiterhelfen könnte. Allerdings sieht es so aus, als ob das eine Fähigkeit wäre, die man nur bei fähigen Magiern finden kann.... Und nun finde man mal einen solchen in den Reichen. Diese Spur führt also vorerst ins Nichts. Ich für meinen Teil kenne jedenfalls keinen und die Jungs offensichtlich auch nicht.
Apropos die Jungs..... Dvalinn hat wie zu erwarten die Mengen an Alkohol nicht vertragen, die er gestern in sich hineingeschüttet hat. Und was hat er daraus gelernt? Natürlich nichts.
Da er aber einen Gedächtnisriss hatte und sich offensichtlich kaum noch an den letzten Abend erinnern konnte, haben wir ihm einfach erzählt, dass er sich ausgezogen und nackt auf dem Tisch getanzt hätte. Narsil hat bei diesem kleinen Streich mitgespielt und war meiner Meinung nach sehr überzeugend. Dvalinn scheint trotzdem nach wie vor skeptisch zu sein, wenn ich es erwähne. Zu knuffig! Genau wie als die Jungs sich zuerst weigern wollten sich in Thorndorf vernünftig zu waschen, damit sie den Bibliothekar nicht sofort verschrecken, wenn drei fremde, schmutzige Gestalten vor seiner Tür stehen und fragen, ob sie mal in sein Haus kommen können....
Aber nur ein kleiner drohender Blick und es kam kein Widerspruch mehr, als ich Lappen holte und auf den Brunnen im Dorf wies. Wir hatten dann auch keine großen Probleme bei Wilhelm Theophil, der erfreut war Bekannte von Thais zu treffen, die dazu noch seine Bücher zu schätzen wussten.
Morgen werden wir zurück nach Lur reisen und dann schauen wir mal weiter.
18. Mai 651 (Hildegard)
Wir saßen gerade beim Essen beisammen und die Jungs haben sich um Alariks Gericht gezankt, dass deutlich besser schmeckte als Dvalinns und mein Eintopf. Also habe ich einfach eines für uns alle nachbestellt, damit Ruhe herrscht. Und plötzlich stand Tirons Bruder, Narsil, mit unserer Bestellung an unserem Tisch! Ich war sehr überrascht ihn hier zu treffen. Aber da er ja wie wir ein wenig ziellos durch die Gegend streift, hätten wir natürlich überall auf ihn treffen können. Ich habe nur nicht damit gerechnet und Alarik deshalb in einer ruhigen Minute eingeimpft, dass er einfach bei unserer Geschichte vom letzten mal bleiben soll, mit dem „Ehepaar“. Doch der Versuch war ziemlich fruchtlos, Narsil war ziemlich klar, dass Alarik und ich kein Paar sind. Also gab ich die Geschichte einfach auf. Danach versuchte er ein paar mal mit mir zu flirten, allerdings ging ich nie darauf ein. Was soll ich auch sagen, einfach am Tisch herausplatzen mit „Hallo Narsil, wir kennen deinen Namen, weil wir deinen Bruder nicht nur getroffen haben, ich habe auch mit ihm geschlafen“ ?? Den subtileren Hinweis hat er offensichtlich nicht verstanden. Und alles andere...wäre mir zu vulgär.
Jedenfalls hat er uns den Abend lang Gesellschaft geleistet und ich muss zugeben, er ist gar kein so übler Kerl. Wenn man über die dauernden Flirtversuche hinwegsieht, ist er wirklich nett und witzig. Er hat den ganzen Abend lang immer wieder Dvalinn und die anderen Gäste mit Liedern unterhalten und wurde dafür mit Essen und Getränken beschenkt, die er sehr freigiebig mit uns teilte. Dvalinn hatte sehr viel Spaß an Narsils Musik und wir haben uns am Ende einen kleinen Spaß mit Dvalinn gemacht. Wir haben ihm einfach immer wieder Alkohol zugeschustert und ihn beobachtet, wie er betrunkener und betrunkener wurde. Vielleicht wird ihm das eine Lehre für die Zukunft sein, sich nicht dauernd so zu betrinken, bis er nicht mehr weiß was er tut.
Jedenfalls rechne ich es Narsil an, dass man mit ihm auch gut ein wenig Unfug treiben kann. Die meisten Menschen die ich unterwegs treffe sind zu ernst und verstehen selten einen guten Spaß.
Narsil scheint da definitiv anders zu sein. Am Ende des Abends, als Alarik Dvalinn schon in unseren Schlafsaal gebracht hat, saß ich noch allein mit Narsil zusammen und habe mich ein wenig über seine Flirtversuche amüsiert. Er hoffte wohl, dass sich meine Einstellung mit ausreichend Alkohol noch ändern würde und bestellte uns recht viel Wein. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass ich sein kleines Spiel durchaus durchschaute, entschuldigte er sich damit, dass nicht er, sondern der Alkohol verantwortlich sei, der da aus ihm spräche. Und tatsächlich hielt er mir dann sein Glas ans Ohr, dass daraufhin zu mir sprach!
Unglaublich, ich wünschte ich könnte sowas auch! Vielleicht habe ich mich in Tirons Bruder ein wenig verschätzt. Er war bei weitem nicht so aufdringlich wie einige der Typen, denen ich auf Reisen schon begegnet bin. Er zog sich am Ende zu seinem Schlafplatz zurück und wir wünschten uns eine gute Weiterreise. Er wird wie wir ebenfalls weiter seiner Wege ziehen und vielleicht trifft man sich ja irgendwann wieder. Mit seinem Bruder scheint er auch keinen so regen Kontakt zu haben, er zeigte sich überrascht, als wir von unserem Treffen berichteten und war erstaunt, dass sie sich so knapp verpasst hatten und sein Bruder wohl in der Zwischenzeit zum Hauptmann befördert wurde. Ich wünschte ich bekäme auch einmal gute Nachrichten aus der Heimat.
Und was Tiron wohl gerade tut? Hoffentlich geht bei den Rittern alles gut. Ich sorge mich wenig um die Schwarzmagier, so bedrohlich kamen sie mir bei weitem nicht vor. Aber dass der Elf mit einem magischen Gegenstand reist, von dem er nichts wissen will, das bereitet mir durchaus Sorgen. Ich hätte ihn doch noch einmal darauf ansprechen sollen, bevor sie weitergezogen sind... Wäre da nicht Tiron gewesen und der Kuss... Ich meine, wie soll man denn da auch an alles denken können??
Und nachher ärgert man sich...
17. Mai 651 (Hildegard)
Tatsächlich schlugen wir uns weit weniger Heldenhaft, auch wenn es den Männern durchaus nicht an Mut mangelte. Doch ich habe schon bessere Kämpfe gesehen liebes Tagebuch, das kannst du mir glauben. Die Verletzungen die wir davongetragen haben, bestätigen das leider nur.
Dabei muss ich aber erwähnen, dass Durin sich weit besser geschlagen hat als erwartet! Für einen Zwerg ist er ausgesprochen talentiert darin sich trotz schwerer Rüstung leise an den Gegner heranzuschleichen. Man sah ihn weder, noch hörte man ihn, als die Aufforderung zum Anschleichen und Verstecken an die Männer rausging. So ungefähr jeder außer Dvalinn machte seine Sache gut. Dvalinn sollten wir vielleicht in einer ruhigen Minute nochmal erklären, dass einfach stehenbleiben ihn nicht sofort als Felsbrocken tarnt und dass Anschleichen so etwas wie leise sein bedeutet. Zum Glück hatten wir vorher abgesprochen, dass ich alleine bis auf kurze Reichweite an das Lager herangehen würde um auszukundschaften, mit wie vielen Räubern wir zu rechnen haben. Die Männer waren ganz erleichtert als sie hörten, dass wir nicht mit einer unbezwingbaren Anzahl an Gegnern rechnen mussten. Ich bin nur froh, dass keiner fragte wie genau ich die Anzahl unserer Gegner aus der Entfernung abschätzen kann. Ich nehme nicht an, dass sie besonders angetan wären wenn sie wüssten, dass ich die Möglichkeit habe immerhin oberflächliche Gedanken zu lesen.
Wir beschlossen die Position des Lagers direkt vor einer hohen Felswand für uns auszunutzen und die Räuber von den zum Wald hin offenen Seiten einzukreisen, damit sie uns nicht mehr entkommen konnten mit der Felswand im Rücken. Wir rückten also von mehreren Seiten heran, die Schützen starteten den Angriff, in dem wir die Räuber unter Beschuss nahmen und läuteten damit eine allgemein langwierige und nicht so erfreuliche Schlacht ein, an deren Ende wir aber die Oberhand behielten. Die Jungs durchsuchten die Gefallenen, während ich unsere Männer heilte so gut ich konnte und einen versteckten Eingang im Felsen fand, der zu einem Lagerraum führte. Leider lagerten sie dort hauptsächlich Nahrung und Decken, eine vielversprechende Truhe barg zumindest zwei Heiltränke. Einen, nachdem der Zwerg die Truhe auf seine Art geöffnet hatte.
Danach unternahmen wir nur noch einen strammen Marsch zurück nach Lur, wo wir erst nach Anbruch der Dunkelheit ankamen und wo wir wie gesagt erstmal in der Taverne auf unseren Sieg trinken mussten. Ich hoffe wir können jetzt endlich nach Thorndorf aufbrechen, wo wichtigere Arbeit auf uns wartet. Ich möchte zu gerne endlich einige Nachschlagewerke zu magischen Gegenständen befragen und mich nochmal in die Geschichte der Fürstentümer einlesen, vielleicht finden sich dort nähere Hinweise, die uns weiterhelfen. Und mit etwas Glück sogar ein Bild der verstorbenen Fürstin Ravija, das könnte mir die Suche nach dem Ursprung und dem Zweck dieser Träume deutlich erleichtern. Und vielleicht finde ich sogar heraus wie ich den Zauber erkennen kann, der auf dem Ring liegt. Ich habe viel vor und freue mich schon auf die Bibliothek! Ich hoffe nur, dass ich mir nicht zu viel davon verspreche.
17. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Ggreade habe ich Durin nAch Hause gebracht. Man, der Juunge hat vieeliecht gesoffen! Hatter sich aber auch verdient.
der Kampf lief so mittell. Paar Verletzte, aber das is ja eh immer normal. Räuber sind besigt, alls von uns leben noch. PAsst.
Wir, also die Hilde, der Wuschel, Kurzbart, Wulfhinrich, Aalbrecht und Berhtolt (zwei Holzfäler), aigolf „Orkspalter“ und meine wenichkeit, sind der sTelle die uns der eine Räuber gesagt hat und da ham wir die Räuberchen auch aufgestöbert. Dann ham wir se niedergemacht. Von deenen is keiner mehr am lEben! Haha!
Die hilde, die wäär eigentlich vooll der gute Zwerch! Die hat ne Geheimtüür im Fels gefunden, also die hätt ich nisch geseehn! dA hatten de Räuber ihr Lager und sowas. Aber nua Krempel. Paar Münzelchen, aber ncih viel. Wir ham dia ja auch nihct für Gold getötetet, auch wen wir das sicher genomm hättn, sondern weil wegen gerechtichkeid un so. ach, un Svea war ganz schtolz auf uns. sIe is schon nen süssses goldsschtückschen!
Boah, abder der Gunna, der is schln streng! der hatten Kurzbart sowas von anne ohren gezogen, der sah fast asu wie nen Elf! Nur weil er eein bschen getrunken hatt... was wärn den ein Sieg ohne Alohol? Leida hab ich de Svea nüch mehr jeseehn als ich den Durin zurüück zu papa gebracht hab.
16. Mai 651 (Hildegard)
Aber erst einmal alles der Reihe nach. Ich schrieb ja schon, dass wir uns gestern auf den Weg in den Wald nordöstlich von Lur machen wollten in dem Versuch die Leiche zu finden, bei der der magische Ring mit dem Wappen Ragnarons gefunden worden sein soll.Und wir wurden auch tatsächlich fündig, wenn auch nicht so wie ich es mir erhofft hatte. Aber das war ja mehr oder minder genau das, was die Karten uns vorher schon prophezeiten.
Das ganze lief so ab: Wir liefen die Strecke die Alarik vorher ausgekundschaftet hatte, bis wir an eine Wegabzweigung kamen. Ich schaffte es nicht mit göttlicher Hilfe zu entscheiden, welcher von den drei Wegen der richtige wäre und entschied schließlich einfach spontan. Der Weg den wir wählten führte uns stundenlang durch hohes Gras, in dem man kaum etwas erkennen konnte. Dementsprechend langsam bewegten wir uns suchend vorwärts, bis wir den Waldweg verließen und an einen Felsvorsprung kamen, auf dem ich zwei Raben sah, die sich um etwas stritten. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, wurde sich auch Alarik bewusst, was das für uns bedeuten konnte und wir drei begannen den Aufstieg, der uns in unseren Rüstungen unerwartet schwer fiel. Als dann noch ein plötzlicher Mairegen auf uns niederprasselte, liefen und kletterten wir nur noch so schnell wir konnten und kauerten uns frierend und bedeckt von Matsch unter den Felsvorsprung, den die Raben mittlerweile verlassen hatten. Dafür fanden wir dort die Ursache ihres Gezankes. Eine halb angenagte, verfaulte Leiche die mittlerweile mehr einem Skelett glich und an die Felswand angelehnt, noch immer aufrecht saß. Wir überwanden uns und untersuchten die Leiche, was immerhin eine schwere Rückenverletzung als Todesursache und ein Militärmesser mit Ragnaroner Wappen zutage förderte. Sein Beutel war offensichtlich zuvor bereits gründlich durchsucht worden und brachte uns keine Anhaltspunkte. Nach dem Regenschauer sahen wir uns noch in der Umgebung um, wobei ich auf einem etwas abgelegenen Weg einen Abhang herunterkam und die Überreste des Pferdes fand, auf dem der Landsknecht wohl bis hierher gekommen war. In den Satteltaschen waren noch seine Kleidung und einige verschiedene Beutestücke, wie silberne Kerzenhalter und ungeschliffene Edelsteine. Während Alarik und ich die Gegend absuchten, hub Dvalinn ein Grab für die Leiche aus, die wir anschließend den Felsen hinab trugen und bestatteten. Was der Landsknecht mit den Wertsachen und dem Ring hier gemacht hatte, wird uns aber wohl immer ein Rätsel bleiben. Waren die Gegenstände etwa alle gestohlen? Sie gehörten offenbar nicht zu ein und demselben Haushalt. Und was machte ein Landsknecht in dieser Ecke von Ragnaron mit Kerzenhaltern im Gepäck und einer tiefen Wunde am Rücken? Wann ist diese ihm zugefügt worden und von wem? Vielleicht werden wir das wirklich nie erfahren.
Wir waren jedenfalls zu dieser Zeit so weit weg von Lur, dass wir uns entschlossen ein provisorisches Nachtlager unter dem Felsvorsprung aufzuschlagen und am nächsten Morgen zurück nach Lur zu gehen. Die Nacht war unglaublich kalt, wir rückten alle zusammen so weit wir konnten. Wer wachte lauschte auf die Wölfe und ob sie dem Feuer fernbleiben würden und wer schlief wurde von Alpträumen geplagt. Jeder einzelne von uns träumte diese Nacht schlecht, von Skelettpferden wie bei Dvalinn, oder Untoten wie bei Alarik und mir. Und wie fast alle vorangegangenen Nächte war da wieder diese Frau im schlichten weißen Kleid, die ich Nacht für Nacht in meinen Träumen sehe seit Ravensloft. Seit ich diesen magischen Ring bei mir trage. Nur diesmal vertrieb sie die Untoten, die mich verfolgten und nach mir griffen, anstatt wie sonst ohne ein Wort gesagt zu haben wieder zu verschwinden. Ich vermute, dass es eine Botschaft von der verstorbenen Fürstin von Ragnaron sein könnte, habe allerdings bisher keine Hinweise gefunden, die meine Theorie hinreichend untermauern würden. Und was diese Botschaft mir sagen soll, vermag ich auch noch nicht zu erkennen. Nichts, außer dass ich gerufen werde kann ich über diese Träume sicher sagen.
Nach einer völlig unentspannten Nacht die wir mit bösen Träumen und Frieren verbracht haben, brachen wir also wieder auf Richtung Lur. Die Wölfe waren uns fern geblieben, aber dennoch waren sie viel zu früh im Jahr viel zu Weit ins Land vorgedrungen, was durchaus besorgniserregend ist. Mit Wölfen haben wir ja keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Mit Räubern allerdings auch nicht, und eben solche lauerten uns auf dem Rückweg im Wald auf. Einen von ihnen hatten wir schon ausgemacht und wir wollten uns gerade zur Wehr setzen, als sich herausstellte, dass wir bereits von Räubern eingekreist waren. Denn zwei weitere Räuber standen uns im Rücken und man forderte uns auf unsere Waffen niederzuwerfen und unsere Wertsachen auszuhändigen. Es folgte ein Moment angespannter Stille, denn ich hatte nicht vor unsere Wertsachen auszuhändigen, vor allem nicht den magischen Ring. Aber ich wusste nicht wie die anderen reagieren würden und wir waren nicht nur in der Unterzahl, sondern auch in einer schlechten Position, da nicht nur ein Bogenschütze auf uns zielte, sondern wir auch noch Gegner im Rücken hatten. Aber glücklicherweise konnten wir uns ganz ohne Worte untereinander verständigen, denn die anderen sahen wohl genauso wenig ein wie ich, dass wir uns ergeben sollten. Auf Alariks Kommando hin schickte Dvalinn einen wütenden Kampfschrei in Richtung des ersten Räubers und rannte mit gehobener Axt auf ihn zu. Der räuberische Bogenschütze setzte just in diesem Moment ebenfalls auf den schreienden Zwerg an, was Alarik freies Schussfeld auf den Bogenschützen gab. In dem Moment in dem ich realisierte, dass die Jungs die Situation vor uns unter Kontrolle bringen würden, drehte ich mich um und beschloss ihnen den Rücken freizuhalten. Womit ich mich zwei bewaffneten Räubern gegenübersah, die mich mit ihren Schwertern ganz schön in Bedrängnis brachten. Doch ich war wild entschlossen den Jungs Rückendeckung zu geben. Glücklicherweise bin ich durch das Geschenk der göttlichen Magie in der Lage Heilzauber zu sprechen, nicht nur auf andere, sondern auch auf mich. Ansonsten hätte ich diesen Kampf unmöglich überleben können. Aber durch Sehanine war es mir möglich übermenschliches zu leisten und meinen Jungs den Rücken freizuhalten. Zu dritt erledigten wir unsere Gegner und nahmen den einzigen Überlebenden mit nach Lur, nachdem dieser uns erzählte, dass er von einem Treffen der anderen Bandenmitglieder wusste und uns den Weg zu ihrem Quartier beschreiben konnte. In Lur versammelte man sich dann um uns am Marktplatz, man hätte meinen können halb Lur wolle unbedingt auf Räuberjagd gehen! Glücklicherweise nahm Aigolf sich der Organisation an, sperrte den Gefangenen in seinen Keller und stellte einen kleinen Trupp von mehr oder weniger fähigen Männern zusammen, mit denen wir morgen zum beschriebenen Treffpunkt aufbrechen werden.
Ich war froh nach dieser Nacht ein angenehmes Bad nehmen und gutes Essen von Berta genießen zu können. Zur Feier des Tages spendierte sie uns einen Kuchen, den wir unter uns aufteilten. Den hiesigen Zwergen schien er nicht so zu gefallen, Dvalinn dafür aber umso mehr! Im Anschluss habe ich noch Dvalinn und Alarik zugesehen, wie sie mit Durin Waffenübungen gemacht haben, da er fest entschlossen ist uns morgen zu begleiten. Und Dvalinn fühlt sich nun verantwortlich für ihn und wollte Durin ein wenig vorbereiten. So schlecht hat sich der kleine Zwerg auch gar nicht geschlagen, wobei ich mir die Verantwortung gegenüber dessen Familie nicht gerne aufgebürdet hätte. Aber was tut man nicht alles, wenn man sich beim Vater der Angebeteten einschmeicheln will...
Ich bin mal gespannt, was uns morgen erwartet. Hoffentlich lohnt es sich wenigstens mal für uns, dass wir schon wieder anderer Leute Aufgaben erledigen. So langsam fühle ich mich wie eine Ersatzwache, nur ohne Bezahlung...
16. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Sieht so aus, als würden wir morgen mal wieder Räuber jagen gehen!
Kaum tritt man aus dem Stadtgebiet Lurs heraus, schon muss man sich irgendwelche Banditen vom Leibe halten!
Gestern sind wir ja aufgebrochen um eine mysteriöse Leiche einer seltsamen Frau zu finden, die irgendwann mal irgendwo ermordet wurde. Interessanterweise haben wir tatsächlich eine Leiche gefunden. Zwar nicht die der Frau, aber Hildegard dürfte jetzt trotzdem ein Weilchen zufrieden sein.
Bevor wir losgegangen sind, hab ich erst mal Gunnar sein Kurunt vorbei gebracht. Er war sichtlich mit der Menge zufrieden, aber das wundert mich auch nicht: ich hab einen ziemlich guten Preis rausgehandelt. Dann hat mich gebeten mal zum Abendessen vorbei zu kommen und ich hatte fast das Gefühl hinter der Aufforderung steckt noch irgendwas anderes...
Erst sind wir einige Stunden durch Wege, Felder und Wälder gelaufen und ich weiß nicht inwieweit Hildegard selbst wusste, wo wir hinmüssen...
Die beiden Menschen sahen dann an einem Felsvorsprung einige Raben und schloßen daraus auf etwas interessantes, also sind wir den Hügel hochgestiegen. Unter einem Felsvorsprung fanden wir dann tatsächlich einen halb verwesten Körper, dessen Ausrüstung das Wappen Ragnarons zeigte. Dummerweise wurden wir bei dieser Aktion von kräftigem Mairegen überrascht und wurden komplett durchnässt. So saßen wir dann erst mal: Mitten im Nirgendwo, auf einem Fels, nass und neben einer Skelett. Meine Alternative wäre ein Abendessen bei Gunnars Familie gewesen... Aber alleine lassen möchte ich die Menschen auch nicht. Warum hat sich ja dann wieder gezeigt.
Als der Regen aufhörte, schaufelte ich dem Mann ein Grab, während die beiden das Umland untersuchten und dabei auf eine Pferdeleiche stießen. Was der Mann allerdings mitgenommen hatte, war mehr als seltsam: silberne Kerzenleuchter, einen Kelch, Edelsteine und wenige Saschen von dem Pferd entfernt fand ich auch noch eine wirklich schön gearbeitete Goldbrosche! Was wollte der Mann mit diesen Dingen? Hatte ich gerade ein Grab für einen Dieb gegraben?
Leider war es dann auch zu spät um nach Lur zurückzukehren, also schliefen wir unter dem Felsvorsprung. Es war eine verdammt kalte Nacht und nie habe ich mich mehr über meinen Yetifell-Umhang gefreut... Das tote Pferd hat sich auch in meine Träume geschlichen: Ich träumte, dass ich auf einem Skelettpferd reitend zu einer Mine komme, wo mich Dunkelheit empfängt. Der Teil mit dem Pferd war ja durchaus interessant, aber Dunkelheit? Hände die mich aus der Dunkelheit berühren, nein! Darauf kann ich verzichten!
Unsere Klerikerin musste natürlich auch noch alles mögliche in diese Träume hinein interpretieren. Unsinn! Träume sind gegenstandslos. Man kann sie nicht anfassen, sie bedeuten nichts!
Am morgen sind wir dann wieder nach Lur aufgebrochen und hörten ein verräterisches Rascheln im Unterholz. Wir taten erst so, als hätten wir nichts bemerkt, doch konnten wir einer Konfrontation eh nicht aus dem Wege gehen. Ich erhob die Axt und lief auf den Busch zu, als wir von weiteren Räubern dazu aufgefordert wurden unsere Waffen fallen zu lassen und unsere Wertsachen auszuhändigen. Wir waren umzingelt. Zwei Räuber im Rücken und eine feige Sau mit Bogen.
Wir und uns ergeben, hach! Wohl kaum! Nach einigen kurzen Blicken zu Alarik stürzte ich mich mit einem Kampfschrei auf den Wegelagerer vor uns und zerteilte ihn mit einem Hieb in zwei Teile. Wörtlich genommen! Ich traf in an der linken Schulter und meine Axt glitt durch bis zu seiner rechten Hüfte. Sein Schrei hörte erst auf, als die beiden Teile auseinanderfielen. In der Zwischenzeit nahm sich Alarik den Bogenschützen vor und Hildegard hielt uns den Rücken frei. Das Mädchen hat sich richtig tapfer geschlagen! Ich kam ihr dann schnellstmöglich zur Hilfe und schon nach kurzer Zeit stand von den Halunken keiner mehr! Einen nahmen wir allerdings lebendig mit, da er uns von einem Lager in der Nähe erzählte wo noch mehr Räuber die morgige Nacht verbringen wollen. Und eine Gelegenheit Gerechtigkeit über ein ganzes Nest dieser Wegelagerer zu bringen, die lassen wir uns mit Sicherheit nicht entgehen!
Als wir in der Stadt ankamen und Aigolf den überlebenden Räuber aushändigten, war der ganze Marktplatz voll von Männern die mit zur Jagd kommen wollten! Wen wunderts? Lur als Handelsstadt ist besonders darauf angewiesen, dass die Händler die Stadt auch erreichen! Aigolf übernahm die Organisation und sorgte dafür, dass der Räuber seine Strafe bekam.
Doch nicht nur die Menschen in Lur waren an unserem Fund interessiert, auch Gunnar, Durin und Svea standen schließlich auf dem Marktplatz. Besonders Durin machte dieses Abenteuer Appetit und er überredete Gunnar dazu ihn mitgehen zu lassen. Gunnar willigte auch ein, als er hörte, dass ich stets ein Auge auf ihn werfen wolle und dass die Gefahr sehr überschaubar sei. Ich kann nicht behaupten, dass es sich mit der Verantwortung für einen unerfahrenen Kurzbart besser kämpft, aber mal auf dem Schlachtfeld zu stehen hat noch keinem Zwergenmann geschadet.
Bevor ich dem Kleinen ein paar Hilfestellungen im Umgang mit dem Kurzschwert gegeben habe, gab es im goldenen Hahn Apfelkuchen zur Feier des Tages! Also manches was die Menschen so kochen oder backen ist wirklich lecker! Svea und Durin waren ziemlich skeptisch aber dann doch recht angetan davon.
Bei den Waffenübungen schlug sich Durin eigentlich ganz gut, doch merkt man seinen Bewegungen deutlich an, dass er keine militärische Ausbildung erhalten hat. Was ich bisher von ihm erfahren hab, ist dies in Khazad Mirr nicht üblich. Ich ließ ihn dann vor allem gegen Alarik antreten und korrigierte seine Defensivhaltung. Vermutlich wird der Kurzbart nicht viel gegen die Banditen ausrichten können, aber ernsthaft verletzen werden die ihn auch nicht.
Irgendwie haben mich diese Übungen an Khazad Sosnojask erinnert... Es ist doch schon einige Jahrzehnte her, als ich lernte die Axt zu schwingen und den Schild zu halten. Doch die Unterschiede sind gewaltig: statt in kalten Höhlen standen wir unter der Abendsonne und anstelle der erfahrenen Krieger, die über unsere Mißgeschicke spöttisch lachten, war das Publikum heute sehr viel beeindruckter. Neben einigen Dorfbewohnern und natürlich Hildegard, beobachteten uns auch Gunnar und Svea. Gunnar war sichtlich von meiner Kampferfahrung beeindruckt und Svea schrie bei jedem Hieb, ob Axt oder Schwer, leise auf. Egal ob dieser Hieb nun den Schild ihres Bruders oder den meinigen getroffen hatte...
Dienstag, 3. Mai 2011
15. Mai 651 (Hildegard)
Und noch eine Erinnerung für mich selbst: Sollte ich diesen Georg in die Finger bekommen, der zwei Frauen hier aus der Gegend glauben lässt sie wären seine einzige Liebe und ihnen beiden Hoffnung macht, dann muss ich dem mal gründlich den Kopf waschen! Mit Gefühlen spielt man nicht, das sollte ihm mal jemand beibringen. Ohja, und Irmel ist doch tatsächlich mit einem jungen Mann namens Sven liiert und hofft, dass er bald eine Anstellung findet, damit ihr Vater, unser lieber Garn, nichts mehr gegen eine Hochzeit einzuwenden hat. Soso. Mal sehen, ob sich da die Gelegenheit für mich ergibt ein wenig nachzuhelfen.
Ich bin mal gespannt was der Tag sonst noch so bringt. Interessante Neuigkeiten hatten die Nachrichten nicht zu bieten, aber vielleicht werden wir welche liefern, wenn wir von unserem kleinen Ausflug in den Wald um Lur zurück sind. Bevor Dvalinn nämlich zur Schmiede aufgebrochen ist, um dort abzuliefern um was auch immer es sich handelte, was er in Ravensloft für Gunnar besorgt hat, haben wir uns noch darauf geeinigt, dass wir heute den Nachmittag nutzen werden um uns einmal nach der Stelle umzuschauen, wo der magische Ring von Liutprant angeblich gefunden wurde. Keine sichere Spur, aber besser als nichts und auf jeden Fall Wert verfolgt zu werden, wenn wir jetzt schon einmal wieder in Lur sind! Außerdem haben die Karten gesagt, dass wir auf irgendeine Weise fündig werden. Wir wissen also nicht, WAS wir finden, aber umsonst wird diese Reise nicht unternommen sein.
Da fällt mir ein, dass meine Karten heute etwas ganz ähnliches für Dvalinn vorhergesagt haben, als er mich bat sie doch einmal für ihn und Svea zu legen, wie der Brief von Svea es mir verrät! Und zwar sagten die Karten ein offenes Ende voraus und dass das Gelingen an mehreren Faktoren hängt. Dvalinns Beständigkeit wird wohl vermutlich einer davon sein.
Jetzt mache ich mich erstmal auf den Weg zurück, so langsam wird es Zeit zum Essen und ich bin gespannt, welche Neuigkeiten die Jungs bringen. Dvalinn von den Zwergen und Alarik von seiner Erkundung im Wald.