Sonntag, 29. Mai 2011
24. Mai 651 (Hildegard)
Liebes Tagebuch,
was habe ich da nur getan? Warum und was habe ich mir dabei gedacht??
Es ist doch so offensichtlich, dass ich damit nur Probleme heraufbeschwöre. Und wieso bin ich überhaupt...?
Heute kann ich mir einfach nicht mehr erklären, warum mir das gestern noch wie eine gute, oder wenigstens wie eine akzeptable Idee vorkam. Auf den Alkohol kann ich es wohl kaum schieben.
Ja, wir haben etwas getrunken. Wie vorher auch so oft. Und der Abend verlief auch weiterhin wie so oft. So lange, bis Alarik sich verabschiedete. Es war ja nicht das erste mal, dass ich mit Narsil allein blieb. In Galimswerth lief es vor einer Woche doch genauso. Was war diesmal nur anders??
Wieso bin ich ihm gefolgt?
Und wieso bin ich doch wieder zurück gegangen, obwohl ich doch eigentlich schon längst wieder weg war, die Idee verworfen hatte, die kurz durch meinen Geist spukte?
Ja, er sah gut aus. Und ja, ich finde ihn anziehend
Aber ist das wirklich alles, was es braucht? Bisher war es doch auch nie ein Problem.
War es doch der Wein? Oder seine Blauen Augen, die so langsam beginnen sich in meinen Kopf einzuprägen?
Kann ich nicht einfach sagen es war eine tolle Nacht und das Ganze dabei belassen? Es abhaken und vergessen? Warum ist es mir nur heute so überaus peinlich? Außer Alarik weiß niemand davon, denn nur Alarik hat bemerkt, dass ich abends nicht in unseren Schlafraum zurückgekehrt bin, dann aber morgens mit Narsil durch einen Seiteneingang zum Frühstück kam. Und das auch noch sowas von verspätet...
Er hat einen Krug nach ihm geworfen. Alarik nach Narsil, meine ich. Und jetzt redet er schon den ganzen Tag auf mich ein. Um mir ins Gewissen zu reden, nehme ich an. Als ob ich mich nicht schon genug schämen würde. Sie sind Brüder. Ich weiß das um aller Götter Willen, ja! Ausgerechnet den Bruder des Mannes, der mein erster war. Ausgerechnet ihn suche ich mir aus? Da hat Alarik schon ganz Recht, auch wenn er nicht alles weiß.
Und dennoch...
Falls es stimmt, und das wirklich meine letzte Chance gewesen sein könnte? Und kann ich wirklich eine Nacht wie diese bereuen?
Wäre der Morgen nicht gekommen und hätte mir mit seinem Morgenlicht die Scham ins Bewusstsein gebrannt, hätte ich dann die Nacht bereut?
Sicher nicht. Denn ja, sie war fantastisch. Liebevoll, erregend und … ich schäme mich schon allein dafür, hier zu sehr ins Detail zu gehen. Ich bin erbärmlich. Und fühle mich auch exakt so.
Ich hoffe wenigstens Dvalinn hat bisher nichts mitgekommen, er plaudert und wirkt ganz normal, wenn auch ein wenig angespannt. Ich denke die Gesellschaft von Sveas Vettern setzt ihn ein wenig unter Druck. Er ist sehr auf sie fokussiert. Zu meinem Glück...
Wenigstens muss ich ihm dann nicht das erklären, was ich nichtmal mir selbst erklären kann.
Oh Sehanine... Wo soll das hinführen Sehanine, weißt du es? Würdest du es mir sagen? Oder lässt du deine Geweihte weiter umherirren in dem Versuch ihr Schicksal zu verstehen?
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