Freitag, 19. August 2011
08. Mai 651 - Nachtrag 2 (Dvalinns Tagebuch)
Was habe ich da gerade eigentlich getan!? Warum dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, Gunnar auf Svea anzusprechen!?
Das Abendessen war diesmal besonders lecker und alle waren unglaublich gespannt auf die morgige Hochzeit. Was für ein schönes Fest es doch werden würde und wie schön es doch ist, dass die beiden endlich heiraten dürfen. Immer wieder warf mir Svea ihr süßes Lächeln zu. Sie schien sich besonders auf morgen zu freuen. So entspannt habe ich Gunnar selten erlebt. Ich hatte fast vergessen, wie angenehm ein familiäres Abendessen sein kann. Gehörte ich jetzt wirklich dazu?
Nach dem Essen trugen wir lokale Sagen vor und unterhielten uns bis tief in die Nacht über die Taten der zwergischen Helden. Was Svea wohl denken würde, wenn sie wüsste, dass ich nicht weniger geleistet habe als sie?
Gunnar brachte mich schließlich noch zur Tür und berauscht durch zwergisches Bier rutschte mir diese eine Frage raus. Die Frage ob Svea eigentlich jemandem versprochen sei. Auch wenn seine Worte gerade erst verklungen sind, so kommt es mir vor, wie ein anderes Leben: „Nun, wenn ich Ja sage, dann mache ich dir wohl mehr Angst als du haben musst. Du weißt genau, dass sie es ist. Eigentlich ist es ja üblich, dass zuerst jemand anders gefragt werden sollte...“. Er wird mir ihre Hand für den steinernen Bund geben, falls ich angemessen erscheine und ihn frage. Ist es wirklich wahr? Ist das einzige, dass zwischen ihr und mir steht ein Verlobungsgeschenk?
Wie im Traume wandelte ich durch die laue Sommernacht. Vor dem goldenen Hahn saßen meine Freunde auf einer Bank und blickten in den Sternenhimmel. Mit einem Lächeln reichten sie mir die Weinflasche, als ich ihnen von den Ereignissen erzählte.
Bin ich wirklich am Ziel angekommen? Oder.. wird diese eine Sache wieder alles zerstören? Nein, darüber kann ich gerade einfach nicht nachdenken. Und noch weniger möchte ich darüber nachdenken.
08. Mai 651 - Nachtrag (Dvalinns Tagebuch)
Ich konnte den Mädchen wirklich helfen, aber nicht so, wie ich erhofft hatte. Sie wollten Weidenzweige sammeln und ich durfte einige Körbe tragen. Ich hatte immer mal wieder das Gefühl, dass sie sich etwas über mich lustig gemacht haben... Es war zumindest wirklich nicht nötig sich jedes Mal in die Hocke zu geben, wenn sie mit mir sprachen. Nun, ich bin mir sicher: Lustig machen werden sie sich über mich nicht mehr!
Denn schon bevor wir richtig im Wald ankamen, lief auch schon eines der Mädchen schreiend an mir vorbei, gefolgt von einem Wildschwein. Ich war wirklich froh, dass ich meine Axt immer dabei hatte. Ohne Rüstung zu kämpfen hat mir einige ordentliche Wunden verschafft, aber was hätte ich ohne Axt getan? Mich auf das Vieh werfen? Mit bloßen Fäusten auf es einschlagen? Hätte den Mädchen wohl auch genug Zeit verschafft um nach Lur zu kommen. Doch so zog ich einfach meine Axt und hieb auf das Vieh ein. Wenig später lag es auch schon auf dem Boden und genau in diesem Moment kam dann auch Alarik, alarmiert durch die schreienden Mädchen, vorbei. Er weidete es dann aus und brachte das Fleisch zu Garn. Was für eine nette Abwechslung zu Khazad Mirr, hier kann man den Gegner sogar essen!
Im Dorf angekommen heilte mich Hildegard und sofort war ich von den Mädchen umringt, die wirklich aufgeregt waren. Sie haben alle nie etwas gefährlicheres als diesen Keiler gesehen.
Mein Hauptproblem nach diesem Kampf war nur, dass ich nun nicht ein Kleidungsstück besaß, welches nicht vollkommen zerfetzt war. Die Kleidung, die ich in Khazad Mirr trug, hatte ich verbrannt und der Keiler hatte nun auch meine Ersatzkleidung zerstört. Doch Svea schleppte mich dann auch direkt zur Schmiede um mir etwas von Durin oder Gunnar zu geben. Damit wir auch ja nicht auf die Idee kommen oben im Haus auch nur etwas annähernd unanständiges zu tun, wurde Durin mitgeschickt. Er versuchte direkt einige seiner Kleidungsstücke zu sichern, was sich aber auch schnell als unnötig herausstellte. Die waren mir schlicht und einfach zu kurz. Durin ist halt doch noch ein ganzes Stück kleiner als ich. Gunnars Klamotten passten schon viel besser und Svea drückte mir neben einem Satz einfacher Alltagskleidung auch noch ein rostbraunes Sonntagsgewand für die morgige Hochzeit in die Hand.
Als Vorbereitung für die Hochzeit fehlte also nur noch eines: Tanzunterricht. Zwar bin ich recht gut in zwergischen Tänzen, hab ich ja auch oft genug geübt, aber menschliche Tänze? Keine Ahnung. Aber wozu ist man schließlich mit einem Barden befreundet?
Svea war von dieser Sache natürlich sofort begeistert. Schließlich kannte sie die ganzen menschlichen Tänze auch nicht.
Wir hatten die Tänze dann auch schnell halbwegs drauf. Sie waren den unseren auch wirklich nicht unähnlich. Auch bei den Menschen werden viele Reigentänze getanzt.
Und zum krönenden Abschluss des Tages gibt es noch ein leckeres Essen von Svea! Viel schöner kann die morgige Hochzeit eigentlich auch nicht mehr werden!
08. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Gestern sind wir endlich wieder in Lur angekommen! Und einen größeren Kontrast zu Khazad Mirr könnte es nicht geben! Für Irmels Hochzeit ist alles mit bunten Blumen dekoriert, die Mädchen kichern und singen und die Sonne scheint vom blauen Himmel herab. Alles ist voller Leben!
Doch am schönsten war es natürlich all die Personen wieder zu sehen, die wir so lange vermissen mussten. Schon nach wenigen Saschen sahen wir Wulfhinrich und seine Frau Anna. Er brachte gerade einige Blumengirlanden an einem Dachgiebel an und klärte uns über die ganze Blumenpracht auf. Garn hat endlich einer Vermählung der beiden Liebenden zugestimmt. Ob Gunnar jemals zustimmen würde, wenn ich um Sveas Hand bitten würde? Einerseits hat er mir die Aufnahme in seine Familie versprochen, wenn ich Khazad Mirr reinige und ihm das Grabidol bringe, doch sollte ich auf dieses Versprechen nicht zu viel geben. Schließlich hat er es nicht mir gegeben, sondern einem Trugbild...
Doch wen interessiert die Zukunft, wenn die Gegenwart so schön und einfach ist? Wie leicht wurde es mir ums Herz als ich Svea hinter einem Berg von gelben Blüten entdeckte. Und wie süß überrascht sie war, als ich ihr die Blumen aus den Händen riss um sie zu umarmen. Wie habe ich ihren Duft vermisst, ihre warme, weiche Umarmung. Ihre zärtlichen Worte...
Vermutlich habe ich sie sehr viel länger umarmt, als angemessen wäre, doch Gunnar war eh nicht in der Nähe und die Menschen kümmerten sich nicht um uns. Alarik und Hildegard verschwanden schnell und so konnte ich diesen Moment unbeschwert genießen. Nachdem sie sich aus meiner Umarmung löste, begleitete ich sie zu Irmel. Unterwegs gratulierte ich Garn so gut es halt mit einem Busch aus Blumen im Arm geht. Der Mann versprach auch wahrlich nicht zu viel: Schon nach wenigen Stufen konnte man das Gekicher und Gequassel der Mädchen hören. Auf der Treppe eilte mir auch schon der Feigling Alarik entgegen, der schnellstmöglich geflohen war.
Irmel freute sich über unsere Ankunft in Lur und über meine Glückwünsche.
Hildegard wurde dieses Verhalten wohl auch schnell zu viel und auch sie verschwand, nicht ohne der Braut zu versprechen ihr mit den Haaren zu helfen.
An der Wand des Zimmers sah ich dann Irmels Brautkleid. Ein wirklich schönes Kleid, welches von Spitze überwuchert und mit Perlmutt-Splittern bestickt ist. Leise flüsterte ich Svea zu, dass sie wunderschön in so einem Brautkleid aussehen würde. Auch wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt von den meisten Mädchen weitestgehend ignoriert wurde: Sveas Erröten brachte das Zimmer kurz zum Schweigen. Ich nutzte den Augenblick um mich zu verabschieden und Svea nutze ihn scheinbar um mein Gesuch um ihre Hand kund zu geben. Zumindest entnehme ich dies dem fröhlichen Aufschrei der Brautjungfern.
Mein nächster Weg führte mich, zusammen mit Hildegard, zu Gunnar und wir wurden überaus freundlich begrüßt. Nach einigen kurzen Grußworten, bat mich Hildegard zu gehen, da sie mit Gunnar unter vier Augen reden wollte. Nun, ich hatte nichts dagegen, da ich so den Kurzbart Durin begrüßen konnte. Hätte ich geahnt, wie sie mit Gunnar sprechen wollte, ich wäre geblieben. Denn als ich wiederkehrte, hörte ich Hildegard laut zetern. Schnell schritt ich in die Situation ein. Hildegard warf Gunnar vor, dass er uns absichtlich ins Verderben geführt hatte. Ich war und bin mir sicher, dass dies nicht der Fall ist, zumindest bei Gunnar, und auch Hildegard sah es schnell ein, denn bereits heute hat sie sich entschuldigt.
Wir haben den Abend am Schrein ausklingen lassen. Und nach all den Ereignissen in Khazad Mirr entschieden wir uns, dies mit reichlich Alkohol zu tun. Im Laufe des Abends tauchte dann auch noch Narsil auf und ... nun. Irgendwann sind wir scheinbar ins Bett gegangen. Zumindest bin ich heute morgen dort aufgewacht.
Nach dem Frühstück statteten Hildegard und ich Gunnar einen Besuch ab und Hildegard entschuldigte sich für ihr Verhalten und ich machte mich an die Arbeit für das Geschenk an Irmel und Sven. Wir hatten uns dafür entschieden einfach eines der Goldfigürchen aus Khazad Mirr einzuschmelzen und daraus ein nettes Schmuckstück zu machen. Wozu hat man denn auch sonst einen Goldschmied dabei, wenn nicht für so einen schönen Anlass? Diese Goldfigürchen waren wirklich unglaublich hässlich und ich hoffe nur, dass keinerlei Fluch auf diesen fürchterlichen Dingern lag. Hildegard versicherte mir zumindest, dass sie keinerlei magische Energie beinhalten. Sie ließen sich auch ganz normal schmieden und nach wenigen Stunden und einem Mittagessen war ich schließlich fertig. Doch meine Hände sind inzwischen die Axt mehr gewohnt, als den kleinen Goldschmiedehammer. Im Grunde war dies immer der Fall, doch setzt man nach so langer Zeit Rost an. Hildegard und Alarik waren zumindest sehr beeindruckt von der Arbeit und auch Gunnar, Durin und Svea zeigten Anerkennung. Insbesondere Svea war voll des Lobes; ich glaube fast sie wollte mir damit andeuten, dass sie auch gern ein selbstgeschmiedetes Schmuckstück hätte. Nun, dies lässt sich in den nächsten Wochen sicherlich einrichten!
In der Zwischenzeit arbeitete Gunnar an unseren Rüstungen. Die brauchten auch wirklich dringend eine Ausbesserung. Nicht wenige Schuppen hatten sich inzwischen gelöst. Die ganze Situation erinnerte mich sehr an die Zeiten meiner Lehre. Gunnar am großen Amboss, ich am kleinen und zusammen sangen wir das ein oder andere Loblied der Schmiedekunst. Ob er mich wirklich jemals in seine Familie aufnehmen wird? Ich bin mir sicher, den Dvalinn den er kennt, würde er als Sohn akzeptieren. Aber mein wahres Ich?
Nun, ich glaube eh kaum, dass ich Zeit haben werde darüber nachzudenken. Schon von weitem hört man das Gekicher und Geplapper der Mädchen. Wollen wir doch mal sehen, ob man den liebreizenden Geschöpfen irgendwie helfen kann!
07. Mai 651 (Dvalinns Brief an seine Mutter)
ich hoffe Euch und der Familie geht es gut.
Ich zumindest bin gesund und in der Welt der Menschen gibt es stets genug Arbeit für jemanden mit einer scharfen Axt. Unter den Menschen habe ich zwei gefunden, die ich als Freunde bezeichnen möchte: Die Klerikerin Hildegard und den Waldläufer Alarik. Ihr seht, Mutter, ich bin nicht allein unterwegs.
Auch wenn meine Wanderschaft wohl noch kein Ende gefunden hat, so habe ich dennoch einen Ort gefunden, den ich als neue Heimat betiteln würde: Ein kleiner Handelsort namens Lur. Briefe, die an den Wirt des goldenen Hahn, Garn, gerichtet sind, werden mich sicherlich erreichen. Sehr würde ich mir einen Brief von Euch wünschen, geliebte Mutter.
Der Grund, warum mir dieser Ort zur Heimat wird ist eine junge Zwergin: Svea, die Tochter des Schmiedes Gunnar Thorndallssohn. Ich hoffe bald eine Verlobung bekannt geben zu dürfen. Doch gleichzeitig fürchte ich diesen Tag auch, denn ich frage mich, was Vater dazu sagen wird? Ich gebe mein bestes um meinen Ruf wieder herzustellen, doch wird Vater mich je wieder als Sohn anerkennen? Mir seine Zustimmung zu einer Vermählung geben?
Liebste Mutter, sicher werden wir einander eines Tages, so Moradin dies wünscht, wieder sehen.
Lebt wohl.
In Liebe und ewiger Verbundenheit,
Dvalinn
Freitag, 10. Juni 2011
05. Juni 651 (Dvalinns Tagebuch)
Sehanine sei gedankt! Alarik lebt und ist gesund. Hildegard hat es tatsächlich geschafft in der Einöde vor Berheim einen Heiler aufzutreiben. Einen Druiden mit Namen Roderick, der in der Lage war Alariks Bisswunden zu heilen und das Gift aus seinem Körper zu vertreiben! Sehanine muss gut über ihre Geweihte gewacht haben, denn Hildegard ist alleine, nachts, ohne schützende Rüstung durch unbekanntes Geländer gegangen um Hilfe zu finden. Wenn ihr etwas passiert wäre... ich hätte meine zwei besten Freunde in nur einer Nacht verloren. Und ich konnte NICHTS tun. Meine kurzen Beine hätten mich nicht schnell genug durch die Nacht getragen. Meine Hände haben keine heilende Aura, sie bringen nur den Tod....
Es sah schlimm aus um Alarik. Sein Fieber stieg stetig an und immer wieder fiel er in Ohnmacht. Als er erkannt hatte, wie es um ihn steht und warum, bat er mich mit bebenden Worten darum, dass ich alles dafür tue, dass er nicht einer unwürdigen Existenz als Ghoul endet. Er bat mich darum, ihm seinen Kopf abzuschlagen, sobald er anfängt sich in so eine schreckliche Kreatur zu verwandeln. Er sagte, er wolle versuchen still zu halten...
Nichts konnte ich tun. Warten... warten auf Hildegard. Sekunden schienen Stunden zu dauern und Minuten Tage. Aus Stunden wurden Ewigkeiten. Dann kam Hildegard mit dem Heiler angeritten und wenige Minuten später schlief Alarik friedlich. Und alles war in Ordnung.
Ich übernahm die Nachtwache, oder zumindest versuchte ich es. Immer wieder schlichen sich die Bilder der Dinge, die ich in Khazad Mirr sah, in meinen Geist und raubten mir die Sicht. Immer wieder hörte ich ein Rascheln im Gebüsch. Mal in diesem, mal in jenem. Mal war ich mir sicher, dass ich was hörte, mal dass diese Geräusche nur in meinem Kopf existieren. Als die Sonne sich über den Berggipfeln erhob sah ich dann den Schatten. Er muss seit Stunden in unserer Nähe gewesen sein. Dieser Schatten war uns freundlich gesinnt, doch machte das die Sache nicht besser! Dieses Mal war es vielleicht nur ein „Eichhörnchen“ welches uns Alkohol und Schinken brachte. Das nächste Mal sind es vielleicht Orks. Fakt ist: Ich habe versagt. Ich habe es nicht geschafft meine Freunde zu beschützen. Vielleicht hatte mein Vater recht, als er mir vorwarf für nichts nutze zu sein. Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, wäre ich nicht geboren worden...
Diese Worte, die mein Vater mir an den Kopf warf, als er aufhörte mich Sohn zu nennen, diese Worte...
Alarik, Hildegard und ich, wir haben mehr geschafft als der große, große Held epischer Sagen Larni. Was nützt es mir? Ich werde nie sein wie Larni. Auch die größte Heldentat könnte die Schande meiner Verbannung nur überdecken, nicht rückgängig machen. Was wird Svea sagen, wenn sie erfährt, wer ich bin? Gunnar wird mich auf die gleiche Weise verstossen wie mein Vater. Als ich in kennen lernte, hoffte ich, dass er vielleicht anders handeln würde... Aber warum sollte er?
Es ist schwierig die Wahrheit zu sagen, wenn man jemandem, den man liebt, damit weh tut.
Auch bei Alarik war es nicht anders. Hätte ich ihm früher sagen sollen, wie es um ihn steht? Ihm damit vielleicht seine letzten Stunden unerträglich machen? Oder war es richtig ihm ins Gesicht zu lügen? Ihm zu sagen, dass man das Glitzern einer Goldader gesehen hat, wenn man doch nur den schwärzesten Stein erblicken kann?
Gestern sind wir nach Bergheim gegangen. Alarik ging es bereits wieder gut, doch war er zu schwach für den langen Weg nach Lur. Hildegard wich kaum eine Sekunde von seiner Seite.
Mein Freund war nur der Alkohol. Der Alkohol, den uns das Eichhörnchen vorbei gebracht hat. Mit jedem Schluck verschwammen die Bilder der Leichen ein wenig. So kamen wir dann schließlich in Bergheim an. Einige weitere Krüge folgten und Hildegard konnte das Bemuttern nun nicht mehr auf Alarik beschränken. Ins Bett gezwungen hat sie mich... Fehlte nur noch das Wiegenlied. Ach, Moment. Nein. Es fehlte nicht! Sie behandelte mich wie meine geliebte Mutter es tat als ich noch ein kleiner Kiesel war. Es war eine unerträgliche Situation! Alles drehte sich, Alariks Vogel raubte mir den letzten Nerv und Hildegard... Sie meinte es zwar nur gut... Aber im Grunde sorgte sie sich auch deshalb so um uns, damit sie nicht über ihre eigenen Probleme nachdenken musste. Am Abend konnte auch sie nicht mehr mit der Situation umgehen und weinte in meinen Armen. Wie oft habe ich in der Mine vergessen, dass in dem Schuppenpanzer auch nur ein junges Mädchen steckt. Ein junges Mädchen, welches soviel stärker ist als ich es je sein werde.
Die Leichen vor meinem inneren Auge waren des Tanzens wohl müde geworden und anders als am Nachmittag fiel ich in einen traumlosen Schlaf. In der Ausbildung konnten sie uns nur beibringen mit der Axt und dem Schild umzugehen, doch nicht mit den Folgen...
Am heutigen Tag sind wir dann noch bei Roderick vorbei gegangen und haben ihm den gestohlenen Alkohol ersetzt. Den Alkohol hatten wir am gestrigen Nachmittag gekauft, zusammen mit neuen Stiefeln. Die alten, blutdurchtränkten Stiefel habe ich zusammen mit den anderen nun blutroten Kleidern entsorgt. Ein Versuch mit Khazad Mirr abzuschließen.
Lange sind wir heute gelaufen. Lange und schneller als ich es gewohnt bin, doch kann ich keine Sekunde zulassen, die ich nicht in Sveas Armen verbringen darf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch dieser Traum wieder ins Nichts auflösen wird. Bis auch sie mich nicht mehr ansehen und meinen Namen vergessen wird...
Montag, 6. Juni 2011
03. Juni 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Dies könnte der letzte Brief sein, den ich dir schreibe. Möglicherweise sehe ich dich nie wieder.
Niemals könnte ich dir, deiner Familie, ach, irgendeiner Person, wieder in die Augen sehen, wenn Alarik stirbt. Mit dieser Schuld leben? Niemals!
Moradin hat es jedem Zwerg verboten die Axt gegen sich selbst zu richten, aber auch er kann mir nicht verbieten die Erlösung auf dem Schlachtfeld zu suchen.
Moradin... Wann wirst du aus deinen Träumen erwachen? Zu spät? Niemals? Mir soll es gleich sein. An seiner Tafel speisen werde ich nicht. In seiner Esse zerfließen, vielleicht. Mich in ewiger Dunkelheit verlieren?
Wenn dich dieser Brief erreicht, sei dir sicher, dass ich dich vom Grunde meines Herzens geliebt habe. Doch wieder sehen, kann ich dich nicht. Vergiss meinen Namen.
Lebe wohl Svea. Lebt wohl Durin und Gunnar.
In Liebe und ewiger Verbundenheit,
Dvalinn
02. Juni 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Ich hoffe durch diesen Brief wenigstens einige Momente von den Bildern in meinem Kopf abgelenkt zu werden.
Es macht mich so wütend, aber gegen wen kann ich meine Wut richten!? Niemanden...
Ich kann diese Taten nicht rächen, ich kann niemanden zur Verantwortung ziehen.
Ich dachte immer, dass sich der Unterschied zwischen heldenhaften und dummen Taten am Erfolg misst, doch inzwischen frage ich mich, ob es überhaupt einen Unterschied gibt...
Was würde ich für einige Stunden oder Minuten, ja sogar Sekunden der Ruhe geben. Einige Momente in denen ich vergessen kann, was ich gesehen habe. Nur Ruhe...
In Liebe,
Dvalinn
01. Juni 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Nichts wünsche ich mir mehr, als bei dir zu sein. Nichts würde mich mehr freuen als auf dem Marktplatz in Lur zu stehen und auf die Schmiede und den goldenen Hahn blicken zu können und frische Luft zu atmen. Luft die nicht von dem Gestank der Verwesung geschwängert ist.
Wie lange bin ich eigentlich schon hier drin? Sind es wirklich erst sechs Tage? Ich bin heute wohl um Jahrzehnte gealtert. Gegen Wiedergänger, Skelette, Ghoule und sogar die Blutgebirge zu kämpfen ist eine Sache, aber gegen das was uns hinter dem Tor erwartet hat...
Ewige, undurchdringliche Dunkelheit ist kein Gegner für einen Zwerg. Gegen was soll ich kämpfen? Wie kann ich kämpfen, wenn ich nicht mal meine Axt sehen kann?
Diese Umgebung spielt mit uns! Kaum kamen wir aus dem Dunkel sahen wir unsere eigenen Leichen in der Ecke. Unsere Gestalt, unsere Ausrüstung und unsere Wunden... Diese Gegend ist nicht zwergisch! Hier hausten andere Wesen. Vor langer, langer Zeit! Aber trotzdem ist es hier nicht verlassen, etwas beobachtet uns.
Dann wieder Dunkel. War ich Stunden in der Dunkelheit verloren, oder waren es Minuten? Wie soll ich kämpfen, wenn ich selbst mein einziger Gegner bin?
Und immer wieder versteckt sich die Wahrheit hinter Illusionen. Was wahr ist? Was nicht? Ich weiß es nicht.
In dem einen Moment versuche ich einem Wiedergänger den Kopf vom verfaulenden Körper zu schlagen, im anderen entpuppt er sich als meine besten Freunde... Ich ahnte das etwas nicht stimmt, aber durchschauen konnte ich es erst spät. Warum hat mir Moradin nicht schneller den Schleier von den Augen genommen?
Moradin... Warum hilft er mir hier nicht? Ist er etwa von seinen großen Taten müde geworden? Vielleicht ist er hier auch einfach machtlos? Kann Moradins Hammer Geister zerschmettern? Wesen ohne Körper?
Ohne deine Liebe würde ich mich verlieren in diesem Ort. Als ich durch die große Dunkelheit irrte, war es der Gedanke an dich, der mich vor dem Wahnsinn rettete. Der Gedanken an dich, und die Hilfe meiner treuen Freunde. Ohne zu zögern traten sie ins Dunkel; sie lachten den Gefahren verächtlich ins Gesicht... Nichts würde ich lieber tuen als sie vor dem Bösen zu schützen. Mich mit meiner Axt für sie in die Gefahr zu stürzen.. aber hier.. kann ich es nicht.
Meine Gedanken sind bei Dir und deiner Familie.
In Liebe,
Dvalinn
31. Mai 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Es ist wirklich mal eine nette Abwechslung nicht das Dörrfleisch und trockenes Brot essen zu müssen, sondern einen frisch gebratenen Fisch! Denn nachdem wir wieder mal einige Horden Untote besiegt haben, entschieden wir uns dazu das Tiefenmeer genauer anzusehen. Da wir nichts ungewöhnliches sehen konnten, bauten wir uns Angelruten um anzulocken was auch immer da war.
Die Fische sind deutlich größer als in Khazad Sosnojask und einer hätte mich beinahe ins Wasser gezogen, aber es ist noch einmal alles gut gegangen. Es vergeht wohl kaum ein Tag, ohne dass wir dem Tod in die Augen blicken müssen...
Alarik hat dafür einen kleinen Fisch gefangen und zubereitet. Er kann zwar gut kochen, aber gegen deine Kochkunst kommt er nicht an. Für nur eine deiner Pasteten würde ich Dutzende Horden Untote besiegen...
Meine Gedanken sind bei Dir und deiner Familie.
In Liebe,
Dvalinn
30. Mai 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Diese Nacht werden wir nicht von dem Stein Khazad Mirrs umgeben schlafen, sondern vor der Mine. Wir haben heute die Königshallen und die angrenzenden Räume gesäubert.
Dieses mal kämpfte ich alleine gegen diese abscheuliche Mißgeburt aus Blut und gewann. Sie war so vollgepumpt mit Blut, dass mich nach jedem Schlag ein Regen aus Blut durchnässte. Besonders nach dem letzten Schlag bevor sie zu Boden ging konnte die Kreatur das Blut nicht mehr halten und Ströme flossen aus ihr heraus. Hildegard und Alarik hielten mir in der Zwischenzeit Zombies und Ghoule vom Hals.
Wir entschieden uns nach dem Kampf noch dazu weitere Räume zu durchsuchen und leider fanden wir weitere Ungeheuer. Die vorigen Kämpfe haben jedoch so an unseren Kräften gezehrt, dass wir nur mit viel Mühe die letzten Biester niederknüppeln konnten um uns dann nach draußen zu retten.
Doch Hoffnung keimt in uns auf, denn langsam sind wir wirklich gut im Kampf gegen Zombies und Skelette. Wir merken wie wir ihre Bewegungen erahnen können und ausweichen und zuschlagen können.
Meine Gedanken sind bei Dir und deiner Familie.
In Liebe,
Dvalinn
29. Mai 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Nachdem wir die riesige Blut Kreatur besiegt hatten wollten wir uns heute um die Ghoule kümmern, die bei dem Kampf geflohen sind. Ich sollte ihnen den Weg abschneiden, während Hildegard und Alarik sie in in die Enge treiben wollten. In der Theorie ein guter Plan, in der Praxis haben wir die Ghoule nur knapp besiegt. Vor allem da uns Wiedergänger den Kampf erschwert haben. Im wahrsten Sinne des Wortes: Mit so einem Ding auf dem Rücken kämpft es sich schlecht!
Unsere Vorräte neigen sich auch dem Ende zu und wir haben nur noch einen einzigen Heiltrank. Zudem haben wir nur einen Bruchteil der Mine bereinigt.
Ich hoffe nur Moradin hilft uns bei dieser Aufgabe, sonst...
Meine Gedanken sind bei Dir und deiner Familie.
In Liebe,
Dvalinn
28. Mai 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Auch heute kämpften wir wieder gegen verschiedene Untote. Im Wohnviertel, in der Nähe eures Hauses, trafen wir auf Ghoule. Furchtbare Wesen die sich von menschlichen Leichen ernähren. Leider sind sie im Gegensatz zu Wiedergängern und Skeletten intelligent. In der großen Halle trafen wir dann auf eine andere furchterregende Kreatur, die vollgepumpt mit Blut, ungefähr die doppelte Größe eines Menschen erreichte. Ich schlug ihn dutzende Male mit meiner treuen Axt und konnte ihn auch fast auf die Knie zwingen, doch dann traf er mich, wie der Yeti Durgrim traf und ich kam erst nach dem Kampf wieder zu mir. Es wundert mich wirklich, dass Moradin Hildegard und Alarik nicht aus dem Zwergenstein gehauen hat...
Nach dem Kampf zogen wir uns wieder in den Tempel zurück und versuchen nun zu rasten.
Meine Gedanken sind bei Dir und deiner Familie.
In Liebe,
Dvalinn
Sonntag, 5. Juni 2011
27. Mai 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Heute sind wir in Khazad Mirr angekommen. Das Tor war aufgesprengt und schon nach wenigen Saschen begrüßte uns das tote Lächeln eines Grabräubers. Leider war er nicht das einzige was uns begrüßte: Untote.
Erst blieb uns ein Kampf erspart, da Hildegard sie mit Hilfe ihrer Göttin zu Staub zerfallen lassen konnte, doch im Endeffekt blieb uns nichts weiter als der Kampf mit Axt und Schwert. Schnell hab ich den Überblick verloren, wie vielen Skelette und Wiedergängern wir das Metall zu schmecken gaben: Es waren einfach zu viele.
Wo diese Wesen herkommen und warum, darauf weiß ich keine Antwort. Ich weiß nur, dass ich diese Mine nicht verlassen werde, bevor hier nicht alle Untoten vernichtet sind.
Wir konnten uns zu dem Moradin Tempel durchkämpfen; der Anblick war schrecklich: In der Mitte des Raumes wartete ein riesiges Ungeheuer auf uns, welches aus den verschiedensten Knochen und Leichenteilen zu bestehen schien. Zum Glück war es ebenso dumm wie abscheulich. Neben diesem Monstrum fanden wir auch einen toten Moradin Priester im Tempel. Wer auch immer den Priester erstach und den Tempel entweihte: Er wird dafür büßen müssen!
Ich hoffe, dass ich Khazad Mirr lebend verlasse und Dich wieder sehen darf.
Meine Gedanken sind bei Dir und deiner Familie.
In Liebe,
Dvalinn
26. Mai 651 (Hildegard)
26. Mai 651 (Brief an Svea)
Liebste Svea,
Morgen werden wir wohl die Ferntunnel verlassen und Khazad Mirr erreichen. Ich werde dir jeden Tag einen Brief schreiben, die dich hoffentlich nie erreichen werden. Du wirst diese Briefe für den Fall erhalten, dass ich diese Mine nicht lebend verlasse.
Svea, süßeste Svea, in den letzten Tagen dachte ich so oft an dich. Ist es wirklich wahr, dass du Ja gesagt hast? Eigentlich sollte ich der glücklichste Zwerg in den Reichen sein, doch wie könnte ich das, wenn ich nicht deine Hand halten darf, dein Lächeln sehen kann?
Ich verstehe nicht, warum du mir die Ehre deiner Liebe gewährst, ich bin doch nichts weiter als ein heimatloser Wanderer. Wobei, eine Heimat habe ich nun: Deine Gegenwart.
Falls ich in dieser Mine sterbe, so sei dir gewiss, dass ich zufrieden gestorben bin.
Meine Gedanken sind bei Dir und deiner Familie.
In Liebe,
Dvalinn
Montag, 30. Mai 2011
25. Mai 651 (Hildegard)
Sonntag, 29. Mai 2011
25. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Ich stehe auf diesem Schlachtfeld wohl in der Mitte. Zwischen Menschen und Zwergen, doch gehöre ich zu keiner Fraktion.
Alarik fällt immer wieder in seine Angst zurück, auch wenn Hildegard alles mögliche dagegen unternimmt. Meine Versuche ihn von der Umgebung abzulenken haben nur wenige Minuten funktioniert. Ich war sehr froh, dass die Menschen die missgünstigen Blicke der Vettern nicht sehen konnten. Zwar galten sie hauptsächlich mir, weil ich mich mit Menschen einlasse, aber zu einem offenen Konflikt zwischen den beiden Parteien wird es wohl eh noch kommen.
Und in diesem Konflikt würde ich mich auf die Seite der Menschen stellen. Was bin ich auch für ein Zwerg!? Ich habe mit den Vettern nichts gemeinsam. Ich lebe mehr über als unter der Erde, ich reise von Ort zu Ort, singe öfter die Lieder der Menschen als die Lieder meines Volkes...
Gunnar hat mir Sveas Hand wohl kaum geboten, weil er mich in seiner Familie haben möchte. Nein. Er hat sie mir geboten, damit ich seine Heimat von Menschen befreie uns säubere. Warum sollte er mir sonst die Hand seiner Tochter versprechen? Ich habe nichts und was bin ich schon? Ein Krieger? Ich diene doch in keiner Armee. Nichts weiter als ein Söldner...
24. Mai 651 (Hildegard)
24. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Gunnar wird mich umbringen, vermutlich zu Recht, aber das war es mir wert! Schon seit gestern überlegte ich mir Mittel und Wege um kurz mit Svea allein zu sein. Ich hatte darüber nachgedacht ihr ein Zettel zuzustecken oder sie vor der Abreise kurz von ihrem Vater und ihrem Bruder zu trennen. Aber das wäre aussichtslos gewesen, wahrscheinlich hätte Gunnar einfach Durin mitgeschickt... Aber verdammt, ich ziehe hier in einen Kampf mit ungewissem Ausgang. Ich habe mir wenigstens einen Kuss verdient!
Dieser Kuss hat mich mehr Mut gekostet als Kämpfe gegen irgendwelche Räuber, Wölfe oder Yetis. Es war nicht Gunnars Reaktion die mir Angst machte, sondern Sveas. Was wäre wenn sie diesen Kuss verweigert hätte? Dann hätte ich die Frage geklärt, ob Svea mich liebt oder nicht... Aber dann zu diesem Ort zurückkehren, niemals! Dann würde ich lieber im Kampfe sterben. Wenn ich das nicht sowieso werde. Aber sie hat ihn erwidert. Ihre Lippen haben ganz leicht nach Pilzen geschmeckt, vermutlich hatte sie erst wenige Minuten vorher die Pasteten abgeschmeckt und gefüllt. Diese Pasteten haben wir dann mittags gegessen. Hildegard hatte wohl keinen Hunger und Alarik, nun, der versteht einfach nichts von zwergischer Küche, so dass ich ihre Portionen auch noch bekommen habe.
Die Reise verlief sonst ziemlich ruhig. Alarik und Hildegard kabbelten sich mal wieder wegen irgendetwas und die Vettern ignorierten mich. Insbesondere Turin, der älteste der Vettern, hat mich ziemlich kritisch angesehen, vermutlich machte er sich selbst Hoffnungen auf Svea...
Am späten Nachmittag erreichten wir bereits den Ferntunnel und da begannen die Probleme: Alarik kommt mit unterirdischen Umgebungen überhaupt nicht klar. Er hat Angst. Da ich das bereits wusste, wollte ich ihm noch eine Nacht im Freien gönnen, doch die Vettern weigerten sich und machten sich über seine Angst lustig. Ich kann Alarik im Prinzip verstehen, auch ich habe mich bei den ersten Nächten unter freiem Himmel nicht wohl gefühlt, doch die Heftigkeit seiner Reaktion überraschte mich etwas. Hildegard konnte ihn zum Glück mit ihrer mütterlichen Art beruhigen und zum weitergehen bewegen. Die Alternative, den Vorsprung der Vettern am Morgen wieder einzuholen, erwies sich schnell als unmöglich. Unsere Klerikerin muss schließlich jeden Morgen das Gespräch mit ihrer Göttin suchen und dafür müssten wir noch einmal pausieren...
Ich hoffe die Fackeln der beiden Menschen reichen über unsere Mission, sonst gnade den beiden Moradin.
23. Mai 651 (Hildegard)
23. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Sie hat Ja gesagt und meinen Ring genommen!
Heute war der Tag, heute habe ich Svea gefragt, ob sie mir mit den steinernen Bund schließen möchte.
Ich habe sie ja schon gestern um ein Treffen am heutigen Abend gebeten. Erst war ich jedoch wieder zum Abendessen bei Gunnar eingeladen und das Fleisch mit den Pilzen im Backteig von Svea war wieder hervorragend. Ob ich solches Essen wohl bald jeden Tag bekommen werde?
Nach dem Abendessen bin ich erst einmal kurz in den goldenen Hahn zurück. Narsil war wieder da und hat mit seinen Zaubertricks eine Blume in Stein verwandelt. Einerseits eine wirklich nette Geste, aber er hat wohl das Wesen der Zwerge nicht verstanden. Menschen mögen solche Tricks nett finden und sich nicht daran stören, dass die Steinblume nach wenigen Stunden wieder eine normale Blume ist, aber das ist doch nur ein fauler Zauber! Das ist kein Handwerk, das ist nicht von Dauer. Trotzdem habe ich mich sehr über Narsils Erscheinen gefreut: Ich mag den Jungen wirklich! Auch wenn sie vom Aussehen völlig unterschiedlich sind, trotzdem erinnert mich Narsils Grinsen oft an Argam...
Wenig später bin ich dann auch wieder nach draussen gegangen, habe mich auf den Brunnenrand gesetzt und vermutlich den halben Ring wegpoliert. Ich hatte befürchtet, sie findet keinen Grund um noch aus dem Haus zu gehen, oder Durin begleitet sie oder ähnliches. Doch plötzlich stand sie neben mir. Ihre Augen glänzten im Mondenlicht und sie war schöner als je zuvor! Moradin schloss seine eisernen Zangen um meine Kehle und ich konnte nur ihre Hände in die meinen nehmen. Ihre Hände fühlten sich so weich und doch rauh an und etwas feucht.
Schließlich fragte ich sie einfach. Die Antwort dass ihr Vater sicherlich damit einverstanden wäre reichte mir einfach nicht und ich musste sie fragen, ob sie das auch wolle: sie sagte ja. Einfach nur Ja! Ich weiß, ich hätte erst mit Gunnar reden müssen und die Hochzeit mit ihm klären, doch ich konnte nicht warten! Nur Moradin weiß, ob ich lebend von der Mission zurückkehre. Zu wissen, dass jemand in Lur auf mich wartet, lässt die Axt in meiner Hand leichter werden und schärfer schneiden.
Nur ist Svea so ein furchtbar anständiges Mädchen: Als ich versuchte sie zu küssen wich sie mir aus. Mich zu heiraten ist für sie in Ordnung, mir nahe zu sein nicht? Ein kleines Küsschen auf Wange und Stirn ließ sie zu, nur sehne ich mich nach einem richtigen Kuss. Ich würde mein Leben dafür geben, ihre weichen Lippen auf meinen zu spüren.
Und genau dies werde ich morgen tun. Nicht nur werde ich auf eine Mission gehen, die mich mein Leben kosten kann, auch küssen werde ich sie. Gunnar wird es hoffentlich verstehen, schließlich weiß er selbst wie gefährlich diese Mission ist.
22. Mai 651 (Hildegards Tagebuch)
22. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Mein Kampfausbilder meinte immer, dass man den Unterschied zwischen heldenhaften und dummen Taten am Erfolg misst. Ich fürchte, dich werde bald eine ziemlich dumme Tat begehen. Eine ganze Mine voll von Grabräubern und möglicherweise schlimmerem und ich darf sie säubern...
Der gestrige Tag fing damit an, dass Hildegard Alarik und mich zum baden gezwungen hat. Nun, weniger mich als Alarik, den wollte sie mit Zaubersprüchen und Hexerei in den Zuber zwingen. Sowas hätte ich ihr eigentlich nicht zugetraut. Wird sie uns ihren Willen auch aufzwingen wenn es um wichtige Dinge geht!? Alarik war richtig sauer und ich verstehe ihn da absolut. Sie meinte es zwar nur gut, aber wie sie das getan hat...
Nachdem ich meine gewaschenen Klamotten wieder hatte bin ich dann in die Schmiede gegangen und wurde den Vettern vorgestellt. Die Stimmung war sehr drückend und Gunnar erzählte mir von den Vorgängen in Khazad Mirr, deren Kunde die Vettern Turin, Larni und Agdorn gebracht haben. Man hat Gunnar angesehen, dass er am liebsten aufgesprungen wäre um die räuberischen Menschen wieder zu verjagen, also hab ich ihm meine Hilfe angeboten und er hat angenommen. Alles würde er mir geben, wenn ich das schaffe. Das waren seine Worte. Ob er gesehen hat, dass ich Svea angesehen hab, oder ob ihm mein Interesse zu ihr bei anderer Gelegenheit aufgefallen ist, ich weiß es nicht, aber er bot mir auch an, mich in seine Familie aufzunehmen. Also mir seine Tochter zur Frau zu geben. Diesen zusätzlichen Anreiz hätte ich gar nicht gebraucht, aber so würde sich mein größter Wunsch erfüllen. Benommen durch das Versprechen von Ruhm, Ehre, Gerechtigkeit und einer wunderschönen Ehefrau bekräftigte ich noch einmal, wie gerne ich diesen Kampf auf mich nehmen würde.
Erst als ich auf dem Marktplatz stand, wurde mir klar, dass ich eben mein Todesurteil unterschrieben habe. Also führte mich mein Weg in den goldenen Hahn... Ich erinnere mich noch, dass Narsil plötzlich auftauchte, aber genauso schnell war er auch wieder fort.
Und Hildegard legte ihre Karten um in unser Schicksal zu sehen: Sie berichtete von Dunkelheit und Tod und dass der Ausgang unserer Reise ungewiss ist. Ja, unserer Reise. Sowohl Alarik als auch Hildegard zögerten nicht mich zu begleiten. Sie werden mir zwar sicher eine große Hilfe sein, aber darf ich sie wirklich der Gefahr aussetzen!? Sie werden sich aber wohl kaum noch umstimmen lassen.
Und das ist auch so ziemlich alles, an das ich mich erinnere.
Der nächste Morgen war furchtbar! Zum Glück hatte einer der Händler ein Pülverchen, dass wenigstens etwas gegen die Kopfschmerzen half.
Wenig später machte ich mich wieder auf den Weg in die Schmiede mit Hildegard. Wenn sie mit nach Khazad Mirr kommt, soll sie auch ruhig mit in die Schmiede kommen. Zwei Köpfe denken besser als einer.
Durin begrüßte uns in der Schmiede und nahm auch meine Rüstung an, die dringend ein paar Ausbesserungen nötig hat, bevor wir nach oben gingen.
Gunnar dankte mir noch einmal für meinen Einsatz und überreichte mir die Karte von Khazad Mirr, um die ich ihn gestern bat. Nachdem alle Fragen geklärt waren, ging Hildegard dann auch wieder.
Gunnar war so freundlich mir seine Schmiede zur Verfügung zu stellen damit ich die Brosche, die ich bei der Pferdeleiche gefunden habe, wieder gerade biegen zu können. Hildegard stellte nämlich nicht nur fest, dass sie Magie enthält, sondern auch dass die kleinen verbogenenen Goldstrahlen diese Magie behindern. Was ich natürlich leicht ändern kann, schließlich trage ich mein Goldschmiedezubehör nicht umsonst mit mir herum! Während ich arbeitete brachte mir Svea etwas zu essen vorbei. Sie wird immer so süß rot, wenn sie mit mir spricht. Je öfter ich sie sehe, desto sicherer bin ich mir, dass sie die Frau ist mit der ich den steinernen Bund schließen möchte. Ich habe sie um ein Treffen in der Nacht vor der Abreise gebeten. Sie zögerte erst, doch willigte schließlich ein.
Ob ich von der Reise nach Khazad Mirr zurückkehre oder nicht - ich will, dass Svea meine Frau wird!
Mittwoch, 4. Mai 2011
21 Mai 651 (Elaril)
Liebes Tagebuch, wir haben unseren Auftrag erfüllt und den Missus und die Schwarzmagier nach Malfori gebracht, wo sie den Gerichtsprozess bekommen haben, der ihnen zustand. Ich hatte schon den ganzen Rückweg kein besonders gutes Gefühl dabei, immerhin ist die Möglichkeit, eine Verhandlung durch den Fürsten persönlich zu fordern dazu gedacht, unschuldig Angeklagte vor der Willkür lokaler Gerichte zu schützen und nicht etwa dazu, zehn Ritter und einen Missus tagelang von wichtigeren Aufgaben abzuhalten. Seine Lordschaft schien ähnlich zu denken, jedenfalls war er sehr gereizt, als er die Verhandlung begann und der Versuch der Magier, sich bei ihm anzubiedern kam weniger gut an, als sich die Magier das vielleicht gedacht hatten. Arme Toren. Ich habe kurz mit dem Schlimmsten gerechnet, nicht nur für die Angeklagten, sondern auch für uns. Aber wir haben nun wirklich nur unsere Pflicht getan. Seine Lordschaft musste sich, glaube ich, sehr zusammenreißen, um die Magier nicht für ihre Dummheit mit einer schwereren Strafe zu belegen als nötig war. So sind sie erstaunlich glimpflich davon gekommen, mit einem schnellen und beinahe schmerzlosen Tod. Trotzdem hat die Hinrichtung heute Morgen selbstverständlich die Stimmung im Schloss und bei den Männern gedrückt, vor allem die Verlester schleichen herum wie geprügelte Hunde. Tja, was soll man machen, wenn die bei ihren höfischen Turnieren und Festen und dem ganzen parfümierten Geplauder nicht mehr wissen, wie man Gesetze durchsetzen muss. Schwarze Magie ist eben kein Kavaliersdelikt.
21. Mai 651 (Hildegard)
21. Mai 651 (Tiron)
Liebes Tagebuch, wie befohlen haben wir den Karren mit den gefangenen Magiern von Ravensloft nach Malfori eskortiert, wo sie vor das Gericht des Fürsten gestellt werden sollten. Denn immerhin hat der Herr von Malfori jedem seiner Untertanen zugesichert, dass er eine gerechte Verhandlung an seinem Hof bekommen würde, wenn er irgendwelche Vorbehalte gegen die lokale Gerichtsbarkeit hätte. Soweit die Theorie. Aber Papier ist geduldig, nicht wahr?
Ich muss vielleicht hinzufügen, dass ich bis gestern Abend nicht verstanden habe, warum die Magier statt einem Urteil durch Herrn von Rodenwald eines durch Victor von Malfori vorgezogen haben. Sie haben damit ja letztendlich nur etwas Zeit geschunden. Aber sie haben sich tatsächlich eine Chance ausgerechnet, dass der Fürst sie in seine Dienste nehmen würde – immerhin ist er ein Dämon. Aber weit gefehlt.
Ich muss gestehen, die Verhandlung hat mich erschreckt. Und wenn ich mich an die Gesichter der anderen an diesem Abend denke, bin ich nicht der einzige, dem es so gegangen ist. Selbst Elaril war – bei aller Loyalität zu seinem Herren – erschreckend blass. Das war keine Verhandlung, das war eine Farce. Oh, sicher, die Magier wurden verurteilt und schon am kommenden Morgen durch das Beil des Henkers hingerichtet, aber... ich werde das Gefühl nicht los, dass sie weniger dafür verurteilt worden sind, dass sie schwarzer Magie ausgeübt haben als vielmehr dafür, dass sie den Fürsten einfach genervt haben. Ich weiß nicht, wie ich das ausdrücken soll, ohne dass es wie Majestätsbeleidigung klingt, aber ich hatte das starke Gefühl, dass seine Lordschaft wenig bis keine Lust hatte, sich mit dem Prozess zu befassen, dass er das Urteil schon vorher gefällt hatte und dass der Versuch der Magier, sich zu verteidigen es eher noch schlimmer gemacht hat. Soviel also ist die gepriesene Gerechtigkeit in Malfori wert. Er hat sie nicht mal ausreden lassen. Was ist, wenn ein Unschuldiger an einem Tag seinen Prozess hat, an dem der Herr von Malfori solche Laune hat? Oder sich lieber mit anderen Dingen beschäftigen würde? Seinem Rosengarten oder seinen völlig überzogenen Bauprogrammen? Nun, das Beil des Henkers fällt hier offenbar schnell, das erspart dem Fürsten immerhin eine Wiederaufnahme der Verhandlungen. Verzeih mir den bitteren Ton, liebes Tagebuch, aber ich bin einfach anderes gewohnt und froh, wenn wir morgen wieder aufbrechen.
20. Mai 651 (Hildegard)
Diese Räuber haben allerdings nicht sehr viel Spaß mit uns gehabt, sie bekamen sehr direkt unseren Unmut über die ständigen Überfälle zu spüren. Bei sowas wird mir immer wieder klar, warum Meister Farald so viel Wert auf kriegerische Disziplinen legte, wie auf das Studium der Heilkünste und Magie. Er wusste, dass ich früher oder später alleine würde zurechtkommen müssen. Und dass dann auch de Tag käme, an dem ich darauf angewiesen bin mich notfalls auch alleine zur Wehr setzen und mich verteidigen zu können. Glücklicherweise hat mich mein Lehrmeister gut unterrichtet...
20. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Gerade, die Nacht neigt sich schon wieder dem Ende zu, sind wir in Lur angekommen.
Anders als auf der Hinreise nach Thorndorf haben wir auf der Rückreise nicht mehr in Galimswerth übernachtet sondern sind ein paar Stunden nach der Dämmerung bis nach Lur gelaufen. Die Nachtruhe haben wir uns jetzt dann wirklich verdient.
Doch möchte ich noch kurz die Reise zusammenfassen:
Wir sind am 18. Mai nach Galimswerth aufgebrochen und haben im dortigen Gasthaus Betten im Schlafsaal gemietet. Während des Abendessens trafen wir dann auf den Barden Narsil. Welch eine angenehme Überraschung! Er uns den Abend mit Speis und Tank wirklich versüßt. Dadurch dass er die ganze Gaststube unterhalten hat, bekam er soviel spendiert, dass auch für uns genug übrig blieb. Er hat dann auch noch das ein oder andere Lied gespielt, welches ich noch gar nicht kannte. Man muss den Menschen wirklich lassen: Sie haben unglaublich viele Lieder in denen es um Alkohol geht! Zwar gibt es auch bei uns das ein oder andere Trinklied zu Ehren Hanseaths, aber die meisten Lieder drehen sich um sagenhafte Helden und sind oft ziemlich ernst.
Meine Erinnerung an diese Nacht ist ziemlich verschwommen und setzt irgendwann ganz aus... Hildegard behauptete am nächsten Morgen, dass ich mich auf einen der Tische gestellt habe und mich ausgezogen habe. Das kann ich mir gar nicht vorstellen, warum sollte ich das getan haben!?
Am Nachmittag erreichten wir schließlich Thorndorf und fragten uns zu der Bibliothek durch. Dort wurden wir von Wilhelm Theophil Paulus von Thorndorf, Scholasticus und Bibliothekar a.D. sehr freundlich empfangen. Und als wir dann auch noch den Namen Thais erwähnten bat er uns schnell herein und stellte uns seine Bibliothek zur Verfügung. Eine sehr beeindruckende! Viele Menschen achten das geschriebene Wort ja nur gering, aber es gibt auch immer wieder lobenswerte Ausnahmen.
Insbesondere zum Thema Geschichte fanden sich dutzende Regalmeter! Seine Auswahl an Büchern zu zwergischen Sagen und Minen war natürlich geringer, doch er gab sich viel Mühe mit einige Werke über Khazad Mirr und die Larni-Saga herauszusuchen. Es war sehr faszinierend wie viele Bücher der kleine hutzelige Mann zu uns geschleppt hat.
Sogar einen Aufsatz über das Wort Dunkelheit in der Larni-Saga war in seinem Besitz!
Wir verbrachten einige Stunden in diesen Räumen und zwischendurch half ich Hildegard bei ihren Nachforschungen und sie bei den meinigen. Erst wunderte ich mich, warum Alarik so wenig Interesse an diesen Büchern zeigte, doch dann sah ich den Grund dafür in Form von einigen ungeschickt hingekritzelten Buchstaben: Der Junge kann weder lesen und schreiben! Ich weiß gar nicht warum mich diese Tatsache leicht verwundert hat.... Bei den Menschen ist das keineswegs unüblich. Hildegard bringt ihm wohl gerade die Grundlagen bei. Alarik scheint seine Unfähigkeit zur Schrift wohl auch sehr peinlich zu sein: Kaum hatte ich ihn auf einige kleine Fehler in seiner Übung hingewiesen, verfärbte sich sein Gesicht rubinrot.
Spät in der Nacht verließen wir schließlich das Haus Wilhelm Theophil Paulus‘ und übernachteten im schwarzen Eber.
Die Rückreise nach Lur war bis auf eine Begegnung mit Räubern ereignislos. Räuber... Davon gibt es hier ja weit mehr als genug. Dieser Kampf stellte für uns keine größere Bedrohung dar und so erreichten wir dann schließlich Lur.
19. Mai 651 (Hildegard)
Ich kann jetzt mit Sicherheit sagen, dass die Frau die uns in nächtlichen Träumen erscheint Ravija von Ragnaron ist, genau wie ich es vermutete. Was sie von uns will, das weiß ich allerdings nach wie vor nicht. Ich hoffte, dass eine Analyse der Magie die auf dem Ring liegt uns da irgendwie weiterhelfen könnte. Allerdings sieht es so aus, als ob das eine Fähigkeit wäre, die man nur bei fähigen Magiern finden kann.... Und nun finde man mal einen solchen in den Reichen. Diese Spur führt also vorerst ins Nichts. Ich für meinen Teil kenne jedenfalls keinen und die Jungs offensichtlich auch nicht.
Apropos die Jungs..... Dvalinn hat wie zu erwarten die Mengen an Alkohol nicht vertragen, die er gestern in sich hineingeschüttet hat. Und was hat er daraus gelernt? Natürlich nichts.
Da er aber einen Gedächtnisriss hatte und sich offensichtlich kaum noch an den letzten Abend erinnern konnte, haben wir ihm einfach erzählt, dass er sich ausgezogen und nackt auf dem Tisch getanzt hätte. Narsil hat bei diesem kleinen Streich mitgespielt und war meiner Meinung nach sehr überzeugend. Dvalinn scheint trotzdem nach wie vor skeptisch zu sein, wenn ich es erwähne. Zu knuffig! Genau wie als die Jungs sich zuerst weigern wollten sich in Thorndorf vernünftig zu waschen, damit sie den Bibliothekar nicht sofort verschrecken, wenn drei fremde, schmutzige Gestalten vor seiner Tür stehen und fragen, ob sie mal in sein Haus kommen können....
Aber nur ein kleiner drohender Blick und es kam kein Widerspruch mehr, als ich Lappen holte und auf den Brunnen im Dorf wies. Wir hatten dann auch keine großen Probleme bei Wilhelm Theophil, der erfreut war Bekannte von Thais zu treffen, die dazu noch seine Bücher zu schätzen wussten.
Morgen werden wir zurück nach Lur reisen und dann schauen wir mal weiter.
18. Mai 651 (Hildegard)
Wir saßen gerade beim Essen beisammen und die Jungs haben sich um Alariks Gericht gezankt, dass deutlich besser schmeckte als Dvalinns und mein Eintopf. Also habe ich einfach eines für uns alle nachbestellt, damit Ruhe herrscht. Und plötzlich stand Tirons Bruder, Narsil, mit unserer Bestellung an unserem Tisch! Ich war sehr überrascht ihn hier zu treffen. Aber da er ja wie wir ein wenig ziellos durch die Gegend streift, hätten wir natürlich überall auf ihn treffen können. Ich habe nur nicht damit gerechnet und Alarik deshalb in einer ruhigen Minute eingeimpft, dass er einfach bei unserer Geschichte vom letzten mal bleiben soll, mit dem „Ehepaar“. Doch der Versuch war ziemlich fruchtlos, Narsil war ziemlich klar, dass Alarik und ich kein Paar sind. Also gab ich die Geschichte einfach auf. Danach versuchte er ein paar mal mit mir zu flirten, allerdings ging ich nie darauf ein. Was soll ich auch sagen, einfach am Tisch herausplatzen mit „Hallo Narsil, wir kennen deinen Namen, weil wir deinen Bruder nicht nur getroffen haben, ich habe auch mit ihm geschlafen“ ?? Den subtileren Hinweis hat er offensichtlich nicht verstanden. Und alles andere...wäre mir zu vulgär.
Jedenfalls hat er uns den Abend lang Gesellschaft geleistet und ich muss zugeben, er ist gar kein so übler Kerl. Wenn man über die dauernden Flirtversuche hinwegsieht, ist er wirklich nett und witzig. Er hat den ganzen Abend lang immer wieder Dvalinn und die anderen Gäste mit Liedern unterhalten und wurde dafür mit Essen und Getränken beschenkt, die er sehr freigiebig mit uns teilte. Dvalinn hatte sehr viel Spaß an Narsils Musik und wir haben uns am Ende einen kleinen Spaß mit Dvalinn gemacht. Wir haben ihm einfach immer wieder Alkohol zugeschustert und ihn beobachtet, wie er betrunkener und betrunkener wurde. Vielleicht wird ihm das eine Lehre für die Zukunft sein, sich nicht dauernd so zu betrinken, bis er nicht mehr weiß was er tut.
Jedenfalls rechne ich es Narsil an, dass man mit ihm auch gut ein wenig Unfug treiben kann. Die meisten Menschen die ich unterwegs treffe sind zu ernst und verstehen selten einen guten Spaß.
Narsil scheint da definitiv anders zu sein. Am Ende des Abends, als Alarik Dvalinn schon in unseren Schlafsaal gebracht hat, saß ich noch allein mit Narsil zusammen und habe mich ein wenig über seine Flirtversuche amüsiert. Er hoffte wohl, dass sich meine Einstellung mit ausreichend Alkohol noch ändern würde und bestellte uns recht viel Wein. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass ich sein kleines Spiel durchaus durchschaute, entschuldigte er sich damit, dass nicht er, sondern der Alkohol verantwortlich sei, der da aus ihm spräche. Und tatsächlich hielt er mir dann sein Glas ans Ohr, dass daraufhin zu mir sprach!
Unglaublich, ich wünschte ich könnte sowas auch! Vielleicht habe ich mich in Tirons Bruder ein wenig verschätzt. Er war bei weitem nicht so aufdringlich wie einige der Typen, denen ich auf Reisen schon begegnet bin. Er zog sich am Ende zu seinem Schlafplatz zurück und wir wünschten uns eine gute Weiterreise. Er wird wie wir ebenfalls weiter seiner Wege ziehen und vielleicht trifft man sich ja irgendwann wieder. Mit seinem Bruder scheint er auch keinen so regen Kontakt zu haben, er zeigte sich überrascht, als wir von unserem Treffen berichteten und war erstaunt, dass sie sich so knapp verpasst hatten und sein Bruder wohl in der Zwischenzeit zum Hauptmann befördert wurde. Ich wünschte ich bekäme auch einmal gute Nachrichten aus der Heimat.
Und was Tiron wohl gerade tut? Hoffentlich geht bei den Rittern alles gut. Ich sorge mich wenig um die Schwarzmagier, so bedrohlich kamen sie mir bei weitem nicht vor. Aber dass der Elf mit einem magischen Gegenstand reist, von dem er nichts wissen will, das bereitet mir durchaus Sorgen. Ich hätte ihn doch noch einmal darauf ansprechen sollen, bevor sie weitergezogen sind... Wäre da nicht Tiron gewesen und der Kuss... Ich meine, wie soll man denn da auch an alles denken können??
Und nachher ärgert man sich...
17. Mai 651 (Hildegard)
Tatsächlich schlugen wir uns weit weniger Heldenhaft, auch wenn es den Männern durchaus nicht an Mut mangelte. Doch ich habe schon bessere Kämpfe gesehen liebes Tagebuch, das kannst du mir glauben. Die Verletzungen die wir davongetragen haben, bestätigen das leider nur.
Dabei muss ich aber erwähnen, dass Durin sich weit besser geschlagen hat als erwartet! Für einen Zwerg ist er ausgesprochen talentiert darin sich trotz schwerer Rüstung leise an den Gegner heranzuschleichen. Man sah ihn weder, noch hörte man ihn, als die Aufforderung zum Anschleichen und Verstecken an die Männer rausging. So ungefähr jeder außer Dvalinn machte seine Sache gut. Dvalinn sollten wir vielleicht in einer ruhigen Minute nochmal erklären, dass einfach stehenbleiben ihn nicht sofort als Felsbrocken tarnt und dass Anschleichen so etwas wie leise sein bedeutet. Zum Glück hatten wir vorher abgesprochen, dass ich alleine bis auf kurze Reichweite an das Lager herangehen würde um auszukundschaften, mit wie vielen Räubern wir zu rechnen haben. Die Männer waren ganz erleichtert als sie hörten, dass wir nicht mit einer unbezwingbaren Anzahl an Gegnern rechnen mussten. Ich bin nur froh, dass keiner fragte wie genau ich die Anzahl unserer Gegner aus der Entfernung abschätzen kann. Ich nehme nicht an, dass sie besonders angetan wären wenn sie wüssten, dass ich die Möglichkeit habe immerhin oberflächliche Gedanken zu lesen.
Wir beschlossen die Position des Lagers direkt vor einer hohen Felswand für uns auszunutzen und die Räuber von den zum Wald hin offenen Seiten einzukreisen, damit sie uns nicht mehr entkommen konnten mit der Felswand im Rücken. Wir rückten also von mehreren Seiten heran, die Schützen starteten den Angriff, in dem wir die Räuber unter Beschuss nahmen und läuteten damit eine allgemein langwierige und nicht so erfreuliche Schlacht ein, an deren Ende wir aber die Oberhand behielten. Die Jungs durchsuchten die Gefallenen, während ich unsere Männer heilte so gut ich konnte und einen versteckten Eingang im Felsen fand, der zu einem Lagerraum führte. Leider lagerten sie dort hauptsächlich Nahrung und Decken, eine vielversprechende Truhe barg zumindest zwei Heiltränke. Einen, nachdem der Zwerg die Truhe auf seine Art geöffnet hatte.
Danach unternahmen wir nur noch einen strammen Marsch zurück nach Lur, wo wir erst nach Anbruch der Dunkelheit ankamen und wo wir wie gesagt erstmal in der Taverne auf unseren Sieg trinken mussten. Ich hoffe wir können jetzt endlich nach Thorndorf aufbrechen, wo wichtigere Arbeit auf uns wartet. Ich möchte zu gerne endlich einige Nachschlagewerke zu magischen Gegenständen befragen und mich nochmal in die Geschichte der Fürstentümer einlesen, vielleicht finden sich dort nähere Hinweise, die uns weiterhelfen. Und mit etwas Glück sogar ein Bild der verstorbenen Fürstin Ravija, das könnte mir die Suche nach dem Ursprung und dem Zweck dieser Träume deutlich erleichtern. Und vielleicht finde ich sogar heraus wie ich den Zauber erkennen kann, der auf dem Ring liegt. Ich habe viel vor und freue mich schon auf die Bibliothek! Ich hoffe nur, dass ich mir nicht zu viel davon verspreche.
17. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Ggreade habe ich Durin nAch Hause gebracht. Man, der Juunge hat vieeliecht gesoffen! Hatter sich aber auch verdient.
der Kampf lief so mittell. Paar Verletzte, aber das is ja eh immer normal. Räuber sind besigt, alls von uns leben noch. PAsst.
Wir, also die Hilde, der Wuschel, Kurzbart, Wulfhinrich, Aalbrecht und Berhtolt (zwei Holzfäler), aigolf „Orkspalter“ und meine wenichkeit, sind der sTelle die uns der eine Räuber gesagt hat und da ham wir die Räuberchen auch aufgestöbert. Dann ham wir se niedergemacht. Von deenen is keiner mehr am lEben! Haha!
Die hilde, die wäär eigentlich vooll der gute Zwerch! Die hat ne Geheimtüür im Fels gefunden, also die hätt ich nisch geseehn! dA hatten de Räuber ihr Lager und sowas. Aber nua Krempel. Paar Münzelchen, aber ncih viel. Wir ham dia ja auch nihct für Gold getötetet, auch wen wir das sicher genomm hättn, sondern weil wegen gerechtichkeid un so. ach, un Svea war ganz schtolz auf uns. sIe is schon nen süssses goldsschtückschen!
Boah, abder der Gunna, der is schln streng! der hatten Kurzbart sowas von anne ohren gezogen, der sah fast asu wie nen Elf! Nur weil er eein bschen getrunken hatt... was wärn den ein Sieg ohne Alohol? Leida hab ich de Svea nüch mehr jeseehn als ich den Durin zurüück zu papa gebracht hab.
16. Mai 651 (Hildegard)
Aber erst einmal alles der Reihe nach. Ich schrieb ja schon, dass wir uns gestern auf den Weg in den Wald nordöstlich von Lur machen wollten in dem Versuch die Leiche zu finden, bei der der magische Ring mit dem Wappen Ragnarons gefunden worden sein soll.Und wir wurden auch tatsächlich fündig, wenn auch nicht so wie ich es mir erhofft hatte. Aber das war ja mehr oder minder genau das, was die Karten uns vorher schon prophezeiten.
Das ganze lief so ab: Wir liefen die Strecke die Alarik vorher ausgekundschaftet hatte, bis wir an eine Wegabzweigung kamen. Ich schaffte es nicht mit göttlicher Hilfe zu entscheiden, welcher von den drei Wegen der richtige wäre und entschied schließlich einfach spontan. Der Weg den wir wählten führte uns stundenlang durch hohes Gras, in dem man kaum etwas erkennen konnte. Dementsprechend langsam bewegten wir uns suchend vorwärts, bis wir den Waldweg verließen und an einen Felsvorsprung kamen, auf dem ich zwei Raben sah, die sich um etwas stritten. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, wurde sich auch Alarik bewusst, was das für uns bedeuten konnte und wir drei begannen den Aufstieg, der uns in unseren Rüstungen unerwartet schwer fiel. Als dann noch ein plötzlicher Mairegen auf uns niederprasselte, liefen und kletterten wir nur noch so schnell wir konnten und kauerten uns frierend und bedeckt von Matsch unter den Felsvorsprung, den die Raben mittlerweile verlassen hatten. Dafür fanden wir dort die Ursache ihres Gezankes. Eine halb angenagte, verfaulte Leiche die mittlerweile mehr einem Skelett glich und an die Felswand angelehnt, noch immer aufrecht saß. Wir überwanden uns und untersuchten die Leiche, was immerhin eine schwere Rückenverletzung als Todesursache und ein Militärmesser mit Ragnaroner Wappen zutage förderte. Sein Beutel war offensichtlich zuvor bereits gründlich durchsucht worden und brachte uns keine Anhaltspunkte. Nach dem Regenschauer sahen wir uns noch in der Umgebung um, wobei ich auf einem etwas abgelegenen Weg einen Abhang herunterkam und die Überreste des Pferdes fand, auf dem der Landsknecht wohl bis hierher gekommen war. In den Satteltaschen waren noch seine Kleidung und einige verschiedene Beutestücke, wie silberne Kerzenhalter und ungeschliffene Edelsteine. Während Alarik und ich die Gegend absuchten, hub Dvalinn ein Grab für die Leiche aus, die wir anschließend den Felsen hinab trugen und bestatteten. Was der Landsknecht mit den Wertsachen und dem Ring hier gemacht hatte, wird uns aber wohl immer ein Rätsel bleiben. Waren die Gegenstände etwa alle gestohlen? Sie gehörten offenbar nicht zu ein und demselben Haushalt. Und was machte ein Landsknecht in dieser Ecke von Ragnaron mit Kerzenhaltern im Gepäck und einer tiefen Wunde am Rücken? Wann ist diese ihm zugefügt worden und von wem? Vielleicht werden wir das wirklich nie erfahren.
Wir waren jedenfalls zu dieser Zeit so weit weg von Lur, dass wir uns entschlossen ein provisorisches Nachtlager unter dem Felsvorsprung aufzuschlagen und am nächsten Morgen zurück nach Lur zu gehen. Die Nacht war unglaublich kalt, wir rückten alle zusammen so weit wir konnten. Wer wachte lauschte auf die Wölfe und ob sie dem Feuer fernbleiben würden und wer schlief wurde von Alpträumen geplagt. Jeder einzelne von uns träumte diese Nacht schlecht, von Skelettpferden wie bei Dvalinn, oder Untoten wie bei Alarik und mir. Und wie fast alle vorangegangenen Nächte war da wieder diese Frau im schlichten weißen Kleid, die ich Nacht für Nacht in meinen Träumen sehe seit Ravensloft. Seit ich diesen magischen Ring bei mir trage. Nur diesmal vertrieb sie die Untoten, die mich verfolgten und nach mir griffen, anstatt wie sonst ohne ein Wort gesagt zu haben wieder zu verschwinden. Ich vermute, dass es eine Botschaft von der verstorbenen Fürstin von Ragnaron sein könnte, habe allerdings bisher keine Hinweise gefunden, die meine Theorie hinreichend untermauern würden. Und was diese Botschaft mir sagen soll, vermag ich auch noch nicht zu erkennen. Nichts, außer dass ich gerufen werde kann ich über diese Träume sicher sagen.
Nach einer völlig unentspannten Nacht die wir mit bösen Träumen und Frieren verbracht haben, brachen wir also wieder auf Richtung Lur. Die Wölfe waren uns fern geblieben, aber dennoch waren sie viel zu früh im Jahr viel zu Weit ins Land vorgedrungen, was durchaus besorgniserregend ist. Mit Wölfen haben wir ja keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Mit Räubern allerdings auch nicht, und eben solche lauerten uns auf dem Rückweg im Wald auf. Einen von ihnen hatten wir schon ausgemacht und wir wollten uns gerade zur Wehr setzen, als sich herausstellte, dass wir bereits von Räubern eingekreist waren. Denn zwei weitere Räuber standen uns im Rücken und man forderte uns auf unsere Waffen niederzuwerfen und unsere Wertsachen auszuhändigen. Es folgte ein Moment angespannter Stille, denn ich hatte nicht vor unsere Wertsachen auszuhändigen, vor allem nicht den magischen Ring. Aber ich wusste nicht wie die anderen reagieren würden und wir waren nicht nur in der Unterzahl, sondern auch in einer schlechten Position, da nicht nur ein Bogenschütze auf uns zielte, sondern wir auch noch Gegner im Rücken hatten. Aber glücklicherweise konnten wir uns ganz ohne Worte untereinander verständigen, denn die anderen sahen wohl genauso wenig ein wie ich, dass wir uns ergeben sollten. Auf Alariks Kommando hin schickte Dvalinn einen wütenden Kampfschrei in Richtung des ersten Räubers und rannte mit gehobener Axt auf ihn zu. Der räuberische Bogenschütze setzte just in diesem Moment ebenfalls auf den schreienden Zwerg an, was Alarik freies Schussfeld auf den Bogenschützen gab. In dem Moment in dem ich realisierte, dass die Jungs die Situation vor uns unter Kontrolle bringen würden, drehte ich mich um und beschloss ihnen den Rücken freizuhalten. Womit ich mich zwei bewaffneten Räubern gegenübersah, die mich mit ihren Schwertern ganz schön in Bedrängnis brachten. Doch ich war wild entschlossen den Jungs Rückendeckung zu geben. Glücklicherweise bin ich durch das Geschenk der göttlichen Magie in der Lage Heilzauber zu sprechen, nicht nur auf andere, sondern auch auf mich. Ansonsten hätte ich diesen Kampf unmöglich überleben können. Aber durch Sehanine war es mir möglich übermenschliches zu leisten und meinen Jungs den Rücken freizuhalten. Zu dritt erledigten wir unsere Gegner und nahmen den einzigen Überlebenden mit nach Lur, nachdem dieser uns erzählte, dass er von einem Treffen der anderen Bandenmitglieder wusste und uns den Weg zu ihrem Quartier beschreiben konnte. In Lur versammelte man sich dann um uns am Marktplatz, man hätte meinen können halb Lur wolle unbedingt auf Räuberjagd gehen! Glücklicherweise nahm Aigolf sich der Organisation an, sperrte den Gefangenen in seinen Keller und stellte einen kleinen Trupp von mehr oder weniger fähigen Männern zusammen, mit denen wir morgen zum beschriebenen Treffpunkt aufbrechen werden.
Ich war froh nach dieser Nacht ein angenehmes Bad nehmen und gutes Essen von Berta genießen zu können. Zur Feier des Tages spendierte sie uns einen Kuchen, den wir unter uns aufteilten. Den hiesigen Zwergen schien er nicht so zu gefallen, Dvalinn dafür aber umso mehr! Im Anschluss habe ich noch Dvalinn und Alarik zugesehen, wie sie mit Durin Waffenübungen gemacht haben, da er fest entschlossen ist uns morgen zu begleiten. Und Dvalinn fühlt sich nun verantwortlich für ihn und wollte Durin ein wenig vorbereiten. So schlecht hat sich der kleine Zwerg auch gar nicht geschlagen, wobei ich mir die Verantwortung gegenüber dessen Familie nicht gerne aufgebürdet hätte. Aber was tut man nicht alles, wenn man sich beim Vater der Angebeteten einschmeicheln will...
Ich bin mal gespannt, was uns morgen erwartet. Hoffentlich lohnt es sich wenigstens mal für uns, dass wir schon wieder anderer Leute Aufgaben erledigen. So langsam fühle ich mich wie eine Ersatzwache, nur ohne Bezahlung...
16. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Sieht so aus, als würden wir morgen mal wieder Räuber jagen gehen!
Kaum tritt man aus dem Stadtgebiet Lurs heraus, schon muss man sich irgendwelche Banditen vom Leibe halten!
Gestern sind wir ja aufgebrochen um eine mysteriöse Leiche einer seltsamen Frau zu finden, die irgendwann mal irgendwo ermordet wurde. Interessanterweise haben wir tatsächlich eine Leiche gefunden. Zwar nicht die der Frau, aber Hildegard dürfte jetzt trotzdem ein Weilchen zufrieden sein.
Bevor wir losgegangen sind, hab ich erst mal Gunnar sein Kurunt vorbei gebracht. Er war sichtlich mit der Menge zufrieden, aber das wundert mich auch nicht: ich hab einen ziemlich guten Preis rausgehandelt. Dann hat mich gebeten mal zum Abendessen vorbei zu kommen und ich hatte fast das Gefühl hinter der Aufforderung steckt noch irgendwas anderes...
Erst sind wir einige Stunden durch Wege, Felder und Wälder gelaufen und ich weiß nicht inwieweit Hildegard selbst wusste, wo wir hinmüssen...
Die beiden Menschen sahen dann an einem Felsvorsprung einige Raben und schloßen daraus auf etwas interessantes, also sind wir den Hügel hochgestiegen. Unter einem Felsvorsprung fanden wir dann tatsächlich einen halb verwesten Körper, dessen Ausrüstung das Wappen Ragnarons zeigte. Dummerweise wurden wir bei dieser Aktion von kräftigem Mairegen überrascht und wurden komplett durchnässt. So saßen wir dann erst mal: Mitten im Nirgendwo, auf einem Fels, nass und neben einer Skelett. Meine Alternative wäre ein Abendessen bei Gunnars Familie gewesen... Aber alleine lassen möchte ich die Menschen auch nicht. Warum hat sich ja dann wieder gezeigt.
Als der Regen aufhörte, schaufelte ich dem Mann ein Grab, während die beiden das Umland untersuchten und dabei auf eine Pferdeleiche stießen. Was der Mann allerdings mitgenommen hatte, war mehr als seltsam: silberne Kerzenleuchter, einen Kelch, Edelsteine und wenige Saschen von dem Pferd entfernt fand ich auch noch eine wirklich schön gearbeitete Goldbrosche! Was wollte der Mann mit diesen Dingen? Hatte ich gerade ein Grab für einen Dieb gegraben?
Leider war es dann auch zu spät um nach Lur zurückzukehren, also schliefen wir unter dem Felsvorsprung. Es war eine verdammt kalte Nacht und nie habe ich mich mehr über meinen Yetifell-Umhang gefreut... Das tote Pferd hat sich auch in meine Träume geschlichen: Ich träumte, dass ich auf einem Skelettpferd reitend zu einer Mine komme, wo mich Dunkelheit empfängt. Der Teil mit dem Pferd war ja durchaus interessant, aber Dunkelheit? Hände die mich aus der Dunkelheit berühren, nein! Darauf kann ich verzichten!
Unsere Klerikerin musste natürlich auch noch alles mögliche in diese Träume hinein interpretieren. Unsinn! Träume sind gegenstandslos. Man kann sie nicht anfassen, sie bedeuten nichts!
Am morgen sind wir dann wieder nach Lur aufgebrochen und hörten ein verräterisches Rascheln im Unterholz. Wir taten erst so, als hätten wir nichts bemerkt, doch konnten wir einer Konfrontation eh nicht aus dem Wege gehen. Ich erhob die Axt und lief auf den Busch zu, als wir von weiteren Räubern dazu aufgefordert wurden unsere Waffen fallen zu lassen und unsere Wertsachen auszuhändigen. Wir waren umzingelt. Zwei Räuber im Rücken und eine feige Sau mit Bogen.
Wir und uns ergeben, hach! Wohl kaum! Nach einigen kurzen Blicken zu Alarik stürzte ich mich mit einem Kampfschrei auf den Wegelagerer vor uns und zerteilte ihn mit einem Hieb in zwei Teile. Wörtlich genommen! Ich traf in an der linken Schulter und meine Axt glitt durch bis zu seiner rechten Hüfte. Sein Schrei hörte erst auf, als die beiden Teile auseinanderfielen. In der Zwischenzeit nahm sich Alarik den Bogenschützen vor und Hildegard hielt uns den Rücken frei. Das Mädchen hat sich richtig tapfer geschlagen! Ich kam ihr dann schnellstmöglich zur Hilfe und schon nach kurzer Zeit stand von den Halunken keiner mehr! Einen nahmen wir allerdings lebendig mit, da er uns von einem Lager in der Nähe erzählte wo noch mehr Räuber die morgige Nacht verbringen wollen. Und eine Gelegenheit Gerechtigkeit über ein ganzes Nest dieser Wegelagerer zu bringen, die lassen wir uns mit Sicherheit nicht entgehen!
Als wir in der Stadt ankamen und Aigolf den überlebenden Räuber aushändigten, war der ganze Marktplatz voll von Männern die mit zur Jagd kommen wollten! Wen wunderts? Lur als Handelsstadt ist besonders darauf angewiesen, dass die Händler die Stadt auch erreichen! Aigolf übernahm die Organisation und sorgte dafür, dass der Räuber seine Strafe bekam.
Doch nicht nur die Menschen in Lur waren an unserem Fund interessiert, auch Gunnar, Durin und Svea standen schließlich auf dem Marktplatz. Besonders Durin machte dieses Abenteuer Appetit und er überredete Gunnar dazu ihn mitgehen zu lassen. Gunnar willigte auch ein, als er hörte, dass ich stets ein Auge auf ihn werfen wolle und dass die Gefahr sehr überschaubar sei. Ich kann nicht behaupten, dass es sich mit der Verantwortung für einen unerfahrenen Kurzbart besser kämpft, aber mal auf dem Schlachtfeld zu stehen hat noch keinem Zwergenmann geschadet.
Bevor ich dem Kleinen ein paar Hilfestellungen im Umgang mit dem Kurzschwert gegeben habe, gab es im goldenen Hahn Apfelkuchen zur Feier des Tages! Also manches was die Menschen so kochen oder backen ist wirklich lecker! Svea und Durin waren ziemlich skeptisch aber dann doch recht angetan davon.
Bei den Waffenübungen schlug sich Durin eigentlich ganz gut, doch merkt man seinen Bewegungen deutlich an, dass er keine militärische Ausbildung erhalten hat. Was ich bisher von ihm erfahren hab, ist dies in Khazad Mirr nicht üblich. Ich ließ ihn dann vor allem gegen Alarik antreten und korrigierte seine Defensivhaltung. Vermutlich wird der Kurzbart nicht viel gegen die Banditen ausrichten können, aber ernsthaft verletzen werden die ihn auch nicht.
Irgendwie haben mich diese Übungen an Khazad Sosnojask erinnert... Es ist doch schon einige Jahrzehnte her, als ich lernte die Axt zu schwingen und den Schild zu halten. Doch die Unterschiede sind gewaltig: statt in kalten Höhlen standen wir unter der Abendsonne und anstelle der erfahrenen Krieger, die über unsere Mißgeschicke spöttisch lachten, war das Publikum heute sehr viel beeindruckter. Neben einigen Dorfbewohnern und natürlich Hildegard, beobachteten uns auch Gunnar und Svea. Gunnar war sichtlich von meiner Kampferfahrung beeindruckt und Svea schrie bei jedem Hieb, ob Axt oder Schwer, leise auf. Egal ob dieser Hieb nun den Schild ihres Bruders oder den meinigen getroffen hatte...
Dienstag, 3. Mai 2011
15. Mai 651 (Hildegard)
Und noch eine Erinnerung für mich selbst: Sollte ich diesen Georg in die Finger bekommen, der zwei Frauen hier aus der Gegend glauben lässt sie wären seine einzige Liebe und ihnen beiden Hoffnung macht, dann muss ich dem mal gründlich den Kopf waschen! Mit Gefühlen spielt man nicht, das sollte ihm mal jemand beibringen. Ohja, und Irmel ist doch tatsächlich mit einem jungen Mann namens Sven liiert und hofft, dass er bald eine Anstellung findet, damit ihr Vater, unser lieber Garn, nichts mehr gegen eine Hochzeit einzuwenden hat. Soso. Mal sehen, ob sich da die Gelegenheit für mich ergibt ein wenig nachzuhelfen.
Ich bin mal gespannt was der Tag sonst noch so bringt. Interessante Neuigkeiten hatten die Nachrichten nicht zu bieten, aber vielleicht werden wir welche liefern, wenn wir von unserem kleinen Ausflug in den Wald um Lur zurück sind. Bevor Dvalinn nämlich zur Schmiede aufgebrochen ist, um dort abzuliefern um was auch immer es sich handelte, was er in Ravensloft für Gunnar besorgt hat, haben wir uns noch darauf geeinigt, dass wir heute den Nachmittag nutzen werden um uns einmal nach der Stelle umzuschauen, wo der magische Ring von Liutprant angeblich gefunden wurde. Keine sichere Spur, aber besser als nichts und auf jeden Fall Wert verfolgt zu werden, wenn wir jetzt schon einmal wieder in Lur sind! Außerdem haben die Karten gesagt, dass wir auf irgendeine Weise fündig werden. Wir wissen also nicht, WAS wir finden, aber umsonst wird diese Reise nicht unternommen sein.
Da fällt mir ein, dass meine Karten heute etwas ganz ähnliches für Dvalinn vorhergesagt haben, als er mich bat sie doch einmal für ihn und Svea zu legen, wie der Brief von Svea es mir verrät! Und zwar sagten die Karten ein offenes Ende voraus und dass das Gelingen an mehreren Faktoren hängt. Dvalinns Beständigkeit wird wohl vermutlich einer davon sein.
Jetzt mache ich mich erstmal auf den Weg zurück, so langsam wird es Zeit zum Essen und ich bin gespannt, welche Neuigkeiten die Jungs bringen. Dvalinn von den Zwergen und Alarik von seiner Erkundung im Wald.
Donnerstag, 28. April 2011
14. Mai 651 (Tiron)
Liebes Tagebuch, wir kampieren auf der Straße ein paar Wegstunden östlich von Lur und ich komme endlich dazu, wieder ein paar Zeilen nachzutragen. Vielleicht wird das mir helfen, ein wenig Ordnung in das Chaos in meinem Kopf zu bekommen. Ich befürchte, ich habe mich in den letzten beiden Tagen außerordentlich ungeschickt angestellt. Ich meine, alleine die Idee, das Armband in Hildegards Tasche zu verstecken, statt es ihr anständig zu geben – man könnte wirklich meinen, ich hätte noch nie eine Benimmstunde gehabt. Ah, das Armband, das war wenigstens ein lichter Moment. Ich habe es kurz vor unserer Abreise aus Ravensloft gekauft, aus einem plötzlichen Impuls heraus. Mein Ausbilder hat immer gesagt, wir sollen unseren Instinkten vertrauen. Im Kampf, aber auch in der Einschätzung von Menschen. Ich sah das Armband, dachte an sie und habe es gekauft, so einfach war das. Ich weiß nicht genau, warum. Ich finde vielleicht auch einfach nicht die passenden Worte – nichtmal in meinem Kopf. Ich bin eben kein Mann großer Worte. Und vermutlich hält sie mich deshalb jetzt für einen totalen Idioten.
Am ersten Tag habe ich kaum ein Wort mit ihr geredet und dass, obwohl sie direkt hinter mir auf dem Pferd saß. Und am zweiten Tag war es nicht viel besser, befürchte ich. Sie hat das Armband abends gefunden und danach hat es keine zehn Herzschläge gebraucht, bis das ganze Lager wusste, was Sache war. Wobei – was ist eigentlich Sache? Das wüsste ich auch mal gerne.
Der Abend war, vom Feixen der anderen abgesehen und nachdem wir ein paar recht peinliche Momente hinter einem Wagenrad verbracht hatten, dafür sehr schön. Wir haben am Feuer gesessen und sie hat mir sogar erlaubt, meinen Mantel um sie zu legen. Einzig unerfreulich war ein kleiner Zwischenfall mit dem Zwerg und Elaril, es scheint zu stimmen, dass sich diese Völker nicht grün sind und jede Gelegenheit nutzen, aufeinander herum zu hacken. Offenbar hat der Zwerg gestern eine Trinkwette verloren und beschuldigt nun den Hauptmann, dabei betrogen zu haben. Was ich persönlich für sehr unwahrscheinlich halte. Elaril ist viel zu anständig, um sowas unehrenhaftes zu machen. Im ersten Moment war er deshalb auch rechtschaffen empört über den Vorwurf und die Tatsache, dass Hildegard ihn ohne sein Wissen auf Magie hin untersucht hat. Aber sie muss sich geirrt haben, denn Elaril versicherte, der betreffende Anhänger sei nicht magisch. Vielleicht hätte sie ihn besser direkt gefragt, bevor sie einen Suchzauber auf ihn gesprochen hat – aber selbstverständlich hat sie es zum einen für ihren Freund Dvalinn getan und zum anderen kennt sie Elaril nicht gut genug, um zu wissen, dass er bereitwillig auf jede Frage Rede und Antwort gestanden hätte. Ich fürchte, ich stehe schon wieder in Elarils Schuld, denn als wir uns an diesem Abend zum Schlafen niederlegten, habe ich nicht bei den Männern geschlafen, sondern bei Hildegard auf dem Karren. Es war ein gutes Gefühl, sie in den Armen zu halten und darauf zu lauschen, wie ihr Atem langsam und regelmäßig wurde, als sie einschlief. Aber ich habe prompt meine Wache verschlafen und Elaril, großmütig wie er nunmal ist, hat mich nicht geweckt.
Ich glaube, ich habe jetzt mehr über den Elfen geschrieben als über Hildegard. Da siehst du, liebes Tagebuch, mal wieder, wie wirr meine Gedanken noch sind. Heute Nachmittag sind Hildegard und ihre Gefährten nach Lur abgebogen. Eigentlich hatten sie uns schon vorher verlassen wollen, um nach Thorndorf zu gehen, aber der Zwerg hatte noch Geschäfte oder dergleichen in Lur zu erledigen, so dass sie uns bis dorthin begleiten konnten. Ich... fürchte fast, ich habe es bei der Verabschiedung ein bisschen übertrieben, aber manchmal muss man den Männern etwas zu sehen geben und ich glaube fast, dass es Hildegard zumindest nicht schlecht gefallen hat. Sie war vielleicht im ersten Moment ein bisschen überrascht, als ich sie fast von den Beinen warf, aber sie hat den Kuss erwidert! Wenn ich die Augen schließe, könnte ich schwören, dass da noch etwas von der Süße ihrer Lippen ist, auch wenn ich weiß, dass das der Wein ist, den Herr von Rodenwald heute an die Männer ausgegeben hat. Und ich weiß auch, dass die Wärme auf meinen Armen nicht der Nachhall ihres schlafenden Körpers ist, sondern vom Feuer herrührt. Aber ich will das alles nicht wissen. In zwei Tagen erreichen wir Malfori. Erst danach wird es Sinn machen, sich zu fragen, ob und wann ich sie wiedersehen kann. Und ich sollte jetzt schlafen – es ist jetzt schon zu spät.
Mittwoch, 27. April 2011
14.Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)
Vorhin sind wir endlich wieder in Lur angekommen. Wir wurden schon von den Dorfbewohnern begrüßt. Ich habe nur kurz mit Gunnar gesprochen und er bat mich morgen vormittag in die Schmiede zu kommen um ihm das Kurunt zu geben. Svea habe ich heute leider gar nicht gesehen. Vermutlich war sie gerade mit dem Abendessen beschäftigt.
Unsere Rückreise verlief ohne Zwischenfälle. Zumindest keine Kämpfe.
Tiron, der Ritterhauptmann, hat sich scheinbar wirklich in unsere Hildegard verliebt: er hat ihr ein kleines Armband geschenkt. Gestern Abend fiel mir das Silberarmband direkt auf und ich wollte es etwas näher betrachten. Schien den beiden peinlich zu sein, beide waren plötzlich verschwunden und kamen erst wenig später zum Essen wieder zur Gruppe. Eigentlich wäre Tiron gar kein so schlechter Mann für Hildegard. Als Krieger hat er ein hohes Ansehen und er scheint auch noch aus einer guten Familie zu stammen. Aber ich glaube kaum, dass Hildegard ihr Kleriker-Dasein jetzt schon aufgeben möchte...
Am Lagerfeuer kam es wenig später noch zu einem Streit zwischen mir und dem Elfen, als ich in auf sein magisches Amulett angesprochen habe. Er hat versucht sich rauszureden, tat so als wüsste er nicht, dass es magisch ist. Und dann beschuldigte er mich, ich hätte ihn ausspioniert. Lächerlich! Erst betrügen und dann nicht dazu stehen wollen.
Ich bin dann wieder zu Wulfhinrich gegangen, so etwas muss ich mir nicht anhören! Wulfhinrich hat seine Verletzungen inzwischen fast komplett auskuriert und wir saßen lange am Feuer und haben uns über verschiedene Dinge unterhalten. Hin und wieder hat sich auch einer der Ritter am Gespräch beteiligt, aber meistens blieben sie unter sich.
In der Nacht fiel mir öfter auf, wie der Elf durch die Gegend schlich, sehr seltsam. Ich begann ihn zu beobachten, doch merkte er das scheinbar und so verhielt er sich ruhig... Sicherlich hatte er etwas geplant. Ich traue ihm einfach nicht!
Deswegen war ich auch sehr froh, dass wir gegen Mittag die Wegkreuzung erreichten und wir uns von den Rittern verabschieden konnten. Verabschieden... ja, das hat Tiron getan. Er hat Hildegard noch einen großen Kuss aufgedrückt, bevor die Ritter endgültig ihrer Wege geritten sind. Nun, Tiron wird sich in den nächsten Tagen viel Spott von seinen Kameraden anhören müssen, die witzelten doch eh schon über die Beziehung der beiden.
Auch bei unseren Männern gab es keinen der nicht wenigstens ein kleines Grinsen im Gesicht hatte.
In Lur angekommen halfen wir noch schnell beim Abladen der Waren und dann kehrten wir im goldenen Hahn ein. Alle waren sehr neugierig auf unsere Abenteuer in der großen Stadt und auf dem gefährlichen Weg. Wahrscheinlich erwarteten sie nicht mehr als einige Wölfe am Wegesrand, so wie sie uns gespannt zuhörten. Orks und Schwarzmagier sind nun wirklich nichts alltägliches!
14. Mai 651 (Hildegard)
Die letzten beiden Tagen waren für mich unerwartet aufregend, sogar ohne, dass irgendetwas außergewöhnliches passiert wäre. Mal abgesehen davon, dass Tiron mir tatsächlich ein Geschenk in Ravensloft gekauft hat!!
Damit habe ich wirklich gar nicht gerechnet! Ich bin noch immer ein wenig überrumpelt. Als ob er geahnt hätte, dass ich mich ein klein wenig darüber ärgere, dass die Jungs dauernd Geschenke für Frauen kaufen und ich nie etwas bekomme. Und dann das! Es war gestern Morgen, als ich ein kleines Bündel in meinem Rucksack fand, in das ein silbernes Armband eingewickelt war. Ich ahnte schon, dass es eigentlich nur von Tiron stammen könnte – von wem denn auch sonst? - aber ich hatte keine Idee warum und bevor ich nachher falsch lag, wollte ich ihn lieber vorsichtig unter Vier Augen darauf ansprechen. Aber wie immer machten die Jungs meinen Plan in Sekundenschnelle zunichte... Alarik und Dvalinn sahen das Armband an meinem Arm – warum auch immer die Jungs soetwas so schnell wahrnehmen, während sie für andere Sachen Jahre brauchen – und Dvalinn musste selbstverständlich sofort nach meinem Arm greifen und ihn für alle sichtbar rumdrehen um die gute Arbeit zu bewundern... Sein Geschüttel an meinem Arm fiel natürlich den meisten Umstehenden auf und als ich die Blicke bemerkte und nicht gut erklären konnte, wo das Armband plötzlich hergekommen ist, beschloss ich die Flucht anzutreten. Ich versteckte mich hinter dem nächsten Wagen und wollte warten, bis mir etwas gutes eingefallen wäre und mein Gesicht nicht mehr so rot war. Leider schien jemand anderes ebenfalls genau diese Idee gehabt zu haben, denn hinter dem anderen Rad kauerte Tiron! Damit war die Frage nach dem Ursprung des Armbands eigentlich schon geklärt. Ich bedankte mich und beschloss alle etwaigen Sprüche an mir abperlen zu lassen, als ich von Alarik zum Essen gerufen wurde. Tiron schien das genauso zu sehen und ging auch irgendwann zurück zum Lager.
Nach dem Essen setze ich mich zu ihm, was ihm ganz recht zu sein schien. Er wirkte ganz glücklich darin Beschützer spielen zu können und mir am Abend seinen Mantel mit umzulegen.
Ich beobachtete die Männer bei der Pflege ihrer Waffen. Elarils elfische Klinge war wirklich ziemlich beeindruckend. Dvalinn und Wulfhinrich unterhielten sich die meiste Zeit über zwergische Ponys. Es war alles ganz friedlich, bis Dvalinn gegenüber Elaril mit dieser blöden Sache wegen dem magischen Anhänger und dem Wetttrinken herausplatzte. Dumme Sache. Danach war Elaril zu Recht ziemlich wütend auf uns und ich dachte schon, dass wir das so schnell nicht wieder gutmachen könnten. Aber Elaril scheint gar nicht so nachtragend zu sein, denn letzte Nacht hat er schon wieder für Tiron dessen Wache übernommen! Tiron lag nämlich hinter mir auf dem Wagen und hat völlig verschlafen! Erst als ich zum Sonnenaufgang aufstand wie immer, wurde er davon wach. Am liebsten hätte ich ihn noch etwas schlafen lassen, er sah dabei so zufrieden aus. Ich wusste nicht, dass schlafende Männer so süß aussehen können. Ich versuchte extra mich möglichst leise und unauffällig davonzuschleichen um zu beten, aber Tiron wurde wach und stellte bestürzt fest, dass er bis zum Morgengrauen geschlafen und seine Wache verpasst hat.
Ich muss zugeben...es schläft sich selbst auf einem Wagen deutlich wärmer und angenehmer, wenn einfach nur jemand hinter einem liegt und sich ankuschelt... Es tat mir richtig leid, als wir uns auf der Höhe von Lur verabschieden mussten. Ich glaube wirklich, dass er mir fehlen wird. Zumindest ein bisschen...
In Zukunft werde ich mich wohl wieder daran gewöhnen nur die schnarchenden Jungs auf dem Zimmer zu haben. Und Dvalinn kann schnarchen, sage ich dir! Die arme Svea tut mir schon richtig leid, falls das noch was wird mit den beiden. Aber wenn beide es wirklich wollen, dann werde ich alles tun was in meiner Macht steht um ihnen zu helfen.
Und wer weiß, vielleicht treffen auch Tiron und ich uns schon bald wieder? Ich hatte das Gefühl, dass ihm das ganz recht wäre. Falls er also auf seiner Rückreise seine Meinung noch nicht geändert, oder eine andere Frau gefunden hat...dann vielleicht...? Ich meine, ich will mir keine zu großen Hoffnungen machen oder zu viel erwarten. Und vielleicht interpretiere ich auch nur zu viel in sein Geschenk und sein Verhalten hinein. Aber falls nicht...ich hoffe jedenfalls auf ein Wiedersehen! Und in der Zwischenzeit werde ich sowieso genug zu tun haben um nicht unnötig grübeln zu müssen. Ich möchte als erstes mit den Jungs nach Spuren suchen an der Stelle, wo laut Liutprant der Ring gefunden wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob wir überhaupt etwas finden können und falls ja, was. Aber versuchen möchte ich es auf jeden Fall! Und danach geht es auf nach Thorndorf! Wäre doch gelacht, wenn wir nicht etwas in Erfahrung bringen könnten zu diesen komischen magischen Gegenständen.