Freitag, 19. August 2011

08. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)

Ort: Am Schrein Sehanines
Gestern sind wir endlich wieder in Lur angekommen! Und einen größeren Kontrast zu Khazad Mirr könnte es nicht geben! Für Irmels Hochzeit ist alles mit bunten Blumen dekoriert, die Mädchen kichern und singen und die Sonne scheint vom blauen Himmel herab. Alles ist voller Leben!
Doch am schönsten war es natürlich all die Personen wieder zu sehen, die wir so lange vermissen mussten. Schon nach wenigen Saschen sahen wir Wulfhinrich und seine Frau Anna. Er brachte gerade einige Blumengirlanden an einem Dachgiebel an und klärte uns über die ganze Blumenpracht auf. Garn hat endlich einer Vermählung der beiden Liebenden zugestimmt. Ob Gunnar jemals zustimmen würde, wenn ich um Sveas Hand bitten würde? Einerseits hat er mir die Aufnahme in seine Familie versprochen, wenn ich Khazad Mirr reinige und ihm das Grabidol bringe, doch sollte ich auf dieses Versprechen nicht zu viel geben. Schließlich hat er es nicht mir gegeben, sondern einem Trugbild...
Doch wen interessiert die Zukunft, wenn die Gegenwart so schön und einfach ist? Wie leicht wurde es mir ums Herz als ich Svea hinter einem Berg von gelben Blüten entdeckte. Und wie süß überrascht sie war, als ich ihr die Blumen aus den Händen riss um sie zu umarmen. Wie habe ich ihren Duft vermisst, ihre warme, weiche Umarmung. Ihre zärtlichen Worte...
Vermutlich habe ich sie sehr viel länger umarmt, als angemessen wäre, doch Gunnar war eh nicht in der Nähe und die Menschen kümmerten sich nicht um uns. Alarik und Hildegard verschwanden schnell und so konnte ich diesen Moment unbeschwert genießen. Nachdem sie sich aus meiner Umarmung löste, begleitete ich sie zu Irmel. Unterwegs gratulierte ich Garn so gut es halt mit einem Busch aus Blumen im Arm geht. Der Mann versprach auch wahrlich nicht zu viel: Schon nach wenigen Stufen konnte man das Gekicher und Gequassel der Mädchen hören. Auf der Treppe eilte mir auch schon der Feigling Alarik entgegen, der schnellstmöglich geflohen war.
Irmel freute sich über unsere Ankunft in Lur und über meine Glückwünsche.
Hildegard wurde dieses Verhalten wohl auch schnell zu viel und auch sie verschwand, nicht ohne der Braut zu versprechen ihr mit den Haaren zu helfen.
An der Wand des Zimmers sah ich dann Irmels Brautkleid. Ein wirklich schönes Kleid, welches von Spitze überwuchert und mit Perlmutt-Splittern bestickt ist. Leise flüsterte ich Svea zu, dass sie wunderschön in so einem Brautkleid aussehen würde. Auch wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt von den meisten Mädchen weitestgehend ignoriert wurde: Sveas Erröten brachte das Zimmer kurz zum Schweigen. Ich nutzte den Augenblick um mich zu verabschieden und Svea nutze ihn scheinbar um mein Gesuch um ihre Hand kund zu geben. Zumindest entnehme ich dies dem fröhlichen Aufschrei der Brautjungfern.
Mein nächster Weg führte mich, zusammen mit Hildegard, zu Gunnar und wir wurden überaus freundlich begrüßt. Nach einigen kurzen Grußworten, bat mich Hildegard zu gehen, da sie mit Gunnar unter vier Augen reden wollte. Nun, ich hatte nichts dagegen, da ich so den Kurzbart Durin begrüßen konnte. Hätte ich geahnt, wie sie mit Gunnar sprechen wollte, ich wäre geblieben. Denn als ich wiederkehrte, hörte ich Hildegard laut zetern. Schnell schritt ich in die Situation ein. Hildegard warf Gunnar vor, dass er uns absichtlich ins Verderben geführt hatte. Ich war und bin mir sicher, dass dies nicht der Fall ist, zumindest bei Gunnar, und auch Hildegard sah es schnell ein, denn bereits heute hat sie sich entschuldigt.
Wir haben den Abend am Schrein ausklingen lassen. Und nach all den Ereignissen in Khazad Mirr entschieden wir uns, dies mit reichlich Alkohol zu tun. Im Laufe des Abends tauchte dann auch noch Narsil auf und ... nun. Irgendwann sind wir scheinbar ins Bett gegangen. Zumindest bin ich heute morgen dort aufgewacht.
Nach dem Frühstück statteten Hildegard und ich Gunnar einen Besuch ab und Hildegard entschuldigte sich für ihr Verhalten und ich machte mich an die Arbeit für das Geschenk an Irmel und Sven. Wir hatten uns dafür entschieden einfach eines der Goldfigürchen aus Khazad Mirr einzuschmelzen und daraus ein nettes Schmuckstück zu machen. Wozu hat man denn auch sonst einen Goldschmied dabei, wenn nicht für so einen schönen Anlass? Diese Goldfigürchen waren wirklich unglaublich hässlich und ich hoffe nur, dass keinerlei Fluch auf diesen fürchterlichen Dingern lag. Hildegard versicherte mir zumindest, dass sie keinerlei magische Energie beinhalten. Sie ließen sich auch ganz normal schmieden und nach wenigen Stunden und einem Mittagessen war ich schließlich fertig. Doch meine Hände sind inzwischen die Axt mehr gewohnt, als den kleinen Goldschmiedehammer. Im Grunde war dies immer der Fall, doch setzt man nach so langer Zeit Rost an. Hildegard und Alarik waren zumindest sehr beeindruckt von der Arbeit und auch Gunnar, Durin und Svea zeigten Anerkennung. Insbesondere Svea war voll des Lobes; ich glaube fast sie wollte mir damit andeuten, dass sie auch gern ein selbstgeschmiedetes Schmuckstück hätte. Nun, dies lässt sich in den nächsten Wochen sicherlich einrichten!
In der Zwischenzeit arbeitete Gunnar an unseren Rüstungen. Die brauchten auch wirklich dringend eine Ausbesserung. Nicht wenige Schuppen hatten sich inzwischen gelöst. Die ganze Situation erinnerte mich sehr an die Zeiten meiner Lehre. Gunnar am großen Amboss, ich am kleinen und zusammen sangen wir das ein oder andere Loblied der Schmiedekunst. Ob er mich wirklich jemals in seine Familie aufnehmen wird? Ich bin mir sicher, den Dvalinn den er kennt, würde er als Sohn akzeptieren. Aber mein wahres Ich?
Nun, ich glaube eh kaum, dass ich Zeit haben werde darüber nachzudenken. Schon von weitem hört man das Gekicher und Geplapper der Mädchen. Wollen wir doch mal sehen, ob man den liebreizenden Geschöpfen irgendwie helfen kann!

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