Donnerstag, 28. April 2011

14. Mai 651 (Tiron)

Liebes Tagebuch, wir kampieren auf der Straße ein paar Wegstunden östlich von Lur und ich komme endlich dazu, wieder ein paar Zeilen nachzutragen. Vielleicht wird das mir helfen, ein wenig Ordnung in das Chaos in meinem Kopf zu bekommen. Ich befürchte, ich habe mich in den letzten beiden Tagen außerordentlich ungeschickt angestellt. Ich meine, alleine die Idee, das Armband in Hildegards Tasche zu verstecken, statt es ihr anständig zu geben – man könnte wirklich meinen, ich hätte noch nie eine Benimmstunde gehabt. Ah, das Armband, das war wenigstens ein lichter Moment. Ich habe es kurz vor unserer Abreise aus Ravensloft gekauft, aus einem plötzlichen Impuls heraus. Mein Ausbilder hat immer gesagt, wir sollen unseren Instinkten vertrauen. Im Kampf, aber auch in der Einschätzung von Menschen. Ich sah das Armband, dachte an sie und habe es gekauft, so einfach war das. Ich weiß nicht genau, warum. Ich finde vielleicht auch einfach nicht die passenden Worte – nichtmal in meinem Kopf. Ich bin eben kein Mann großer Worte. Und vermutlich hält sie mich deshalb jetzt für einen totalen Idioten.

Am ersten Tag habe ich kaum ein Wort mit ihr geredet und dass, obwohl sie direkt hinter mir auf dem Pferd saß. Und am zweiten Tag war es nicht viel besser, befürchte ich. Sie hat das Armband abends gefunden und danach hat es keine zehn Herzschläge gebraucht, bis das ganze Lager wusste, was Sache war. Wobei – was ist eigentlich Sache? Das wüsste ich auch mal gerne.

Der Abend war, vom Feixen der anderen abgesehen und nachdem wir ein paar recht peinliche Momente hinter einem Wagenrad verbracht hatten, dafür sehr schön. Wir haben am Feuer gesessen und sie hat mir sogar erlaubt, meinen Mantel um sie zu legen. Einzig unerfreulich war ein kleiner Zwischenfall mit dem Zwerg und Elaril, es scheint zu stimmen, dass sich diese Völker nicht grün sind und jede Gelegenheit nutzen, aufeinander herum zu hacken. Offenbar hat der Zwerg gestern eine Trinkwette verloren und beschuldigt nun den Hauptmann, dabei betrogen zu haben. Was ich persönlich für sehr unwahrscheinlich halte. Elaril ist viel zu anständig, um sowas unehrenhaftes zu machen. Im ersten Moment war er deshalb auch rechtschaffen empört über den Vorwurf und die Tatsache, dass Hildegard ihn ohne sein Wissen auf Magie hin untersucht hat. Aber sie muss sich geirrt haben, denn Elaril versicherte, der betreffende Anhänger sei nicht magisch. Vielleicht hätte sie ihn besser direkt gefragt, bevor sie einen Suchzauber auf ihn gesprochen hat – aber selbstverständlich hat sie es zum einen für ihren Freund Dvalinn getan und zum anderen kennt sie Elaril nicht gut genug, um zu wissen, dass er bereitwillig auf jede Frage Rede und Antwort gestanden hätte. Ich fürchte, ich stehe schon wieder in Elarils Schuld, denn als wir uns an diesem Abend zum Schlafen niederlegten, habe ich nicht bei den Männern geschlafen, sondern bei Hildegard auf dem Karren. Es war ein gutes Gefühl, sie in den Armen zu halten und darauf zu lauschen, wie ihr Atem langsam und regelmäßig wurde, als sie einschlief. Aber ich habe prompt meine Wache verschlafen und Elaril, großmütig wie er nunmal ist, hat mich nicht geweckt.

Ich glaube, ich habe jetzt mehr über den Elfen geschrieben als über Hildegard. Da siehst du, liebes Tagebuch, mal wieder, wie wirr meine Gedanken noch sind. Heute Nachmittag sind Hildegard und ihre Gefährten nach Lur abgebogen. Eigentlich hatten sie uns schon vorher verlassen wollen, um nach Thorndorf zu gehen, aber der Zwerg hatte noch Geschäfte oder dergleichen in Lur zu erledigen, so dass sie uns bis dorthin begleiten konnten. Ich... fürchte fast, ich habe es bei der Verabschiedung ein bisschen übertrieben, aber manchmal muss man den Männern etwas zu sehen geben und ich glaube fast, dass es Hildegard zumindest nicht schlecht gefallen hat. Sie war vielleicht im ersten Moment ein bisschen überrascht, als ich sie fast von den Beinen warf, aber sie hat den Kuss erwidert! Wenn ich die Augen schließe, könnte ich schwören, dass da noch etwas von der Süße ihrer Lippen ist, auch wenn ich weiß, dass das der Wein ist, den Herr von Rodenwald heute an die Männer ausgegeben hat. Und ich weiß auch, dass die Wärme auf meinen Armen nicht der Nachhall ihres schlafenden Körpers ist, sondern vom Feuer herrührt. Aber ich will das alles nicht wissen. In zwei Tagen erreichen wir Malfori. Erst danach wird es Sinn machen, sich zu fragen, ob und wann ich sie wiedersehen kann. Und ich sollte jetzt schlafen – es ist jetzt schon zu spät.

Mittwoch, 27. April 2011

14.Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)

Ort: Goldener Hahn in Lur
Vorhin sind wir endlich wieder in Lur angekommen. Wir wurden schon von den Dorfbewohnern begrüßt. Ich habe nur kurz mit Gunnar gesprochen und er bat mich morgen vormittag in die Schmiede zu kommen um ihm das Kurunt zu geben. Svea habe ich heute leider gar nicht gesehen. Vermutlich war sie gerade mit dem Abendessen beschäftigt.
Unsere Rückreise verlief ohne Zwischenfälle. Zumindest keine Kämpfe.
Tiron, der Ritterhauptmann, hat sich scheinbar wirklich in unsere Hildegard verliebt: er hat ihr ein kleines Armband geschenkt. Gestern Abend fiel mir das Silberarmband direkt auf und ich wollte es etwas näher betrachten. Schien den beiden peinlich zu sein, beide waren plötzlich verschwunden und kamen erst wenig später zum Essen wieder zur Gruppe. Eigentlich wäre Tiron gar kein so schlechter Mann für Hildegard. Als Krieger hat er ein hohes Ansehen und er scheint auch noch aus einer guten Familie zu stammen. Aber ich glaube kaum, dass Hildegard ihr Kleriker-Dasein jetzt schon aufgeben möchte...
Am Lagerfeuer kam es wenig später noch zu einem Streit zwischen mir und dem Elfen, als ich in auf sein magisches Amulett angesprochen habe. Er hat versucht sich rauszureden, tat so als wüsste er nicht, dass es magisch ist. Und dann beschuldigte er mich, ich hätte ihn ausspioniert. Lächerlich! Erst betrügen und dann nicht dazu stehen wollen.
Ich bin dann wieder zu Wulfhinrich gegangen, so etwas muss ich mir nicht anhören! Wulfhinrich hat seine Verletzungen inzwischen fast komplett auskuriert und wir saßen lange am Feuer und haben uns über verschiedene Dinge unterhalten. Hin und wieder hat sich auch einer der Ritter am Gespräch beteiligt, aber meistens blieben sie unter sich.
In der Nacht fiel mir öfter auf, wie der Elf durch die Gegend schlich, sehr seltsam. Ich begann ihn zu beobachten, doch merkte er das scheinbar und so verhielt er sich ruhig... Sicherlich hatte er etwas geplant. Ich traue ihm einfach nicht!
Deswegen war ich auch sehr froh, dass wir gegen Mittag die Wegkreuzung erreichten und wir uns von den Rittern verabschieden konnten. Verabschieden... ja, das hat Tiron getan. Er hat Hildegard noch einen großen Kuss aufgedrückt, bevor die Ritter endgültig ihrer Wege geritten sind. Nun, Tiron wird sich in den nächsten Tagen viel Spott von seinen Kameraden anhören müssen, die witzelten doch eh schon über die Beziehung der beiden.
Auch bei unseren Männern gab es keinen der nicht wenigstens ein kleines Grinsen im Gesicht hatte.
In Lur angekommen halfen wir noch schnell beim Abladen der Waren und dann kehrten wir im goldenen Hahn ein. Alle waren sehr neugierig auf unsere Abenteuer in der großen Stadt und auf dem gefährlichen Weg. Wahrscheinlich erwarteten sie nicht mehr als einige Wölfe am Wegesrand, so wie sie uns gespannt zuhörten. Orks und Schwarzmagier sind nun wirklich nichts alltägliches!

14. Mai 651 (Hildegard)

Unplanmäßig befinden wir uns diesen Abend doch wieder in Lur. Dvalinn bat uns doch mit nach Lur zu reisen, weil er hier zuerst noch etwas zu erledigen hätte. Wir stimmten zu, obwohl es meine Pläne ein wenig durcheinanderbringt. Aber ich bin mir sicher, dass ich die Situation schon zu nutzen weiß. Außerdem war es ganz schön doch noch ein bisschen länger mit den Rittern unterwegs zu sein. Keine Nachtwachen, keine Sorgen um plötzliche Angriffe, nichtmal das Essen mussten wir selbst vorbereiten! So komfortabel reist man selten. Und natürlich gewann ich auch ein bisschen Zeit mit Tiron, das war mir auch nicht ganz unrecht um ehrlich zu sein.
Die letzten beiden Tagen waren für mich unerwartet aufregend, sogar ohne, dass irgendetwas außergewöhnliches passiert wäre. Mal abgesehen davon, dass Tiron mir tatsächlich ein Geschenk in Ravensloft gekauft hat!!
Damit habe ich wirklich gar nicht gerechnet! Ich bin noch immer ein wenig überrumpelt. Als ob er geahnt hätte, dass ich mich ein klein wenig darüber ärgere, dass die Jungs dauernd Geschenke für Frauen kaufen und ich nie etwas bekomme. Und dann das! Es war gestern Morgen, als ich ein kleines Bündel in meinem Rucksack fand, in das ein silbernes Armband eingewickelt war. Ich ahnte schon, dass es eigentlich nur von Tiron stammen könnte – von wem denn auch sonst? - aber ich hatte keine Idee warum und bevor ich nachher falsch lag, wollte ich ihn lieber vorsichtig unter Vier Augen darauf ansprechen. Aber wie immer machten die Jungs meinen Plan in Sekundenschnelle zunichte... Alarik und Dvalinn sahen das Armband an meinem Arm – warum auch immer die Jungs soetwas so schnell wahrnehmen, während sie für andere Sachen Jahre brauchen – und Dvalinn musste selbstverständlich sofort nach meinem Arm greifen und ihn für alle sichtbar rumdrehen um die gute Arbeit zu bewundern... Sein Geschüttel an meinem Arm fiel natürlich den meisten Umstehenden auf und als ich die Blicke bemerkte und nicht gut erklären konnte, wo das Armband plötzlich hergekommen ist, beschloss ich die Flucht anzutreten. Ich versteckte mich hinter dem nächsten Wagen und wollte warten, bis mir etwas gutes eingefallen wäre und mein Gesicht nicht mehr so rot war. Leider schien jemand anderes ebenfalls genau diese Idee gehabt zu haben, denn hinter dem anderen Rad kauerte Tiron! Damit war die Frage nach dem Ursprung des Armbands eigentlich schon geklärt. Ich bedankte mich und beschloss alle etwaigen Sprüche an mir abperlen zu lassen, als ich von Alarik zum Essen gerufen wurde. Tiron schien das genauso zu sehen und ging auch irgendwann zurück zum Lager.
Nach dem Essen setze ich mich zu ihm, was ihm ganz recht zu sein schien. Er wirkte ganz glücklich darin Beschützer spielen zu können und mir am Abend seinen Mantel mit umzulegen.
Ich beobachtete die Männer bei der Pflege ihrer Waffen. Elarils elfische Klinge war wirklich ziemlich beeindruckend. Dvalinn und Wulfhinrich unterhielten sich die meiste Zeit über zwergische Ponys. Es war alles ganz friedlich, bis Dvalinn gegenüber Elaril mit dieser blöden Sache wegen dem magischen Anhänger und dem Wetttrinken herausplatzte. Dumme Sache. Danach war Elaril zu Recht ziemlich wütend auf uns und ich dachte schon, dass wir das so schnell nicht wieder gutmachen könnten. Aber Elaril scheint gar nicht so nachtragend zu sein, denn letzte Nacht hat er schon wieder für Tiron dessen Wache übernommen! Tiron lag nämlich hinter mir auf dem Wagen und hat völlig verschlafen! Erst als ich zum Sonnenaufgang aufstand wie immer, wurde er davon wach. Am liebsten hätte ich ihn noch etwas schlafen lassen, er sah dabei so zufrieden aus. Ich wusste nicht, dass schlafende Männer so süß aussehen können. Ich versuchte extra mich möglichst leise und unauffällig davonzuschleichen um zu beten, aber Tiron wurde wach und stellte bestürzt fest, dass er bis zum Morgengrauen geschlafen und seine Wache verpasst hat.
Ich muss zugeben...es schläft sich selbst auf einem Wagen deutlich wärmer und angenehmer, wenn einfach nur jemand hinter einem liegt und sich ankuschelt... Es tat mir richtig leid, als wir uns auf der Höhe von Lur verabschieden mussten. Ich glaube wirklich, dass er mir fehlen wird. Zumindest ein bisschen...
In Zukunft werde ich mich wohl wieder daran gewöhnen nur die schnarchenden Jungs auf dem Zimmer zu haben. Und Dvalinn kann schnarchen, sage ich dir! Die arme Svea tut mir schon richtig leid, falls das noch was wird mit den beiden. Aber wenn beide es wirklich wollen, dann werde ich alles tun was in meiner Macht steht um ihnen zu helfen.
Und wer weiß, vielleicht treffen auch Tiron und ich uns schon bald wieder? Ich hatte das Gefühl, dass ihm das ganz recht wäre. Falls er also auf seiner Rückreise seine Meinung noch nicht geändert, oder eine andere Frau gefunden hat...dann vielleicht...? Ich meine, ich will mir keine zu großen Hoffnungen machen oder zu viel erwarten. Und vielleicht interpretiere ich auch nur zu viel in sein Geschenk und sein Verhalten hinein. Aber falls nicht...ich hoffe jedenfalls auf ein Wiedersehen! Und in der Zwischenzeit werde ich sowieso genug zu tun haben um nicht unnötig grübeln zu müssen. Ich möchte als erstes mit den Jungs nach Spuren suchen an der Stelle, wo laut Liutprant der Ring gefunden wurde. Ich bin mir nicht sicher, ob wir überhaupt etwas finden können und falls ja, was. Aber versuchen möchte ich es auf jeden Fall! Und danach geht es auf nach Thorndorf! Wäre doch gelacht, wenn wir nicht etwas in Erfahrung bringen könnten zu diesen komischen magischen Gegenständen.

Freitag, 22. April 2011

12. Mai 651 (Hildegard)

Manchmal kommt es doch anders als man denkt, oder?
Ich sitze gerade auf dem Wagen der Händler, der heute auf der Strecke zwischen Ravensloft und Galimswerth mein Lager sein wird. Den magischen Ring habe ich in der Tasche um ihn mit Hilfe der Bücher in Thorndorf besser untersuchen zu können. Die Lurer Händler wollten sich dem Tross um Missus und Ritter anschließen, die auf direktem Weg nach Malfori reisen müssen, weil die Schwarzmagier ein Verfahren vor dem Fürsten verlangen. Und so kommt es, dass wir auch auf der Strecke mit dabei sind, zumindest bis zur Abzweigung nach Thorndorf . Ich musste Tiron also doch wieder unter die Augen treten, nachdem ich es gestern erfolgreich vermieden hatte.
Die Jungs haben es geschafft mich gestern noch zu überreden ein letztes mal mit ihnen trinken zu gehen, bevor wir Ravensloft verließen. Darauf, dass die Welt nicht untergeht und ich noch am Leben bin wollten sie anstoßen... vonwegen! Aber mir soll es gleich sein, ich wollte den Jungs nicht den Spaß verderben, auch wenn ich mich anfänglich sehr zog aus Angst direkt wieder auf Tiron zu treffen. Aber meine Befürchtungen waren überflüssig, Tiron hat die Abendschichten für Elaril übernommen, weshalb wir nur ihn mit einigen Rittern trafen.
Und wie immer benahmen sich die Jungs völlig daneben, machten laut Witze über mich und über Elfen, was sogar die Ritter vom Nebentisch mitbekamen. Und natürlich störte es sie dabei kein bisschen, dass der Hauptmann Elaril auch ein Elf ist.
Irgendwann wurde es mir dann zu bunt und ich dachte die Jungs verdienen mal eine ordentliche Lektion. Irgendjemand muss ihnen einfach mal beibringen, dass manche Dinge sich einfach nicht gehören! Also nutzte ich einfach den letzten dummen Spruch von Alarik und drehte den Spieß einfach mal um. Ich behauptete laut verstanden zu haben, dass Alarik soeben den Hauptmann Elaril zum Wetttrinken aufgefordert hätte. Dieser ging zum Glück sofort darauf ein und bestätigte das selbe gehört zu haben wie ich. Kurz darauf befanden wir uns in einem Wetttrinken zwischen einer Allianz aus Elaril und mir gegen Alarik und Dvalinn, der so dumm war mir ebenfalls eine gute Vorlage zu liefern ihn mit in die Sache hineinzuziehen. Schon nach wenigen Runden schied Alarik aus, dem plötzlich übel wurde. Ich habe mich noch nie auf den Boden einer Kneipe übergeben müssen, hoffen wir mal, dass mir das auch in Zukunft erspart bleibt! Für Alarik endete dies in einer kleineren Blamage und ich stieg ebenfalls aus dem Spiel aus, da für Elaril nur noch Dvalinn als Gegner übrig war. Unglaublich, welche Mengen die Männer in sich hineinschütteten! Der Verlierer hatte eine ganz ordentliche Summe zu zahlen.. Und selbstverständlich waren Alarik und Dvalinn die Verlierer dieses Spiels. Ich hätte das Ganze nicht angezettelt, wäre ich mir nicht sicher gewesen, dass wir eine Chance zu Gewinnen hatten. Ist ja nicht das erste mal gewesen. Und ich musste nichtmal nachhelfen!
Dabei hat mich die Bereitschaft Elarils am meisten beeindruckt, dass er so kurzentschlossen darauf eingegangen ist. Der Mann hat Humor! Ist mir sehr sympathisch.
Jedenfalls versuchte sich jeder danach ein wenig zu sammeln und Elaril schickte mir ein paar Männer mit, die mir helfen sollten die völlig betrunkenen Jungs zurück in unser Zimmer zu bringen. Das war auch bitter nötig, denn ich war die einzige die einigermaßen klaren Kopfes und ohne zu schwanken den Heimweg antreten konnte. Alarik hielt sich einigermaßen und Dvalinn wurde kurzerhand geschoben und im Kontor die Treppe heraufgetragen und aufs Bett verfrachtet. Da er aber meinte so strampeln zu müssen, dass er wieder aus dem Bett fiel, verbrachte er die Nacht eben auf dem Boden neben seinem Bett. Alarik und ich wenigstens darin. In unseren. Selbst Schuld.
Der kommende Morgen war dementsprechend hart für die beiden, aber ich zeigte schon wieder Mitleid und ließ jedem Tee kommen. Ob das aus pädagogischer Sicht so sinnvoll war?
Mit Liudprant habe ich eine Regelung bezüglich des Ringes getroffen und dann schlossen wir uns dem Tross der Händler und Ritter an. Die Jungs waren den ganzen Tag lang merklich angeschlagen und auch Elaril wirkte gestern fitter. Dvalinn bat mich dann noch um einen Gefallen wegen eines Traumes den er hatte, der Elf hätte mit Hilfe eines magischen Gegenstandes betrogen. So ein Unsinn. Dvalinn ist einfach nur ein schlechter Verlierer. Ich hielt das alles für Blödsinn, allerdings überprüfte ich für Dvalinn, ob Elaril tatsächlich einen magischen Gegenstand bei sich führt. Und tatsächlich, den hat er! Aber was der Sinn und Zweck dieses Anhänger ist? Ich weiß es nicht, aber ich bezweifle stark, dass er beim Trinken hilft...
Und Tiron? Aus dem werde ich irgendwie nicht ganz schlau... Ich scheine mich zumindest nicht in ihm geirrt zu haben, er behandelt mich genauso höflich und zuvorkommend wie zuvor. Aber ansonsten ist mir sein Verhalten ein Rätsel.. Er lud mich heute ein, statt auf dem Wagen mit ihm auf seinem Pferd mitzureiten. Ich kann nicht reiten, aber ich war schon neugierig und habe deshalb direkt zugesagt. Und Alarik freute sich, dass er meinen Platz auf dem Wagen einnehmen konnte.
Also saß ich den ganzen Tag hinter Tiron auf dem Pferd und wir haben ab und an ein wenig geredet. Über Verlest, Ritterturniere, Wywern... wir hätten aber genauso gut stundenlang schweigen können. Irgendwann ritten wir dann voraus um einen guten Platz für das Nachtlager auszukundschaften. Zuerst dachte ich, Tiron würde vielleicht die Gelegenheit nutzen, da wir in dieser Zeit zumindest einmal für eine Weile nicht unter ständiger Beobachtung aller anderen Mitreisenden standen und würde mir etwas sagen wollen. Als nichts von ihm kam dachte ich, vielleicht erwartet er etwas von mir. Aber was? Eine Erklärung, eine Entschuldigung? Was sollte ich denn sagen? Es war schön mit dir? Sollen wir das nochmal wiederholen? Oder tut mir leid, dass ich dich spontan abgeschleppt und zum Gespräch unter deinen Männern gemacht habe? Was erwartet ein Verlester Ritter ? Ich weiß es einfach nicht! Wahr wäre alles, aber ich konnte ja schlecht mit allem gleichzeitig herausplatzen, das hätte es nur noch schlimmer gemacht, denke ich. Also entschied ich mich für die sichere Variante und entschuldigte mich für mein arg forsches Vorgehen. Ich bin mir sicher, dass eine Frau wie ich ihn aus dem Konzept bringt. Er wird in Verlest wohl eher mit feinen Damen zusammenkommen und ich weiß noch von meinem letzten Besuch in Verlest, wie gut ich dort hineinpasse... Außerdem tut es mir auch tatsächlich Leid, dass aus einer Sache die eigentlich nur uns beide angeht jetzt so etwas ..ja beinahe öffentliches geworden ist. Ich wurde schon gestern von den Rittern darauf angesprochen, das macht eindeutig die Runde. Und so unaufmerksam, dass ich die ständigen Blicke und das verstohlene Kichern und Gerede nicht mitbekomme, bin ich nicht. Zum Glück scheint sich wenigstens der Missus völlig aus allem rauszuhalten und tut als würde er nichts bemerken. Und die Hauptmänner sind auch ständig um Ruhe bemüht. Nichtsdestotrotz.... ich finde die Situation eher schwierig und hoffe, dass ich Tiron da in nichts allzu unangenehmes hineinmanövriert habe. Falls ja, tut es mir sehr leid. Ich mag ihn, er ist wirklich ein lieber Kerl! Und mit Sicherheit keine schlechte Partie.... junger Ritter, adelig und höflich. Und dabei nichtmal schlecht im Bett... wenn eine der Damen über sein mangelndes Talent zur Konversation hinwegsehen kann, wäre sie sicherlich glücklich zu schätzen. Ich an ihrer Stelle wäre es.
Ob ich wohl auch mal zu diesen Frauen gehören werde? Werden Frauen wie ich überhaupt jemals sesshaft werden? Könnte ich es? Ich glaube nein.
Irgendwie habe ich mich so daran gewöhnt die letzten Jahre mit meinem Lehrmeister unterwegs zu sein, dass ich nicht daran dachte wie es danach weitergeht. Und die letzten Monate mit ihm die wir uns im Kloster niedergelassen hatten, waren auch nicht mit einem normalen Familienleben vergleichbar. Obwohl er meine Fähigkeiten als Heilerin und Vertraute sehr schätze, ließ er nie zu, dass ich mich wie eine Krankenschwester fühlte oder behandelte mich derart. Ihm war es immer wichtig mich zu lehren, dass ich auch andere Aufgaben auf der Reise des Lebens zu erfüllen haben werde. Aber ein wenig tat es mir schon leid, dass ich seine letzte Begleitung war und nicht etwa eine Frau oder Kinder. Aber wenigstens konnte ich bei ihm leisten, was bei meinem Vater nicht möglich war.
Ob mich auch mal irgendwann jemand pflegen wird? Oh Sehanine, ich bin gespannt was dein Weg für mich noch bereithält!

12. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)

Ort: Zwischen Ravensloft und Carnfurt
Ich hoffe, ich kann die Ereignisse der letzten Tage noch halbwegs ordnen und zusammenfassen. Es ist unglaublich viel passiert und ich bin sehr froh diese Stadt endlich wieder verlassen zu dürfen.
Am 09. Mai haben wir den Bürgermeister schließlich erfolgreich im Kloster der Erdmutter abgeben können. Sie waren zwar etwas skeptisch, aber entschieden sich dann doch dafür uns zu helfen. Am frühen Abend erreichten wir dann wieder Ravensloft und Alarik konnte den Eselkarren wieder abgeben. Probleme, dass wir den Karren einen Tag länger benutzt hatten als vereinbart, konnten mit einigen Münzen schnell aus der Welt geschafft werden.
Beim Abendessen im Kontor hörten wir dann Gerüchte über die morgige Ankunft des Missus. Dies kam uns natürlich sehr gelegen. So konnten wir sicher gehen, dass den Schwarzmagiern ein Prozess gemacht wird.
Mit diesen Informationen im Hinterkopf genossen wir den Abend im Vergnügungsviertel. An diesem Abend gelang es mir auch den Händler ausfindig zu machen, von dem Gunnar das Kurunt kaufen wollte. Ich hatte schon Befürchtungen mit leeren Händen wiederkehren zu müssen... Doch die Schwarzmagier waren dann doch weitaus wichtiger als ein Handel.
Der Händler, _____ ist sein Name, nötigte mich zu einigen Runden Würfelspiel und wir vereinbarten einen Termin gegen Mittag, Nachmittag in seinem Geschäftszimmer.
Nun, da das geklärt war, huldigte ich dem Gott Hanseath und... ja. Sagen wir mal so: Ich machte neue Erfahrungen. Mein Onkel Uldred erzählte mir einmal von seinen Reisen, dass sich menschliche Frauen gänzlich anders anfühlen würden als Zwerginnen. Nun, das kann ich so nicht bestätigen...
Wie auch immer: Am nächsten Tag war der Missus tatsächlich auf dem Marktplatz zu finden und Hildegard berichtete ihm von ihren Entdeckungen im Bordell. Sie verpackte das ganze sehr geschickt als Auftrag der Mutter Ilonas, so dass erst gar keine unangenehmen Fragen aufkamen. Der Missus schenkte uns auch Glauben und wir liefen zusammen mit einer Gruppe Ritter zu dieser „Begegnungsstätte“ wie sich Hildegards auszudrücken pflegte. Die Ritter waren entsetzt und waren entschlossen die Mädchen da raus zu holen. Gerade als einer der Ritter dabei war sie mit unseren Mänteln notdürftig zu bedecken wurden wir vor diesem Etablissement von der Stadtwache überrascht. Nicht etwa um uns zu helfen, sondern um zu verhindern dass ihre eigenen Köpfe rollen. Die Truppe der Stadtwache verdiente wohl an jedem Kunden mit! Wenn nicht einmal die eigene Wache in der Stadt für Ordnung sorgen kann und es nicht einmal will, dann läuft gehörig etwas schief! Wir stellten uns den käuflichen Bastarden in den Weg und ein Kampf entbrannte. Mit der Ritterschaft an unserer Seite haben wir sie niedergerungen!
Der Missus war empört über diese Ereignisse und setzte erstmal seine eigenen Männer ein.
Nachdem wir so das Vertrauen des Missus gewonnen hatten, berichtete Hildegard nun auch von dem Schwarzmagierzirkel. Alarik und ich, wir beschränkten uns darauf hinter ihr zu stehen und bekräftigend zu nicken. Der Missus glaubte uns und ließ den Bürgermeister aus dem Kloster holen und die anderen Dunkelmagier festnehmen. Wir wurden dann freundlich, aber bestimmt, gebeten alle Ergebnisse noch einmal zu Protokoll zu geben, was wir dann auch taten.
Hildegard wurde dann auch noch mit einem Spezialauftrag zum Marktplatz geschickt: Kleider für die Prostituierten kaufen.
Zum Glück war ich noch rechtzeitig für das Geschäft bei ______. Er freute sich sehr von Gunnar zu hören und zeigte mir sofort seine Ware. Reines Kurunt! Nur selten haben wir in Vaters Schmiede damit gearbeitet und solche Mengen bekam ich noch nie zu Gesicht! Ich konnte für Gunnar einen ziemlich guten Preis aushandeln und für die hundert Goldstücke gut anderthalb Pfund Kurunt kaufen! Gunnar wird sehr erfreut sein!
Nun blieb uns eigentlich in dieser Stadt nichts weiter zu erledigen. Alles hatte sich zu unseren Gunsten geklärt.
Ich bat Hildegard nach dem Abendessen um einen Gefallen: Ich bat sie ihre Karten nach meinen Träumen zu befragen. So gering ich Träume auch achte, so verstörend sind sie dennoch. Schon seit Tagen wiederholt sich der Traum mit dem Schlachtfeld immer und immer wieder. Laut Hildegard gehen diese Träume auf mein schlechtes Gewissen zurück.
Mh, vermutlich hat sie damit recht. Ich frage mich tatsächlich des öfteren, ob es wirklich gerechtfertigt war den Gerber und Dagor zu foltern. Wir haben zwar erreicht was wir wollten und Schwarzmagier sind sowieso rechtlos, aber bin ich wirklich befugt das zu entscheiden?
Danach legte Hildegard noch einmal die Karten und war von dem Ergebnis sichtlich erschüttert: Sie hat das Weltenende gesehen! Ihre Prophezeiungen waren bis zu dem Zeitpunkt immer zutreffend, weshalb ich erst mal sehr erschrocken war, doch es kann einfach nicht sein. Erst wenn Ladguer und Moradin ihre Hämmer kreuzen und aus den Funken schreckliche Feuerkreaturen entstehen, welche das ewige Eis schmelzen und die Berge verbrennen, erst dann wird die Welt enden! So sagen es zumindest die Alten und Weisen...
Doch Hildegard glaubte fest an ihre Karten und so war sie am Abend in der Schänke immer noch sichtlich verstört. Der Hauptmann wollte sie wohl aufmuntern. Vermutlich hat er das sogar getan...
Der Abend fing eigentlich sehr harmlos an: Wir saßen in der Gaststube als die Ritter, mit denen wir gegen die Stadtwache gekämpft hatten, eintraten. Sie luden auf den ein oder anderen Met ein und ich unterhielt mich mit einem der Ritter über die Waffenschmiedekunst. Der Abend wurde langsam alt und irgendwann war Hildegard verschwunden. Der Hauptmann ebenfalls. Es kann doch nicht sein, dass dieser Mann Hildegard verführt? Alles ist so verschwommen in meiner Erinnerung. Auf jeden Fall tauchte Hildegard erst am Vormittag wieder im Kontor auf. Sie schämte sich sichtlich, für was ist mir allerdings noch unklar. Für ihren Fehler mit den Karten oder für die Nacht mit dem Hauptmann? Nun, mich geht es vermutlich nichts an.
Von Thais bekamen wir dann noch Geschenke, da auch sie sich sehr über den Tod von Jonas freute. Hildegard schenkte sie ein paar Bänder und Düfte. Frauendinge halt. Ich bekam von Thais eine Schriftrolle mit Zwergensagas. Eine wirklich nette Geste von ihr! Vielleicht habe ich sie vorschnell verurteilt? Ich habe ihr dann noch kurz einige Zwergenrunen übersetzt, die am Rande eines ihrer Bücher notiert waren.
Danach stand eine Runde über den Marktplatz auf dem Programm. Erst standen wir vor einem Stand mit Kleidern und Hildegard bat uns um unsere Meinung. Auch wenn unsere Hildegard sonst immer in Rüstung und bewaffnet gegen Gegner kämpft, so steckt unter all dem immer noch eine Frau... Man vergisst es nur zu leicht, wenn man länger mit ihr unterwegs ist. Obwohl, wenn man ihre mütterlichen Züge bedenkt...
Dann waren wir noch beim Kristallhändler. Ich hatte wirklich lange überlegt, ob ich etwas für Svea kaufe und wenn ja, was. Svea... Jede Nacht, kurz bevor ich einschlafe, sehe ich ihr Gesicht. Es mag jetzt sehr nach einer alten Saga klingen, aber ich glaube, dass sie das Mädchen ist, für das ich jeden Kampf auf mich nehmen würde. Wie Durgrim für Liouba einen Yeti erschlagen hat, so würde ich das für Svea tun... Ach was, Yeti! Für sie würde ich gegen alles in die Schlacht ziehen. Ich habe in meinem Leben nun schon viele Zwerginnen kennen gelernt, mit mancher habe ich das Bett geteilt, mit sehr wenigen auch über mehrere Nächte, Tage, Wochen, Jahre... doch mit keiner konnte ich mir ein Leben vorstellen. Was ich mit diesen Zwerginnen geteilt habe war schön, aber es war nichts von Dauer. Seit ich Svea kenne, denke ich oft zurück an die großen Hochzeitsfeste meiner älteren Geschwister. Als Durin und Sigurd geheiratet haben war ich ja kaum mehr als ein Kiesel... Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt für den steinernen Bund geschaffen bin. Jetzt glaube ich die Antwort zu wissen.
Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, als ich den Ring plötzlich in meiner Hand hatte. Ein goldener Ring mit einem orangefarbenen Citrin. Sollte ich diesen Schritt wirklich wagen? Ich bin mir immer noch nicht sicher, aber den Ring habe ich gekauft. Obwohl, bin ich mir wirklich unsicher?
Doch darüber kann ich ja nachdenken, wenn ich sie bald wiedersehe.
Am Abend sind wir wieder in die Gaststube und haben getrunken. Vermute ich zumindest. Ich erinnre mich noch an einen Elfenritter mit dem wir uns ein Wetttrinken geliefert haben. Alarik und ich gegen Elaril und Hildegard. Alarik ist schon früh ausgeschieden, das Duell mit Elaril ging über einige Runden. Irgendwas kann da nicht mit rechten Dingen zugegangen sein! Dieser verdammte Elf hat gewonnen! Das kann so nicht sein!
In meinem Traum durchlebte ich diese Situation noch einmal und sah auf einmal ein kleines Amulett um Elarils Hals. Mir war sofort bewusst, dass dieses Ding irgendwie Schuld ist. Das musste ich nachprüfen und so bat ich Hildegard dieses Schmuckstück auf Magie zu untersuchen: Ich hatte Recht! Das Teil ist magisch!
Von den Rittern haben wir dann auch erfahren, dass die Schwarzmagier sich nicht dem Urteil des Missus unterwerfen wollten sondern den Prozess einer höheren Instanz forderten. Dies ist zwar ihr gutes Recht, doch im Endeffekt kaufen sie so nur Zeit. Ihr Todesurteil ist längst gesprochen. Für uns bedeutet das, dass wir den größten Teil der Strecke bis Lur mit den Rittern zurücklegen werden.
Das versprach eine ruhige Reise zu werden und bis jetzt lässt sich nichts anderes vermuten. Für die heutige Nacht haben wir unser Lager einige Werst vor Carnfurt eingerichtet und durch die vielen Ritter müssen wir nicht einmal Nachtwache halten. Sehr angenehm. Inzwischen haben sich alle, bis auf die Wachen natürlich, in ihre Mäntel gehüllt und ein leises Schnarchen mischt sich unter die Geräusche der Nacht.

11. Mai 651 (Tiron)

Liebes Tagebuch, die letzten 36 Stunden waren sehr... ich hätte nie gedacht, dass... Aber von Anfang an! Als wir gestern Morgen von Carnfurt nach Ravensloft aufgebrochen sind, hat niemand damit gerechnet, dass irgendetwas besonderes auf uns wartet. Wir sind auf der Straße gut vorangekommen, haben die Pferde die meiste Zeit traben lassen und erreichten unser Ziel schon am Vormittag. Elaril war so gut aufgelegt wie schon seit Tagen nicht mehr, ich glaube fast, er versteht sich nicht so gut mit den Verlester Elfen. Wir haben uns also gut unterhalten, ich weiß nur nicht mehr, worüber – das scheint jetzt so lange her zu sein.

In Ravensloft angekommen, bestand Herr von Rodenwald, der Missus, darauf, den Gerichtstag sofort zu beginnen. Er ist in solchen Fragen sehr korrekt, verliert keine Zeit und um ehrlich zu sein, haben wir keine komplizierteren Streitfälle erwartet als nicht bezahlte Lagergebühren und vielleicht einen Ehemann, der nach einem Bier zu viel ausfallen wird. Wir haben uns sehr getäuscht.

Das Gericht lief zunächst ganz normal, bis eine junge Frau in der Tracht einer Klerikerin vortrat. Hildegard. Hildegard vom Weyersdorf. Grundgütige Götter! - Aber ich merke, ich drohe abzuschweifen, wenn ich mich nicht an die Fakten halte an dieser Stelle. Hildegard also trug einen Fall vor, der im ersten Moment unglaublich klang. Sie klagte gegen ein bestimmtes Etablissement in der Stadt, das die dort angestellten Frauen wie Sklavinnen halten sollte. Herr von Rodenwald aber schenkte ihr Gehör und wenn vielleicht noch keinen Glauben, so schickte er mich doch mit meinen Männern los, die Sachlage zu überprüfen. Sie hatte keine Silber übertrieben. In was für einen Moloch waren wir dort bloss hineingeraten? Meine Männer bemühten sich selbstverständlich sofort, die Blöße der anwesenden Frauen zu bedecken – zum Glück hatten Hildegard und ihre Begleiter ein paar lange Umhänge. Nebenbei, lange Mäntel eignen sich sehr viel besser dafür als unsere kurzen Kavallerieumhänge. Aber für den Moment hätte es gereicht. Als wir uns anschickten, dieses Haus zu verlassen, trat uns plötzlich die Ravenslofter Stadtwache in den Weg. Diese ehrlosen, dreckigen Hunde hatten doch tatsächlich auch noch ihre Finger in diesem schmutzigen Geschäft. Uns blieb keine andere Wahl, als uns den Weg frei zu kämpfen, nicht einfach, wenn der Gegner in den engen Straßen einen Vorteil hat und man außerdem darauf bedacht sein muss, eine Gruppe verängstigter Frauen zu schützen. Ich fürchtete, es könnte diesen Halunken daran gelegen sein, die Damen an einer Aussage zu hindern. Hildegard und ihre beiden Begleiter waren eine wertvolle Hilfe in diesem Kampf und vor allem Hildegards Fähigkeit, durch die Macht ihrer Göttin zu heilen, war am Ende dringend notwendig, um meine Männer, die stark lädiert waren, wieder auf die Beine zu bekommen. Sie ist wirklich eine bemerkenswerte Frau, keinen Moment hat sie vor dem Kampf zurückgeschreckt oder den Kopf verloren.

Wir übergaben also die befreiten Damen und die Überlebenden der Stadtwache den Gerichtsdienern zur weiteren Vernehmung, als Hildegard mit einem zweiten Anliegen an unseren Missus herantrat. Nachdem sich schon ihre erste Klage als wohlbegründet erwiesen hatte, war er auch bereit, diese mit der gleichen Gründlichkeit anzuhören. Und wie überrascht waren wir zu hören, dass sie einen Zirkel dunkler Magier in Ravensloft entdeckt und bereits zu großen Teilen zerschlagen hatten! Elaril wurde ausgesandt, einen gefangenen Magier aus dem Kloster der Erdmutter östlich von Ravensloft zu holen und Herr von Rodenwald sorgte dafür, dass die Garnison der Stadt ihm eine nicht unerhebliche Anzahl von Soldaten zur Sicherung der Lage zur Verfügung stellte. Er hat selbstverständlich entsprechende Vollmachten vom Fürsten von Malfori dabei.

Es ist nur verständlich, dass wir nach den turbulenten Ereignissen des Abends beschlossen, den Männern etwas Entspannung zu gönnen und so begaben wir uns in eine ganz ordentliche Kneipe, die uns der Zwerg, der mit Hildegard reist, empfohlen hatte. Und etwas später stieß auch sie mit ihren beiden Begleitern hinzu. Ich möchte hier kein unhöfliches Wort über diese beiden Herren verlieren, aber manchmal frage ich mich schon, wie diese Reisegesellschaft zu Stande gekommen ist. Die Männer amüsierten sich gut, es gab immerhin einen schwer errungenen und entsprechend umso wichtigeren Sieg zu feiern. Ich bemerkte allerdings, dass Hildegard, die mir gegenüber saß, sehr gedrückter Stimmung war. Natürlich versuchte ich, sie aufzuheitern, aber ich befürchte, ich habe mich dabei nicht allzu gut geschlagen. Seichte Plaudereien sind eben nichts, womit man einer fahrenden Klerikerin imponiert und so konnte ich ihr selten mehr als ein schwaches Lächeln abringen. Wäre Narsil dagewesen, er hätte sie gewiss ihren Kummer vergessen lassen, Narsil konnte schon immer besser mit Frauen umgehen. Gleichzeitig bin ich froh, unendlich froh, dass er nicht da war. Denn... vieles wäre sicherlich anders gekommen, als ohne ihn.

Etwas später wollte Hildegard ein wenig frische Luft schnappen und sie schlug meine Begleitung nicht aus, was mich insgeheim sehr freute. Ich habe gehofft, etwas mehr über diese junge Frau zu erfahren, vielleicht auch die Ursache ihres Kummers. Allerdings redeten wir dann nur über Nichtigkeiten, bis mir bewusst wurde, dass Hildegard mich geradewegs zu einem Gasthaus geführt hatte. Aus Gründen, die wohl immer nur ihr allein bekannt bleiben werden, wollte sie die Nacht nicht in ihrer Unterkunft verbringen und sie wollte die Nacht nicht allein verbringen.

Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, mein Erstaunen zu verbergen. Die meisten Frauen machen ein gewaltiges Aufheben um eine solche Situation, erwarten tausend Dinge und machen hundert verwirrende Andeutungen. Ich weiß nicht, was sie bewogen hat, sich für diesen Zeitpunkt und für mich zu entscheiden. Aber sie wusste gut, was sie wollte, auch wenn sie... gehört das hierher? Ich habe, glaube ich, erwartet, dass ein junges Mädchen sich ihr erstes Mal anders wünscht. Andererseits ist Hildegard sicher nicht das durchschnittliche Mädchen. Sie ist... anders. Das klingt schrecklich, ich sollte das durchstreichen. Sie ist etwas besonderes. Es war vollkommen unkompliziert, sie machte nicht viele Worte, ich versuchte, es ihr gleich zu tun. Irgendwann sind wir eingeschlafen. Ich habe wenig geschlafen in dieser Nacht, irgendwann habe ich mich dabei ertappt zu beobachten wie das erste Frühlicht über ihre Haare kroch. Sie sieht sehr verändert aus, wenn sie schläft, ohne die Rüstung und mit offenen Haaren. Ich weiß natürlich, dass sie normalerweise keinen Schutz braucht, ich habe sie kämpfen sehen, aber an diesem Morgen – ich hätte es nochmal mit der ganzen Stadtwache aufgenommen und sollten die Schwarzmagier ihnen doch helfen!

Das klingt naiv, liebes Tagebuch. Ich kam erst gegen Mittag wieder zur Truppe. Elaril amüsiert sich noch jetzt auf seine stille, elfische Art, wann immer er zu mir herüber schaut. Aber er hat meinen Dienst übernommen, soll er also feixen. Ich habe keine Ahnung, wie das weitergehen soll. Ob es das überhaupt soll. Ich weiß nichtmal, ob das meine Entscheidung ist. Ich weiß´nur, dass ich es nicht bereue. Ich muss jetzt schließen. Die Magier sind unten, verweigern aber die Aussage. Heute Abend übernehme ich Elarils Dienst. Dann sind wir quitt. Morgen brechen wir auf – ob ich sie davor überhaupt nochmal sehe?

11. Mai 651 (Hildegard)

Ich schäme mich so unglaublich, dass mir so ein Fehler unterlaufen konnte, ohne, dass ich es gemerkt habe! Es ist mir so peinlich! Ich weiß mittlerweile, dass ich einen Fehler gemacht habe, als ich mein Ende voraussah.... Die Karten lügen nicht, aber Menschen können Fehler machen. Und ich habe es leider getan und nicht einmal bemerkt, sowas ist mir zuvor noch nie passiert! Ich kann es immer noch nicht ganz glauben...
Und ich fürchte jetzt muss ich mit den Folgen Leben von dem, was ich dadurch vielleicht angerichtet habe. Ob die Jungs meinen Vorhersagen in Zukunft überhaupt noch trauen werden? Ob ich ihnen werde trauen können?
Und was mache ich, wenn ich den Hauptmann, also Tiron, nochmal treffe? Ich weiß nicht, wie gut ich ihm in Ravensloft aus dem Weg werde gehen können...Ich bin wirklich froh, dass unsere Leute aus Lur beschlossen haben morgen zur Rückfahrt aufzubrechen. Wir sind hier auch nicht mehr gebunden und werden vermutlich nach Thorndorf aufbrechen, wo sich eine Privatbibliothek befinden muss. Ich weiß davon aus dem Manuskript, dass Dvalinn von Thais geschenkt bekommen hat. Sie wollte sich bei uns mit Geschenken erkenntlich zeigen, was ich sehr zu schätzen weiß. Es war wirklich nicht nötig, aber sehr nett von ihr! Ich bekam einen Duft und einige schöne Bänder. Ich glaube soetwas habe ich schon seit langer Zeit nicht mehr besessen! Man gewöhnt sich an ganz andere Dinge, wenn man als Klerikerin viel auf Reisen ist. Vor allem, seit ich viel allein reise...Zum Teil vermisse ich es schon ein wenig das Mädchen von früher zu sein. Und als Klerikerin wird man nicht so richtig als Frau wahrgenommen, zumindest nicht wie andere Frauen, denke ich. Man verhält sich mir gegenüber schon anders, allein weil ich Rüstung und Waffen trage. Trotzdem habe ich es genossen heute mit den Jungs auf dem Markt noch einmal einkaufen zu gehen, bevor wir wieder in kleinere Städte aufbrechen. Sie haben sich bemüht mir beim Auswählen eines Kleides zu helfen, das war süß. Das was Dvalinn gefiel war natürlich mit reichlich goldener Borte versehen und das was Alarik aussuchte war grün. Ich habe natürlich keines von beiden genommen, ich brauche mit Sicherheit kein elegantes Tanzkleid in dieser Gegend! Mehr als ein schlichtes Kleid sollte es ja gar nicht sein. Ich habe nur bemerkt, dass es manchmal schon besser wäre eine Alternative zu Hemd, Hose und Waffenrock zu haben.. Meine Tunika taugt notfalls gegürtet auch, aber ein richtiges Kleid..das macht schon etwas mehr her, denke ich. Ich habe einfach ein schlichtes grünes Kleid mit Schnürung gekauft. Und irgendwo hat es auch eine Borte oder Applikation in Gold, meine ich.... Dafür habe ich beim Kristallhändler umso mehr auf Dvalinns Meinung vertraut und noch eine Kristallnadel als Anhänger gekauft. Irgendwann werde ich sie mit Sicherheit brauchen, wer weiß wann ich mal etwas auspendeln muss und dann gibt es sicher weit und breit keine vernünftigen Kristalle! Dvalinn hat noch irgendetwas als Mitbringsel für Lur gekauft, denke ich...
Und ansonsten hatten die Jungs heute ihren Spaß mit mir, fürchte ich. Diesmal musste ich mir eine Menge dummer Sprüche gefallen lassen, weil ich erst am Mittag wieder ins Kontor zurückkam. Diesmal habe ich die Nacht woanders verbracht.
Und im Grunde sind sie ja auch nicht ganz unschuldig daran, immerhin haben sie mich zur Aufheiterung unbedingt auf eine Kneipentour schleppen müssen!
Wobei ich mir den Rest tatsächlich selbst eingebrockt habe. Wir trafen nämlich gestern auf die Ritter, die auf ihren ersten Tag in Ravensloft erstmal einen trinken wollten. Schließlich haben auch sie nicht jeden Tag mit Schwarzmagiern, korrupten Stadtwachen und illegalen Bordellen zu tun. Auf den Schrecken oder den erfolgreich überstandenen Kampf wollten sie wohl auch erstmal anstoßen. Und was hatte der Zwerg getan? Sie natürlich in die gleiche Kneipe geschickt, in die wir auch gegangen sind. Also saßen alle nochmal beisammen und wiederholten die Ereignisse des Tages begleitet von gegenseitigen Anerkennungsbezeugungen, Lob und Dank. Man prostete sich zu, besprach die eigenen Heldentaten und es hätte ein richtig schöner Abend sein können. Hätte nicht die ganze Zeit mein baldiger Tod wie ein Damoklesschwert über mir gehangen. Und naja, einer der beiden Hauptmänner mit dem wir Seite an Seite gekämpft haben ist offensichtlich ein wenig feinfühliger als meine Jungs und bemerkte meine immer wiederkehrenden Stimmungstiefs. Er saß mir gegenüber und bemühte sich redlich mich ein wenig aufzuheitern, sobald er etwas von meiner gedrückten Stimmung bemerkte. Ein wirklich netter Kerl. Ein wenig unbeholfen, aber keinesfalls so ein Trampel wie meine beiden Jungs! Und unter uns, deutlich attraktiver ist er außerdem...
Und als er mich dann irgendwann fragte, ob ich gerne ein wenig an die frische Luft mit ihm wollen würde.... naja, da beschloss ich wohl, dass ich die letzte Nacht auf Erden nicht mit den Jungs auf einem Zimmer würde verbringen wollen. Und in erster Linie wollte ich auch nicht unbedingt als Jungfrau sterben, wenn ich ehrlich sein soll. Es hätte ja meine letzte Chance sein können...
Also ging ich mit Tiron spazieren und lief mehr oder weniger Beiläufig nach einer Weile in Richtung eines Gasthauses. Ihm ging wohl irgendwann auf was ich da bezweckte und es war nicht gar so kompliziert ihm begreiflich zu machen was ich wollte, nachdem ich einmal entschlossen war. Obwohl er ziemlich überrascht schien. Aber er sagte nichts und kümmerte sich einfach um die Formalitäten bei der Anmeldung, als ob nichts wäre.
Wir sind dann die ganze Nacht über dort geblieben und zusammen eingeschlafen. Am Morgen brachte mir Tiron Frühstück ans Bett, damit hätte ich nicht gerechnet. Er verlor die ganze Zeit kein Wort über das was geschehen war, vermutlich weil auch er nicht wusste was er hätte sagen sollen. Er war höchstens erstaunt über meinen gesunden Appetit, weil ich mein letztes Frühstück genoss so gut ich konnte....
Ich dachte an meine Jungs und daran, was sie wohl sagen würden, wenn ich jetzt zurückkäme. Und dann überlegte ich, wie es ihm wohl ergehen würde und fragte ihn, ob es keine Probleme gäbe, weil er über Nacht weg war. Er verneinte und sagte, dass Elaril – das ist der zweite Hauptmann, der aus Malfori – ihm wohl den Rücken freihalten würde und es kein Problem wäre. Das würde sich schon noch wieder ausgleichen. Und da dachte ich gut, wenn ich jetzt sowieso nichts mehr zu verlieren habe, er kein Problem damit hat und ich die feixenden Jungs sowieso aushalten muss, dann ist es auch egal ob es morgens oder mittags wird. Und mal ehrlich, ich war mir sicher, dass ich das zweite mal mehr genießen würde als das erste. Vor allem, da das erste schon gar nicht so übel war...
Ich hatte Recht. Leider auch damit, dass die Jungs nicht darauf verzichten konnten zu fragen wo ich bis zum Mittag geblieben war. Und nachdem klar war, dass ich die Nacht nicht allein verbracht hatte und vor allem, nachdem mir klar wurde, dass es auch nicht meine letzte gewesen sein wird, war ich erstmal Tagesgespräch für die beiden. Glücklicherweise reißen sie sich einigermaßen zusammen, wenn es um intime Details meines Privatlebens geht. Und ein bisschen gefeixe kann ich schon aushalten, da bin ich ja selbst nicht besser.
Ob ich das alles auch so unkompliziert gehandhabt hätte, wenn ich nicht geglaubt hätte, dass die Welt untergeht? Ich fürchte nein. Das hätte ich wohl nicht. Wäre es wirklich immer so unkompliziert gewesen, hätte es wohl auch nicht so lange gebraucht. Insoweit hatte das ganze auch sein Gutes... Wobei ich mich ernsthaft frage, was dieser Tiron jetzt wohl von mir denken mag? So sorglos wie ich damit umgegangen bin und so direkt... Nicht, dass er mich jetzt für ein leichtes Mädchen hält?? Ich trau mich schon gar nicht mehr so Recht ihm unter die Augen zu treten... ich muss mich jetzt einfach darauf verlassen, dass er tatsächlich ein anständiger Kerl ist und ich nicht völlig um meinen Ruf fürchten muss. Hoffentlich lässt meine Menschenkenntnis mich hier nicht im Stich.

Mittwoch, 20. April 2011

10. Mai 651 (Hildegard)

Dies wird wohl mein letzter Eintrag sein. Es wird vielleicht der letzte Abend, den die Welt je gesehen hat, oder einfach nur mein letzter. Insoweit ist es eigentlich nicht mehr wichtig, ob ich noch schreibe oder nicht. Aber ich habe das Gefühl ich müsse wenigstens einmal meinen Gefühlen gegenüber dem heutigen Tag Ausdruck verliehen haben, bevor ich sterbe. Ich hatte so sehr gehofft, dass wir die Sache mit den Schwarzmagiern beiseite legen können, damit ich mich um dieses Bordell kümmern kann. Ich wollte wenigstens Ilona ein Leben in Freiheit ermöglichen. Jetzt hoffe ich, dass sich unsere Mühen gelohnt haben und es vielleicht nur mich trifft.
Der Kampf heute war schwer und ich möchte ungern mit diesen Bildern als letztes abtreten. Aus diesem Grund wollen mich die Jungs gleich nochmal richtig ausführen und mich aufheitern. Ich glaube sie nehmen meine Vorhersage nicht ganz so ernst wie sie sollten. Dabei habe ich auf Bitte von Dvalinn vorher für ihn eine Sache geklärt, die ihn sehr beschäftigt hat. Und zwar wurde er ebenfalls von Alpträumen geplagt, die allerdings seinem schlechten Gewissen entsprangen. Dieses ewige Foltern und Erpressen von Informationen ist ihm wohl aufs Gemüt geschlagen und er machte sich Sorgen, wie sich unsere Sicht auf ihn verändert haben könnte. Alarik verhielt sich ja die letzten Tage schon ein wenig komisch, aber ich habe nie bezweifelt, dass Dvalinn ein anständiger Kerl ist. Ansonsten würde ich nicht mit ihm durch die Lande ziehen, er hätte uns nicht schon einige male den Rücken freigehalten und er hätte mir auch nicht wortlos die magischen Gegenstände überlassen, die wir gefunden haben. Ich glaube Dvalinn ist im Grunde ein lieber Kerl, mehr als er sich wohl selbst eingestehen mag.
Und der ersten Vorhersage schenkte Dvalinn zumindest Glauben, scheint aber meine zweite Vorhersage für mich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen... aber vielleicht ist es auch nur die Art der Jungs damit umzugehen. Also...hier der voraussichtlich letzte Eintrag meines Lebens, der Ablauf des 10. Mai 651 in chronologischer Abfolge:
Nach dem Frühstück machten wir uns auf zum Marktplatz, wo der Missus mit Gefolge Einzug gehalten hatte. Er wurde begleitet von einer Eskorte an Rittern, davon jeweils sechs aus Malfori und sechs aus Verlest, den Wappen nach zu urteilen.
Ich wartete eine Weile ab und sah mir das Ganze an, bevor ich beschloss als erstes das Bordell zu melden um zu überprüfen, wie der Missus damit umgeht. Ich wollte nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. Aber der Missus schenkte mir zumindest soweit Glauben, dass er einige seiner Männer mit mir zu besagter Begegnungsstätte schickte, wo wir selbstverständlich alles so vorfanden, wie ich es geschildert habe. Die Männer waren erschrocken und bemühten sich alle Frauen würdig aus diesem Etablissement zu schaffen, wofür wir sie erstmal mit unseren Mänteln bekleideten. Doch vor der Tür wurden wir von einer Truppe korrupter Stadtwachen empfangen, die ihre Hände bei dem Geschäft mit im Spiel hatten. Wir setzten uns gemeinsam mit den Rittern zur Wehr und standen auch gemeinsam diesen sehr harten Kampf durch. Ich hatte alle Mühe die meisten Männer am Leben zu erhalten und wieder einigermaßen auf die Beine zu stellen, für einige war es sehr knapp. Die Ritter kümmerten sich anschließend um die Überlebenden unter unseren Gegnern und führten diese dem Missus vor, der ziemlich erschrocken über den Zustand seiner Truppe war. Aber da ich nicht übertrieben hatte, schenkte der Missus auch meinen Ausführungen über den schwarzmagischen Zirkel Glauben und schickte zwei Reiter los den Bürgermeister von Lissar aus dem Kloster der Erdmutter zu holen. Anschließend beorderte er Truppen aus der Garnison in die Stadt, um sich um diejenigen zu kümmern, deren Namen wir ihm nennen konnten.
Anschließend durften wir uns noch zu einer Befragung einfinden und mussten alles zu Protokoll geben. Einer der Ritter hat mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt, weil er dem Barden von gestern zum verwechseln ähnlich sieht! Und ich war ganz froh, dass wir unsere Methoden ein wenig beschönigen oder unter Verschluss halten konnten und fürchtete für einen Moment, dass wir in größere Schwierigkeiten geraten könnten. Aber er schien uns definitiv nicht zu kennen und ist mit Sicherheit nicht die selbe Person. Und sollte uns jetzt noch Ärger drohen, weil wir etwas unlautere Methoden zur Informationsbeschaffung hatten, kann es mir ja jetzt auch egal sein...
Ich verlasse diese Welt zumindest nicht ohne als Abschiedsgeschenk für ein wenig mehr Sicherheit gesorgt zu haben, das sollte mir vielleicht ein Trost sein. Wobei es mich fast zerreißt daran zu denken, dass ich meine Familie jetzt nie mehr wiedersehen werde. Sie werden nie erfahren, was aus mir geworden ist und ich nicht, wie es ihnen in den letzten Jahren ergangen ist. Ob es ihnen gut geht? Werden sie mich vermissen? Oder haben sie mich schon lange abgeschrieben und vergessen?
Vielleicht kann ich den Jungs morgen mein Tagebuch anvertrauen, sie sollen es ihnen geben, wenn ich nicht mehr bin. Diesen letzten Wunsch werden sie mir doch sicher nicht abschlagen, oder?

9. Mai 651 (Hildegard)

Die letzten Tage waren wieder unglaublich ereignisreich liebes Tagebuch!
Den Weg zum Kloster haben wir recht gut gefunden und Dagor konnten wir auch problemlos abliefern. Er wird sich sicher gut einfügen. Aber das Kloster war kein Stück weniger seltsam, als ich es befürchtet habe. Vielmehr war es sogar weitaus seltsamer als ich es jemals geahnt hätte!
Eigentlich in einer ruhigen Gegend gelegen, umgibt das Kloster eine unheimlich negative Atmosphäre. Ich kann es gar nicht besser beschreiben. Von weitem wirkte es so friedlich, eingehüllt in einen dämpfenden Nebel. Und als wir es verließen, war da diese unheimliche Wut.... so eine Wut wie ich sie selten verspürt habe in meinem Leben. Eine unbändige Wut auf dieses Kloster und diese Sekte und der tiefe, übermächtige Drang es mit einem Schlag von dieser Welt zu tilgen! Glücklicherweise konnten die Jungs mich noch davon abhalten, ich fürchte ansonsten hätte ich meinen Feuerball, den ich Dagor abgenommen habe gesprochen und auf dieses Kloster verschwendet. Doch es war alles andere als einfach mich zu überzeugen, obwohl ich vorher keinesfalls diese Wut verspürt habe und sie auch nachher verschwand wie sie gekommen war. Äußerst merkwürdig, wie ich schon sagte.... Und von weitem lag das Kloster wieder friedlich da. Wir beobachteten es noch, als wir schon wieder auf dem Rückweg waren. Die Jungs scheinen nicht weniger mitgenommen zu sein. Im Gegensatz zu mir verfielen sie in eine Art Lähmung, Dvalinn sah gar aus als hätte er einen Geist gesehen! Und das an dem Tag nachdem ich selbst von einer Art geisterhaften Erscheinung geträumt habe....
Aber der Tag war damit ja auch noch lange nicht beendet! Anstatt nach Ravensloft zurückzufahren mit dem Eselskarren, den Alarik morgens noch gemietet hatte, beschlossen wir den angebrochenen Tag zu nutzen und direkt nach Lissar durchzumarschieren.
Auf dem Weg machten wir noch Rast an einem traumhaften See! Das Wasser glitzerte im Sonnenlicht und wir ließen alle unsere Anspannung fallen. Dvalinn und ich schlossen uns sogar Alarik an und gingen gemeinsam schwimmen! Ich habe mich nicht einmal schlecht geschlagen beim Wettschwimmen, das muss ich schon sagen! Wir ließen unsere Ausrüstung am Ufer und plantschen ausgelassen eine Weile im Wasser. Und ich glaube die Sonne und gute Laune ist den Jungs ein wenig zu Kopf gestiegen, denn ich könnte schwören, dass sie mir beim Ausstieg aus dem Wasser versuchten auf die Brüste zu starren! Jedenfalls zog ich danach vor mir ein wenig abseits meine Wechselsachen zu nehmen und mich schnell umzuziehen, während meine nassen Kleider in der Sonne trockneten. Es kamen sogar ein paar Fischer auf Booten vorbei und boten uns Fisch an, den wir zu dritt am Ufer grillten. Alles in allem ein sehr entspannter Mittag!
Doch die Reise ging ja weiter! Wir zogen also nach dem Essen weiter Richtung Lissar, wobei ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits nach bester Möglichkeit als einfache Frau verkleidete. Sprich ich legte Rüstung und Waffen ab und löste mein Haar in der Hoffnung, dass ich mit leicht verändertem Auftreten nicht mehr als die Klerikerin erkannt werden würde, die gerade erst in Lissar war. Das ginge aber nicht, wenn wir wieder zu dritt als Gruppe auftreten, dachten wir uns. Also sollte Dvalinn alleine vorgehen und in der Taverne von Lissar so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie er nur konnte. Für einen Zwerg in Lissar kein schwieriges Unterfangen, Zwerge sehen die Leute da nicht oft. Sollte man ihn auf uns ansprechen, wollte Dvalinn einfach behaupten wir wären heute nicht dabei, sondern in Ravensloft geblieben oder etwas ähnliches. Alarik und ich hatten indes die Chance als Ehepaar getarnt unterzutauchen und unauffällig den Bürgermeister zu suchen und zu überwältigen.
Und Dvalinn tat seine Sache auch ausgesprochen gut! Als wir zu zweit in die Taverne kamen und uns einen Platz recht versteckt suchten, saß Dvalinn bereits laut fröhlich singend bei einem Barden und beide intonierten ein Trinklied nach dem anderen! Ich habe den Zwerg selten so ausgelassen erlebt, das muss ein Auftrag ganz nach seinem Geschmack gewesen sein. Und mit Bravour hat er ihn erfüllt! Alarik und ich fielen nicht im geringsten auf und konnten unauffällig nach dem Bürgermeister fragen, weil wir ja neu in die Stadt ziehen und ein neues Leben aufbauen wollten, oder so ähnlich. Wie es der Zufall so will, saß er an diesem Abend auch in der Taverne, weshalb wir ihm kurz nach seinem Abgang unauffällig folgen konnten. Wir schlichen ihm bis zu einer dunklen Seitengasse hinterher und überwältigten ihn, Alarik fesselte ihn mit der nächstbesten Leine die er finden konnte, während ich aus einem Stück meiner Kleidung einen Knebel improvisierte. Dann brachten wir ihn schnell zum Karren und warfen unsere Mäntel über ihn. Ich blieb dort um den Wagen zu bewachen, während Alarik Dvalinn in der Taverne ein Zeichen zum Aufbruch geben sollte, damit wir los könnten.
Das war der Zeitpunkt, an dem alles beinahe zu kippen drohte. Denn kaum war Alarik weg, näherten sich Schritte. Ich beeilte mich vom Wagen abzurücken und so unauffällig in der Gegend herumzustehen, wie ich nur konnte, damit wer auch immer des Weges kam möglichst schnell an mir vorbeilief ohne groß Notiz zu nehmen. Leider ging dieser Plan nicht auf, denn es war der Barde aus der Taverne und er schien es geradewegs auf mich abgesehen zu haben! Er kam direkt auf mich zu und sprach mich an, was mir in diesem Moment so gar nicht passte. Warum auch immer er ausgerechnet in diesem Moment draußen herumlaufen musste. Da hatte er weder etwas zu suchen, noch hatte ich die Muße auf seine fruchtlosen Flirtversuche einzugehen.Obwohl ich zugeben muss, dass er nicht ganz dumm zu sein schien. Zumindest ist ihm direkt aufgefallen, was wir in unserer Tarnung vergessen haben: Eheringe! Sollte ich mich jemals nochmal als Ehefrau ausgeben müssen, sollte ich unbedingt daran denken einen zu tragen! Diesmal wäre der Plan beinahe daran gescheitert. Glücklicherweise konnte ich ihm nach meiner ersten Überraschung und den unglücklichen ersten Versuchen glaubhaft vermitteln, dass ich eine zwar ehelose, aber dennoch keineswegs platonische Beziehung zu meinem Begleiter pflege und dass seine Anwesenheit deshalb nicht erwünscht sei. Und er verzog sich daraufhin auch wie er gekommen war. Wenigstens fragte er nicht auch noch, ob ich vielleicht meine nächste Nicht-Ehe mit ihm eingehen würde oder etwas ähnlich plattes...man trifft doch immer wieder auf Männer dieses Schlages!
Ich war ganz froh, dass dieser so viel Anstand besaß sich zu verabschieden, bevor Alarik etwas mitbekam. Ich hätte ihm ungerne wiedergegeben, was ich dem Barden alles erzählen musste, damit dieser sich zurückzog.... So kam ich mit einem „Er wollte sich unterhalten!“ davon, als er fragte was der Barde aus der Taverne gewollt hätte. Und in Anbetracht der Situation in der wir uns befanden schien er sich damit zufrieden zu geben. Als Dvalinn hinzugestoßen war, machten wir uns auf zum Stadtausgang. Da es bereits dunkle Nacht war, mussten wir das Stadttor öffnen und Alarik schloss es von innen wieder und kletterte anschließend über die Mauer und schloss zu uns auf. Also Klettern kann er schon und kräftig ist er auch, das muss man ihm zu Gute halten dem Kleinen.
Wir machten vor der Stadt bei irgendeinem Gebüsch halt und weckten den Bürgermeister, fragten ihn aus und flößten auch ihm das Wahrheitsserum ein. Er konnte im Grunde aber nur bestätigen, was wir bereits wussten. Wir beschlossen ihn vorerst sicher verwahren zu müssen, während wir uns um die verbliebenen Mitglieder kümmerten. Da es bei der Stadtwache von Ravensloft schwarze Schafe gab, konnten wir ihn nicht einfach dort melden und abgeben. Erst mussten wir dieses Übel beseitigen, bevor wir ein anderes aus der Welt schaffen konnten. Also liefen wir bis zum nächstgelegenen Kloster der Erdmutter und baten dort um Hilfe. Sie erklärten sich bereit den überführten Schwarzmagier für einige Tage zu bewachen. Wir machten uns auf den Weg zurück nach Ravensloft, wo wir am Abend ziemlich ermattet ankamen, trotz der guten Stärkung die wir im Kloster der Erdmutter bekommen haben. Eine Nacht ohne Schlaf und die langen Wege die wir zurücklegten, machten sich durchaus bemerkbar. Alarik brachte den Eselskarren zurück und wir beschlossen trotz der anstrengenden Tage noch einmal gemeinsam auszugehen auf ein Bier. Selbstverständlich suchte Dvalinn eine ansprechende Bar mit klebenden Böden, billigem Bier und barbusigen Schankweibern aus, wo sie ihm mal wieder alle ihre Brüste ins Gesicht hängen ließen. Aber wenn der Zwerg sich das gefallen lässt, seine Sache.... wir haben ihn letzten Endes dort zurück gelassen, als er sich nicht entscheiden konnte, ob er noch mit einer der Frauen nach oben verschwinden solle oder nicht. Alarik und ich wir haben uns derweil aufgemacht ins Kontor, wo wir jetzt schlafen und uns hoffentlich gut erholen werden! Hoffentlich kommt der Zwerg früher oder später mit all seinen sieben Sachen wieder hier an. Morgen soll der Missus hier in der Stadt sein, raunte es heute an jeder Ecke durch die Stadt. Dieses Schauspiel will ich mir morgen doch nicht entgehen lassen! Und wer weiß, vielleicht ist das die Gelegenheit für uns die Sache mit den Schwarzmagiern aus der Hand zu geben. So ungern ich diese Art von Menschen mag, ich bin auch nicht diejenige die hier dafür bezahlt wird für Ordnung zu Sorgen! Das mit Jonas ja, das war eine persönlich Sache. Aber bin ich der Rächer für Gerechtigkeit und Beauftragter jeden Schwarzmagier aus diesem Zirkel zu finden und auszuschalten? Wohl kaum! Dafür sind andere zuständig. Und hoffentlich ab morgen nicht mehr wir, wir waren lange genug involviert. Ich habe noch andere Dinge um die ich mich kümmern muss...

09. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)

Ort: Kloster der Erdmutter
Das Problem mit Dagor ist gelöst und das mit dem Bürgermeister Lissars entscheidet sich gerade. Wenn wir den Bürgermeister erst mal hier im Kloster der Erdmutter lassen können, ist uns schon sehr geholfen! Die Klerikerinnen des Konvents beraten sich gerade darüber.
Um zum gestrigen Tag zurückzukehren: Hildegard brachte uns auf die Idee Dagor in einem nahegelegenen Kloster einer neuen Sekte unterzubringen. Diese Sekte, die einen Magie wirkenden, am Kreuz gestorbenen Wiedergänger verehrt, ist bekannt dafür sehr zurückgezogen zu leben. Sie bewegen sich nicht vor die Tore ihres Klosters und lassen auch selten Besucher hinein. Sogar Schweigegelübde sind üblich, also der perfekte Ort um den Zauberer verschwinden zu lassen. Er erklärte sich auch sehr schnell einverstanden, was mich nicht wundert, nachdem was ich ihm angetan habe.
Also luden wir ihn auf einen Eselkarren und brachten ihn dort hin. Es lief auch alles bestens, bis wir wieder vor dem Kloster standen... Sofort stiegen die Bilder eines Albtraums in meinem Geist hoch. Der Friedhof des Klosters war sichtbar und... Im Traum kämpfte ich in Raserei gegen Orks, oder zumindest dachte ich das. Am Ende blickte ich über die Leichen meiner Freunde. Genau diese Bilder drängten sich in mein Bewusstsein. Ich wäre am liebsten davon gerannt, doch war mir schon klar, dass das albern gewesen wäre. Zudem mussten wir auch Hildegard beruhigen die eine unglaubliche Wut auf dieses Kloster entwickelte. Kaum waren wir draussen, begann sie zu schimpfen und die Werte dieser Gemeinschaft verächtlich in den Dreck zu ziehen. Ich hatte fast den Eindruck, dass sie eine Hand bereits an der Schriftrolle mit dem Feuerball hatte, die wir Dagor abgenommen hatten... Doch das war bestimmt nur eine Einbildung. Hildegard würde kein Kloster mit hilflosen Mönchen abbrennen lassen!
Kaum waren wir einige Werst vom Kloster entfernt beruhigte sich die Stimmung auch wieder deutlich und wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag am See. Wir schwammen, aßen leckeren Fisch den Alarik ein paar Fischern abkaufte und wir lagen in der Sonne. Vor einigen Jahren hätte ich mir nie träumen lassen können, dass die Sonne so unglaublich stark sein kann!
Doch machten wir diese Rast hauptsächlich um die Zeit bis zum Abend verstreichen zu lassen. Für diesen Abend hatten wir uns die „Befragung“ des Bürgermeisters vorgenommen. Der Plan sah vor, dass ich in der Schänke die Aufmerksamkeit auf mich ziehe, während Hildegard und Alarik als Ehepaar verkleidet den Bürgermeister verfolgen und gefangen nehmen. Nun, das war meine leichteste Übung!
Nicht, dass ich nicht sowieso auffallen würde, denn Zwerge verirren sich selten in diese Gegenden. Spätestens als auch noch Narsil, ein sehr fähiger Barde, in die Gaststube trat, achtete keiner mehr auf das vermeintliche Ehepaar. Ich forderte Narsil auf einige der Lieder zu spielen, die ich auf meiner Wanderschaft kennen gelernt hatte und er willige schnell ein. Als der Barde kurz verschwand und mir seine Mandoline in die Hand drückte, gab ich mir noch alle Mühe um noch eine kurze Melodie, ein zwergisches Spottlied auf Elfen, darauf zu spielen und ein paar Töne dazu zu singen. Es ist Jahrzehnte her, seit dem ich das letzte Mal ein Instrument in der Hand hatte... Die Mädchen in den Minen sahen uns Krieger einfach zu gerne schwitzen, wenn sie uns einige kurze Tonfolgen erklärten. Ihr Lachen war dann immer zu entzückend. Sie lachten nicht wirklich aus Spott, doch amüsierte sie unsere Ungeschicklichkeit.
Als mir Alarik dann ein Zeichen gab, verabschiedete ich mich aus der Schänke und war sehr erfreut zu sehen, dass auf unserem Karren ein zusammengeschnürtes, von Mänteln bedecktes Paket lag: Der Bürgermeister.
Das Tor der Stadtmauern war für uns auch kein Hindernis und so konnten wir den Bürgermeister dann außerhalb der Stadt befragen. Das war äußerst einfach, da wir noch eine halbe Flasche Wahrheitsserum hatten. Er bestätigte allerdings nur die Informationen, die wir bereits hatten.
Da wir nicht noch einen willigen Novizen ins Christenkloster bringen konnten, entschlossen wir uns dieses Mal für das Kloster der Erdmutter, welches etwa eine halbe Tagesreise südwestlich von Lissar lag. Die Äbtissin merkte sehr schnell, dass wir nicht nur ein Bündel Kleidung auf dem Karren hatte und ließ uns unsere „Ware“ von den Novizinnen ungesehen ausladen. Ob sie den Bürgermeister nun hier behalten oder uns abweisen, das wird jetzt schon seit über einer halben Stunde besprochen. Glücklicherweise reichten sie uns vor wenigen Minuten ein Frühstück.

7. Mai 651 (Hildegard)

Die Götter haben wahrlich in vielen Dingen ihre Hände im Spiel! Gestern erzählte uns Dagor von allen die er aus dem Zirkel kannte und nannte uns darunter den Namen des Bürgermeisters von Lissar. Und womit überraschten uns an diesem Morgen die Händler aus Lur? Sie müssten spontan mit einigen Wagen eine Ladung nach Lissar bringen! Wir sagten natürlich sofort unsere Begleitung zu, obwohl die Händler offenbar bereits Verstärkung gesammelt hatten. Ein sehr exotisch aussehender Mann namens Jamal war darunter, der durch seine seltsame Art zu reden und seine ungewöhnliche Kleidung auffiel. Er kam offensichtlich von weit her und ich hoffte interessante Reisegeschichten von ihm zu hören. Leider hatten wir gar nicht so viel Gelegenheit zum Reden, da wir viel unterwegs waren und während der Rast in Lissar versuchten wir ein wenig unter uns zu bleibe und möglichst unauffällig Nachforschungen über den Bürgermeister anzustellen. Jamal verfolgte uns dabei hartnäckig und war kaum loszuwerden. Letzten Endes kam er uns sogar zu Hilfe und stellte unsere Fragen, die aus seinem Munde deutlich weniger seltsam klangen als aus unserem. Schließlich war er offensichtlich kein Ortskundiger und Exoten wie ihm gesteht man auch manche ungewöhnliche Frage zu.
Aber seltsam war es schon, wovon er erzählte. Seine Heimat scheint ein kurioses Fleckchen Erde zu sein. Mit ungewöhnlichen Bräuchen. Aber immerhin war er mir gegenüber sehr höflich und zuvorkommend. Das ist etwas, an dass ich schon gar nicht mehr gewöhnt bin und es tat zugegebenermaßen ganz gut. Auch wenn mir manche seiner Aussagen ein wenig peinlich war. Aber solche pflegte ich wohl weißlich zu überhören. Was man von den Jungs leider nicht sagen kann.
Wir kamen aber zu dem Schluss, dass mit einer übereilten Tat niemandem gedient wäre und beschlossen später noch einmal nach Lissar zurückzukehren. Die Rückfahrt nach Ravensloft verlief wieder ruhig und wir beeilten uns zurück zu kommen und den eingesperrten Dagor mit Wasser und Brot zu versorgen. Dvalinn hatte ihn offenbar über Nacht in ein Fass gesperrt. Als wir ihn dort herausholten, beeilte ich mich erstmal die schlimmsten seiner Verletzungen zu versorgen und gab ihm genügend Wasser zu trinken. Der Arme war dermaßen mitgenommen, dass er mir schon ein wenig Leid tat. Er beteuerte ständig seine Taten zu bereuen und versprach uns alles mögliche, wenn wir ihn nur am Leben ließen. Dvalinn muss ihn wohl gehörig verängstigt haben gestern. Wir taten uns nur ein wenig schwer ihm Glauben zu schenken. Aus diesem Grund verständigten wir uns darauf, dass ich losziehen und das Haus des Alchemisten suchen solle um bei ihm ein Veritasserum zu besorgen. Ich erfand eine kleine Geschichte die ich dem Alchemisten vortrug um zu erklären, warum ich ihn zu dieser späten Stunde aufsuchen müsse um bei ihm einen Wahrheitstrank zu kaufen. Danach lief ich schnellstmöglich zurück zum Haus des Gerbers, wo wir Dagor den Trank einflößten. Er muss widerlich schmecken! Aber funktioniert hat er ganz wunderbar. Da die Aussagen Dagors grundsätzlich der Wahrheit zu entsprechen schienen, beschlossen wir ihn auf andere Weise zur Seite zu schaffen als den Gerber. Alarik und ich überstimmten Dvalinn und wir fassten den Plan den Magier im nahegelegenen christlichen Kloster abzuliefern, wo er sehr zurückgezogen als Teil dieser neuen kleinen Sekte leben wird und wohl keine Gefahr mehr für irgendjemanden darstellt. Und mit seinem Interesse an Büchern wird der schrullige Magier wohl recht gut in die seltsame Klostergemeinde passen die das zurückgezogenste ist, was wir in der ganzen Gegend finden könnten. Morgen bringen wir ihn hin. Ich bin schon gespannt, bin selbst noch nie beim Kloster gewesen und habe bisher lediglich davon gehört. Also hoffen wir mal, dass die Beschreibungen korrekt sind und wir den Weg morgen auch gut finden werden Ich lege mich jetzt schlafen, gute Nacht!

07. Mai 651 (Dvalinns Tagebuch)

Ort: Kontor von Ravensloft
Ich glaub es nicht: Alarik hat es wirklich geschafft bei Thais zu landen! Gut, diese Nacht hat er sich mit seinem Geschenk auch teuer genug erkauft. Hoffen wir mal, dass er die Sache nicht zu ernst nimmt...
Gestern Abend war er plötzlich verschwunden und Hildegard war schon richtig besorgt um ihn. Und dann taucht dieser Junge auf als wir Thais für die versprochenen Informationen aufsuchten... Plötzlich steht der Junge vor uns, gewaschen, mit geschnittenen Haaren...
Wie auch immer, die wichtigen Ereignisse passierten erst später. Thais konnte uns tatsächlich die Adresse von Jonas Lagerhaus besorgen und das haben wir dann auch direkt aufgesucht.
Sicherheitshalber versuchten wir uns anzuschleichen, aber mit geringem Erfolg. Wir wurden drinnen bereits von drei Männern erwartet. Jonas, dieser verdammten Minenwurmbrut, einem kleinen Zauberer und einem Mann in dessen Stammbaum bestimmt der ein oder andere Ork mitgemischt hat. Diesen besiegte ich dann zügig, Alarik schnappte sich Jonas und Hildegard den schmächtigen Zauberer.
Wir hätten den Zauberer vielleicht nicht so unterschätzen sollen: Der Eiszauber hatte ungefähr die Wirkung einer Schneeflocke, aber sein Feuerball hat gereicht das Lagerhaus in Brand zu setzen. Alarik hat Jonas noch den Ring abgenommen und den bewusstlosen Magier konnten wir auch noch rechtzeitig nach draussen schleppen als schon zahlreiche Männer der Stadtwache, durch das Feuer alarmiert, auf uns zu kamen. Schnell behauptete ich, dass wir den jungen Bewusstlosen kennen würden und wir ihn sicher nach Hause bringen können. Und auch hat sich so schnell das Problem mit dem fehlenden Gerber erledigt: Wir sagten einfach, dass er im Feuer umgekommen sei.
Dagor, so heißt der Zauberer, verwahrten wir dann erst mal im Keller des Gerbers. Erst weigerte er sich mit Informationen rauszurücken, aber das konnte ich ihm schnell austreiben. Erst schaufelte ich ein Grab für seinen Freund den Gerber und dann drohte ich ihm, dass ich ihn auch gleich mit begraben kann, wenn er doch eh keine Informationen hat... Verdammt, ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal machen würde... Ich habe Dagor dann tatsächlich auf den Gerber geworfen und begonnen ihn mit Erde zu bedecken. Immer wenn ich die Augen schließe, höre ich sein verzweifeltes Wimmern. Aber es musste sein... Wir brauchen diese Informationen um die Schwarzmagier auszulöschen. Für das Gemeinwohl habe ich so das beste getan, doch... Einen Menschen foltern? Was ist bloß aus mir geworden!?
Nun haben wir die Namen der restlichen Mitglieder des Zirkels und ihren Plan.
Dagor darf die Nacht in einem der Fässer verbringen, so ist wenigstens sicher gestellt, dass auch wenn jemand den Keller betritt unsere Taten nicht gleich ans Tageslicht kommen.
Am Morgen des heutigen Tages wollten wir wieder zu ihm zurück, aber dann kam uns ein Auftrag der Händler dazwischen: Einen Transport ins nahegelegene Lissar bewachen.
Doch wurden nicht nur wir zur Verteidigung angeheuert, sondern auch ein junger, exotisch aussehender Mann mit dem Namen Jamal. Der Orkangriff sitzt den Händlern wohl noch tief in den Knochen. Nie habe ich einen Mann so seltsam sprechen hören und auch seine ganze Art irritierte mich sehr. Auch wenn er uns bei den Nachforschungen zu dem Lissarer Bürgermeister sehr weitergeholfen hat, so war ich doch froh ihn am Ende wieder loszuwerden. Dieser Bürgermeister ist übrigens auch ein Schwarzmagier.
So konnten wir Dagor erst vor zwei Stunden aufsuchen und ihn versorgen. Hildegard und Alarik trauten meiner Befragungsmethode nicht und besorgten sich ein Wahrheitsserum um ihm auch die letzten Geheimnisse zu entlocken. Vergeblich. Der hat uns bereits alles gesagt was er weiß.
Nur was stellen wir jetzt bloß mit dem Jungen an?

Dienstag, 19. April 2011

6. Mai 651 (Hildegard)

Ich habe den Ring zurückgebracht und Jonas der Perversling ist tot! Wir haben ihn und einige seiner Kumpane aus diesem dummen schwarzmagischen Zirkel heute in den Docks gestellt! Die Informationen von Thais haben uns direkt zu ihnen geführt.
Apropos Thais, weißt du wo Alarik die letzte Nacht verbracht hat, liebes Tagebuch? Während ich mir schreckliche Sorgen um ihn gemacht habe, war der Kerl doch tatsächlich die Nacht über bei Thais! Als es morgens noch keine Spur von Alarik gab, ahnte ich schon soetwas und als Dvalinn und ich bei Thais eintrafen, hing an ihrem Hals tatsächlich der Opal-Anhänger, den wir gestern zusammen gekauft haben! Unglaublich....und als er auftauchte, war Alarik außerdem noch frisch gebadet, mit frischer Kleidung und sein störrisches Haar, bei dem es mich immer in den Fingern juckte, war plötzlich gleichmäßig geschnitten und ordentlich gekämmt!! Ein Anblick mit dem ich in diesem Leben nicht gerechnet hätte. Ich weiß gar nicht was ich mehr sein sollte, beeindruckt über die Kunst von Thais, oder wütend auf Alarik für den Schrecken den er uns eingejagt hat?
Jedenfalls hat uns ihre Information direkt zu der richtigen Lagerhalle geführt, an die wir uns dann auch sofort ranpirschten. Wir entschieden uns keine Zeit verstreichen zu lassen und den Ort so schnell wie möglich auszukundschaften. Alarik schlich sich an und hörte einige Stimmen in der Halle. Leider schienen wir ihnen aufgefallen zu sein, während wir uns von draußen anschlichen. Wir sollten das nächste mal auf jeden Fall VORHER einen Schlachtplan besprechen und nicht erst vor Ort! Als wir hineinstürmten, waren die Männer drinnen offenbar vorbereitet und uns schlug direkt ein großer Feuerball entgegen. Alarik ging auf Jonas los, den er als erster erspähte und Dvalinn versuchte sich am kräftigsten Kerl der Truppe, während ich mich mit einem bleichen Magier herumschlug. Glücklicherweise schien er kein sonderlich großer Meister seines Faches zu sein, die meisten seiner Sprüche zeigten keine Wirkung , außer leichtem Frösteln oder Tau an unseren Rüstungen. Ich hielt ihn ganz gut in Schach, bevor einer seiner Feuerbälle die ganze Halle in Brand setzte. Zu dieser Zeit lag Jonas bereits am Boden, Alarik schien seiner Wut in diesem Falle freien Lauf gelassen zu haben. Uns blieb nur noch Zeit uns aus der brennenden Halle zu retten, bevor alles in sich zusammenstürzte. Den Magier hatten wir noch außer Gefecht setzen und mitnehmen können. Draußen kamen uns prompt Menschen entgegen, die den Knall gehört und das Feuer bemerkt hatten. Sie begannen sofort mit Löscharbeiten und wir gaben vor kurz zuvor an der brennenden Halle vorbeigekommen und hineingestürmt zu sein. Den Magier gaben wir als Geretteten aus und Dvalinn erzählte direkt herum, dass weitere Männer in den Flammen umgekommen seien, weil wir sie nicht rechtzeitig hinausbringen konnten. Man wollte uns den Verletzten abnehmen, aber wir gaben ihn als Bekannten aus und versprachen sofort ihn nach Hause zu bringen, damit die anderen Anwesenden sich auf die Löscharbeiten konzentrieren konnten. Dvalinn hatte noch immer den Schlüssel zum Haus des Gerbers bei sich, also brachten wir den Magier Dagor dorthin. Wir befragten ihn eingehen, vor allem unter Abwesenheit von Alarik und Licht im Keller des Gerbers. Dagor nannte uns seinen Namen und den von weiteren Mitgliedern im Zirkel, sein Widerstand war deutlich leichter zu brechen als der des Gerbers. Außerdem schien Dvalinn seine Technik ebenfalls verfeinert zu haben. Ich beschloss ihm die Befragung für eine Weile allein zu überlassen und ging zu Alarik hinauf, wo ich den Ring untersuchte, den Alarik Jonas vor unserer Flucht noch abgenommen hatte. Bei der Diskussion über die weitere Zukunft des Magiers setzte ich mich durch und wir beschlossen ihn über Nacht im Keller zu behalten, diesmal aber im Kontor zu übernachten. Dvalinn wollte dafür sorgen, dass Dagor nicht so schnell entdeckt werden würde. Wir gingen also zurück zum Kontor, wo ich nach dem Essen um ein Gespräch bei Liutprant bat. Unter vier Augen zeigte ich ihm den magischen Ring, der ihm gestohlen wurde und bat ihn keine allzu direkten Fragen zu stellen, wie wir ihn wiederbeschafft hätten. Leider konnte ich ihm keine Auskunft über die genaue Funktion der Magie geben, die auf dem Ring lag. Ich versprach alles in meiner Macht stehende zu tun um dies aber noch herauszubekommen, weil meine Neugier längst geweckt war. Was ist das für ein Frauenring aus Ragnaron, der bei einer Leiche im Wald gefunden wurde? Was für eine Magie liegt auf ihm? Und hat er irgendetwas mit der vor einigen Jahren zu Tode gekommenen Fürstin von Ragnaron zu tun? Wenn ja, wäre es schon ein großer Zufall, der diesen Ring in die Hände des Händlers Liudprant und anschließend in die meinen trieb. Aber die Götter ziehen an vielen Strippen, die wir nicht einmal erahnen können.

Freitag, 15. April 2011

5. Mai 651 -abends- (Hildegard)

Weiß jetzt wieder, warum ich so lange nicht mehr in der Gegend war! Ravensloft ist mit Sicherheit einer der unangenehmsten Orte an denen ich bisher war. Überall diese trockene, rote Erde die sich wie Staub über alles legt und die Menschen erst.... als ob Nachts der ganze Pöbel des Reiches zusammenkäme. Und wie in jeder guten Garnisonsstadt, besteht ein Drittel der eigentlichen Stadt aus einem Vergnügungsviertel. Das allein würde mich ja wenig stören. Wenn man hier aber selbst als Frau in Rüstung nicht unbehelligt durchgehen kann, dann finde ich das schon ziemlich anstrengend. Was sich diese Typen überhaupt herausnehmen, wenn sie erstmal getrunken haben!
Jedenfalls kamen wir trotz der guten Vorsätze direkt wieder in eine Schlägerei diesen Abend! Und jetzt rate mal, wer sich diesmal wieder provoziert fühlte? Richtig! Der gute Alarik. Der Junge muss mal dringend abkühlen, denke ich. Wobei er diesmal wirklich nur versuchte für mich in die Bresche zu springen, nachdem mal wieder ein paar Typen in der Kneipe lauthals Interesse an mir bekundeten. Frau in Rüstung fällt dann wohl doch auf.
Naja, jedenfalls ließ Alarik sich auf eine Wette mit demjenigen ein der die lauteste Stimme hatte und wir fanden uns draußen zum Zweikampf wieder. Ich konnte zumindest soweit besänftigend auf die Männer einreden, dass sie sich zum waffenlosen Kampf entschlossen. Als sich plötzlich einige Leute versammelten und Dvalinn begann Wetten auf die beiden Kontrahenten anzunehmen, befürchtete ich die Situation könne mal wieder eskalieren.
Ich wettete selbstverständlich auf Alarik, nachdem Dvalinn der Treulose schon in der ersten Sekunde für seinen Gegner stimmte! War zwar ein kräftiger Kerl, aber was fällt einem ein in so einer Situation nicht zum eigenen Kameraden zu halten? Und mit mir auf seiner Seite sah es sowieso besser für Alarik aus. Eine kleine Berührung hinter dem Rücken und schon war er trotz der eingesteckten Schläge wieder erstaunlich fit. Und gewonnen hat er natürlich auch.
Es macht ganz den Anschein, als würde dieser Tag nur aus Schlägereien bestehen, aber im Grunde waren wir heute eigentlich mit etwas völlig anderem beschäftigt. Wir wollten ja noch zu Thais wegen der Informationen, die sie uns in ihrem Brief versprach. Nun, wir waren auch dort. Ein unerwartet seltsamer Besuch. Ihr Haus war unheimlich geschmackvoll und richtig edel eingerichtet, sie schafft es sogar einen kleinen Garten in dieser Gegend am Leben zu erhalten! Ihr Kleid war wunderschön und gebildet ist sie auch. Sie scheint sehr belesen zu sein und interessierte sich ehrlich für meine Reisen. Fast kam es mir vor als hätten wir durch ihre Tür einen anderen Teil der Stadt betreten, als wäre ihr Haus nicht mehr so recht in Ravensloft. ..
Und sie hat einen Hausdiener, stell dir das mal vor! Ich kann nicht umhin als ein wenig ins Schwärmen zu kommen. Sähe mein Leben so ähnlich aus, wenn ich in Weyersdorf geblieben wäre? Würde ich dann heute auch einen Haushalt führen? Oder führt meine Schwester heute vielleicht ein vergleichbares Leben? Einige Kinder hat sie sicher schon und einen Mann zu versorgen. Aber sicherlich nicht so wie Thais...eine kleine Familie wie wir sie waren, das kann ich mir gut für Adalgunde vorstellen. Sie war schon immer mehr so der häusliche Typ. Und bestimmt nicht weniger hübsch als es die gute Thais ist...... Naja, ganz so luxuriös wie Thais würde ich wohl nicht leben, selbst wenn ich in der Heimat geblieben wäre. Sie verdient offensichtlich sehr gut. Schmuck und Geld und Güter...
Dennoch.......sie käme wohl nicht mit den Anforderungen eines Lebens unterwegs klar, so wie ich es führe. Mag sie noch so belesen sein, ihr Leben gleicht mehr dem eines Vogels im goldenen Käfig. Würde ich mit ihr tauschen wollen? Wohl kaum.
Was wollte ich eigentlich sagen? Achja, die Informationen! Naja, Thais wusste, dass Jonas ein Lagerhaus bei den Docks hat. Dass er sich dort aufhalten muss, habe ich mir nach dem Besuch im Bordell auch schon zusammengereimt. Aber sie sagt sie kann bis Morgen herausfinden, wo genau sein Lagerhaus liegt. Und das hilft uns sehr weiter! Das heißt wir gehen Morgen nochmal zu ihr. Ich glaube ich würde Alarik am liebsten Zuhause lassen, so peinlich wie er sich benimmt... Aber er ist derjenige, der die meiste Freude an unseren Besuchen bei ihr zu haben scheint. Seinem dämlichen Gesichtsausdruck, ständigem Gesabber und Gestarre nach zu urteilen... Als ob er noch nie eine Frau gesehen hätte!
Und was für ein Kompliment für mich das ist.... Aber ich glaube über sowas denkt er gar nicht nach, Höflichkeit ist nicht so sein Ding. Da nehmen sich Alarik und Dvalinn wirklich nichts.
Wobei Alarik es wenigstens schaffte mich nicht ganz vor den Kopf zu stoßen, als er meine Hilfe brauchte um ein hübsches Schmuckstück beim Markt auszusuchen für seine Angebetete. Ganz im Gegensatz zu Dvalinn, wie ich mich noch gut erinnern kann... Glücklicherweise bin ich ja auch nicht aus Zucker. Aber ständig Männern zu helfen Geschenke für andere Frauen auszusuchen... Und dann im besten Falle noch den Preis für die völlig unbegabten Jungs ein wenig runterzuhandeln.... Bin ich eigentlich sowas wie ihre Mutter??
Ich wünschte es würde auch mal jemand an mich denken und ich bekäme eine schöne Brosche oder so einen Anhänger wie Alarik heute gekauft hat. Aber ich fürchte da hoffe ich vergebens, liebes Tagebuch. Ich lege mich jetzt erstmal schlafen und höre auf mich darüber zu ärgern, dass Alarik so viel Geld für ein Geschenk für eine Frau ausgibt, bei der er sowieso nicht wird landen können. Sie schien alles andere als interessiert an ihm...Da geht es Dvalinn wohl besser mit seiner Svea!

Nachtrag
Alarik ist verschwunden! Ich bin in ziemlicher Sorge, weil Alarik sich plötzlich seine Sachen nahm und das Zimmer verließ. Ich bin ihm gefolgt, aber konnte ihn nicht mehr finden.
Der Zwerg hat ihn nur ein wenig aufgezogen und ich dachte er könnte es ab, wenn ich nochmal in die selbe Kerbe schlage. Es war ja nur ein kleiner Spaß, halb so wild! Und vielleicht war ja sogar was wahres dran, ich habe es immerhin wirklich nicht böse gemeint. Und Dvalinn auch nicht. Und jetzt ist er plötzlich weg und ich habe keine Ahnung, wo er in dieser Stadt hingegangen sein könnte! Es wird recht kalt nachts und die Straßen sind hier gefährlich. Und er kennt sich doch in Städten auch nicht so gut aus und hat sich bereits einmal in Ravensloft verlaufen.
Oh, ich hoffe wirklich, dass Alarik jetzt nichts zustößt nur wegen unseres kleinen Scherzes! Hoffentlich ist er so intelligent und nimmt sich wenigstens ein Zimmer irgendwo. Ich kann ihn auf jeden Fall nicht finden und auf gut Glück die ganze Stadt nach ihm abzusuchen verspricht auch nur wenig Erfolg. Und nachher bin ich es die so dumm war sich in Gefahr zu begeben, während sich Alarik wenigstens irgendwo ein Zimmer genommen hat.... Ich muss ihm da jetzt einfach mal vertrauen und hoffen, dass er vielleicht wieder zurück kommt oder einen anderen Platz zum Schlafen findet. Vielleicht tut ihm die Ruhe auch ganz gut. Wir werden ihn Morgen mal gemeinsam suchen gehen, wenn er nicht sowieso später wieder zurückkommt. Ich lege mich erstmal wieder schlafen.

Donnerstag, 14. April 2011

5. Mai 651 (Hildegard)

Bei meiner Göttin, dieser Jonas ist ein noch größeres Schwein als ich dachte! Ich habe ja bereits nichts Gutes von ihm angenommen, aber dieser Typ und diese ganze Stadt werden mir zunehmend unsympathischer!
Gerade eben haben wir uns auch nur mit Mühe noch ins Kontor retten können um noch schlimmerem zu entgehen, als wir bereits angerichtet haben. Alarik und Dvalinn werden uns noch in die größten Schwierigkeiten bringen, wenn sie so weitermachen! Die Schlägerei eben war ja nur das letzte in einer Reihe von Übeln die die letzte Nacht waren. Ich glaube ja, dass Alarik es wirklich gut gemeint hat und mich auch verteidigen wollte, nicht zuletzt war es aber sein verletzter Stolz der uns beinahe in den Kerker von Ravensloft gebracht hätte. Wenn wir uns nicht sowieso schon mit unseren vorigen Taten in dieser langen Nacht dorthin manövriert haben....
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll liebes Tagebuch. Du siehst ich bin noch immer völlig aufgebracht und kann nach wie vor kaum glauben, was ich letzte Nacht alles erlebt habe!
Es ging zuerst harmlos und beinahe spaßig los, als ich den Jungs als Mann verkleidet die Treppe herunter entgegenkam. Dvalinn bemerkte gar nicht erst wer sich hinter dieser Verkleidung versteckte und reagierte völlig verwirrt, als Alarik schmunzelnd zum Aufbruch gen Stadt rief, als ich mich zu ihnen gesellte. Ein wenig aufgekratzt brachen wir dann auf und fielen in die erstbeste Kneipe die wir fanden. Überall hörten wir uns nach Jonas um, aber ohne größeren Erfolg. Dann wollte der Zwerg plötzlich in eine ganz bestimmte Kneipe und wir sagten zu, in dem Glauben, dass eine Kneipe hier so schlecht wie die andere sei. Wir wurden eines besseren belehrt, denn statt immer weniger bekleideten Bedienungen fanden wir dort ein...offensichtlich nicht zum gemeinsamen Trinken gedachtes Etablissement vor. Alarik war wohl vom Anblick der nahezu unbekleideten Frauen in Käfigen dermaßen schockiert, dass er den Laden fast schneller rückwärts verließ, als wir ihn betreten hatten. Er wird wohl nicht so viel Erfahrung mit Frauen haben, denke ich. Bei der bloßen Erwähnung oder Berührung mit Brüsten ist er bereits heute mehrmals aus dem Konzept gekommen. Ich fand den Anblick allerdings auch nicht besonders erbaulich. Der Zwerg war wohl ein wenig irritiert und staunte über ..sagen wir mal den originellen Geschmack und die vielfältige Auswahl in diesem Etablissement. Die Orkin schien ihn besonders zu fesseln. Wir machten ab, dass er sich schon mal umhören solle, während ich mich um Alarik kümmern und ihn zurückholen solle.
Ich fand ihn auch recht bald einige Meter weiter die Straße runter, wie er sich gegen die Zudringlichkeiten eines schmächtigeren jungen Mannes wehrte. Ein etwas ungleicher Kampf, wie ich meine...Ich ging mit einem beherzten „Finger weg, der gehört zu mir!“ dazwischen und Alarik schien ehrlich erleichtert, als der junge Mann entschuldigend die Hände mit einem „Sorry Lady!“ wegzog. Alarik schien weder zu merken, dass der andere meine Verkleidung offensichtlich durchschaut hatte, noch, dass ich ihn mit diesem Satz eigentlich auch ein wenig aufziehen wollte. Er war aber weniger froh mich zu sehen, als ich ihm eröffnete, dass ich beabsichtigte ihn wieder in das Lokal von eben zurückzuschaffen. Ich versuchte dem störrischen Waldschrat klarzumachen, dass er für die Sache auch mal über seinen Schatten springen müsse und das ich ja schließlich auch bereit wäre das zu tun. Das Ganze mündete schlussendlich in einer Art Kräftemessen, für die Alarik stur den Jungen am Kragen packte und in die nächste Kneipe schleifte, während ich Dickkopf mich dazu verpflichtet habe, zurück in das Bordell zu gehen und mich selbst um die Befragung zu kümmern. Genauere Gedanken hatte ich mir leider nicht dazu gemacht, aber als Alarik schnurstracks mit dem Strichjungen abzog, war die Sache besiegelt und ich ging zurück ins Bordell. Dvalinn war bereits verschwunden und ich konnte nur erahnen, wo er gerade steckte. Die Zwergenprostituierte war ebenfalls weg, deshalb dachte ich mir meinen Teil und hoffte einfach, dass Dvalinn den Grund unseres Kommens nicht völlig vergäße.
Ich setze mich also erstmal an die Bar und faselte mir etwas zusammen vonwegen ich warte auf meinen Freund Jonas, wir sind jetzt hier verabredet blabla. Immer in der Angst ich könnte jeden Moment als Frau auffallen. Aber die hochgeschlossene Dame an der Theke ging nach kurzem Zögern tatsächlich auf meine Geschichte ein, die wohl glaubwürdiger rüberkam, als ich in meiner Nervosität dachte. Ich wurde zunehmend sicherer und zog am Ende mit dem Mädchen ab, mit dem Jonas wohl vor wenigen Tagen noch zusammen gewesen ist. Ich buchte den selben Raum, wurde mit dem Mädchen in den Keller gebracht und trat ein.
Bis zu diesem Punkt würde ich sagen, ging an diesem Abend eigentlich noch alles gut. Aber der Keller entpuppte sich als wahrhafter Folterkeller mit allerlei Werkzeugen und Dingen, an die ich nicht mal zurückdenken möchte! Und dort tat dieser ekelhafte Jonas Dinge mit der gerade 19-jährigen Ilona, die mir auch jetzt noch die Haare zu Berge stehen lassen! Auspeitschen lassen muss sich das arme Ding! Und meine Fragen verwirrten das bedauernswerte Geschöpf genauso wie mein mangelndes Interesse irgendetwas zu tun, was nicht damit zu tun hatte ihr Fragen zu stellen. Kurzgesagt fand sie schließlich heraus, dass ich mich nur als Mann verkleidet hatte und ich versprach ihr sie dort so bald wie möglich rauszuholen, egal wie! Und dieses Versprechen werde ich auch einhalten, komme was wolle! Stell dir vor, ein Dutzend Frauen, gefesselt und eingesperrt in Käfigen werden dort wie Sklavinnen gehalten. Ich kann meine Wut kaum ausdrücken und hatte alle Mühe mich irgendwie zusammen zu nehmen, als ich wieder hoch in den Eingangsbereich kam und meine Rechnung begleichen musste. Aber wie hätte ich mich allein mit einem Dolch bewaffnet gegen den Schrank von Türsteher zur Wehr setzen sollen? Nein, dieses Problem musste anders gelöst werden und nicht mit einem unbedachtem Wutausbruch.
Aber wie gerne ich es getan hätte..! Meiner Wut Ausdruck verliehen.....Ich würde das Bordell zu gerne bei der Stadtwache melden, sobald ich hier fertig bin! Aber zuerst müssen wir noch etwas erledigen und dann auf dem Rückweg werde ich es wohl melden! Und wenn ich mir etwas einfallen lassen muss, woher ich diese Information habe, die Wachen MÜSSEN sich das einfach ansehen, unter was für unwürdigen Bedingungen die Frauen dort leben. Sklavinnen! Und das ist doch wohl eindeutig illegal.

Aber ich sollte jetzt besser zügig mit meiner Zusammenfassung fortfahren, damit ich alles weitere in Angriff nehmen kann.
Ich kam also aus dem Bordell raus, keine Spur von Dvalinn. Ich ging in das nächste Lokal in dessen Richtung Alarik abgezogen war und fand ihn wie erwartet auch dort, an einem Bier nippend. Neben ihm saß der junge Mann der sich als Hernandez vorstellte und Alarik wohl für eine Weile Gesellschaft geleistet hat, ohne über besonders wichtige Informationen verfügt zu haben. Daraus schließe ich, dass Alarik ihm wohl lieber ein Bier spendierte, anstatt mir in das Bordell nachzufolgen. Er betrachtete seinen Teil der Abmachung wohl für erledigt und verbrachte die Zeit lieber mit einem Bier und einem Prostituierten.
Dvalinn war auch bereits vor mir eingetroffen und redete immerfort von einer Orkin und steckte die anderen Jungs damit an. Wobei ich das Thema schnell vom Tisch fegte und ihnen eröffnete, was ich von Ilona und meinem Besuch im Folterkeller erfahren habe. Dabei sparte ich großzügig alles aus, was nicht direkt damit zu tun hatte, dass Jonas ein unglaubliches ...ein unglaublich unsympathischer Kerl ist und dieses Etablissement so bald wie möglich ausgehoben gehört. Und, dass ich wusste wo ungefähr sich Jonas wohl aufhalten müsse.
In der Zwischenzeit richtete sich allerdings die allgemeine Aufmerksamkeit mehr auf die hübsche Frau auf der anderen Seite des Lokals und ihr Dekolleté . Alarik war vollends abgemeldet, Hernandez verabschiedete sich bald um noch ein wenig Geld an diesem Tag zu verdienen (denn wir ließen uns nicht von ihm überreden, keiner von uns) und Dvalinn war auch keine große Hilfe mit den wenigen Informationen, die er von der Zwergin hatte. Weshalb er knapp eine Stunde dafür brauchte um herauszufinden, dass Jonas häufiger mal in das Bordell kommt und dann meistens eine der menschlichen Frauen mit auf ein Zimmer nimmt ist mir absolut schleierhaft! Diese Information habe ich nach weniger als fünf Minuten Gespräch mit der Frau an der Bar gehabt.
Wären wir ohne mich jetzt überhaupt einen Schritt weiter? Dvalinn hat ja noch vorgeschlagen das Bordell in Zukunft zu beschatten, bis Jonas wieder auftaucht. Was für eine grandiose Idee. Manchmal frage ich mich schon, ob das hier so eine gute Idee ist mit den beiden....
Auf jeden Fall saßen wir also in diesem Lokal und das Gespräch an dem Tisch mit oben genannter Frau, die zugegebenermaßen ausgesprochen hübsch ist, wurde plötzlich interessant. Man sprach über Jonas, denn der Begleiter, bzw. mit teurem Schmuck zahlende Liebhaber der Frau war offenbar ein Freund des berüchtigten Jonas. Und sie machte uns nicht ungern darauf aufmerksam, da sie unsere Abneigung gegen ihn wohl in gewissem Maße teilt.
Kurzentschlossen lief ich durch das Lokal, ließ mich auf einen Stuhl direkt gegenüber dem Mann fallen und schaute ihn an, während ich mit unverhohlener Genugtuung und kaum versteckter Abscheu nach Jonas fragte. Meine Wut und die beiden bedrohlich hinter mir aufgebauten Männer trugen wohl dazu bei, dass seine Entrüstung sehr schnell in Furcht umschlug. Wir beschlossen, dass der Mann unsere Rechnung begleichen und von uns nach Hause begleitet werden wollte, hakten ihn unter und verließen das Viertel. Es stellte sich heraus, dass der Mann Gerber war, ein Häuschen im Handwerkerviertel besaß und mit Jonas in einem schwarzmagischen Zirkel aktiv war.
Wie wir das herausbekamen? Intensives Ausfragen und ein paar unlautere Mittel dürften ihn bewogen haben uns einiges zu erzählen. Wir fanden auch ein Kästchen mit magischen Kristallen in seinem Häuschen, was seine Aussagen bestätigte. Der Gerber trug wohl einige Verletzungen und Knochenbrüche davon, bevor wir uns entschlossen die Nacht über in seinem Haus Wache zu halten, falls noch ein anderer Bekannter auf die Idee kam mal nach ihm zu schauen. Glücklicherweise verfügte der Gerber über einen Keller mit praktischer Falltür, der sich perfekt für unsere Zwecke eignete. Ich verbrachte die Nacht weich auf einige Felle gebettet, während Dvalinn sich oben das Bett gesichert hatte und Alarik mitten in seiner Wache einschlief. Dafür waren wir am nächsten Morgen zumindest ausgeschlafen und munter. Ich bereitete ein zweckmäßiges Frühstück für die Jungs und mich mit dem was ich im Haus finden konnte. Und dann beschloss Dvalinn die Sache mit dem Gerber endgültig zu beenden. Alarik hielt sich so gut er konnte von Dvalinn fern, weil der Zwerg wirkte als würde er Spaß am Foltern haben. Selbst mir fiel das auf, wobei ich mich wohl in Alariks Augen auch nicht mit Rum befleckt habe. Ich denke aber, dass manchmal auch unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssen und man kann nicht jeden mit Samthandschuhen anfassen. Alarik drückte sich einfach vor der Verantwortung, während wir die Drecksarbeit geleistet und auf unsere Schultern geladen haben.
Jedenfalls erledigte Dvalinn für uns alle den unangenehmsten Teil und Alarik zeigte mir unter vier Augen einen Zettel, den er gestern wohl noch von der schönen Dame zugesteckt bekommen hat. Leider musste ich ihm mitteilen, dass es sich nicht um einen Liebesbrief oder ähnliches handelte, sondern eine Einladung an uns Drei bei ihr vorbeizukommen, wenn wir mehr Informationen über Jonas suchen. Deshalb werden wir uns auch gleich zur von ihr genannten Adresse begeben. Ich bin gespannt, was uns diese Frau denn über Jonas wird erzählen können.
Aber in Zukunft werde ich vielleicht nochmal mit Alarik reden müssen. Ob ihn das nicht doch stört, dass er nicht Lesen kann? Ich war jedenfalls sehr überrascht und stelle mir das Leben ohne Lesen und Schreiben zu können sehr schwierig und vor allem auch um einiges leerer vor. Und an seiner Selbstbeherrschung sollten wir vielleicht auch mal arbeiten... ich denke da nur an die Situation von eben, wo wir uns nur knapp hierher flüchten konnten. Ich habe leider ein kleines Debakel ausgelöst, als ich in Männerkleidern vom Haus des Gerbers aus zum Kontor lief. Da wir ja dort übernachtet haben, hatte ich nichts anderes mit. Ich war also gezwungen in Männerkleidung zu gehen und entschied mich in Hemd und Hose den Rückweg anzutreten, es würde uns schon niemand sehen so früh am Morgen...Aber ich irrte mich. Ein paar Betrunkene waren noch unterwegs und nahmen sich unheimlich wichtig. Sie lachten und machten unangebrachte Witze über meine Kleidung. Da ich mich bei Alarik untergehakt hatte - weil ich mich ehrlich gesagt doch ziemlich unwohl fühlte in dieser Stadt ohne Rüstung und Waffen, dafür aber in Männersachen – gingen die Sprüche direkt gegen uns beide. Am Ende platzte Alarik dann doch der Kragen, weil sie an seinem männlichen Stolz kratzten. Es gab eine ordentliche Prügelei an der sich jeder Anwesende ausgiebig beteiligte (ich konnte Alarik dann doch nicht allein lassen, als ihm zugesetzt wurde) mit schlechtem Ausgang für die anderen. Als Dvalinn dann anfing die Taschen der Bewusstlosen untersuchen zu wollen, wurde mir alles endgültig zu viel, ich rief ihn zur Ordnung und schlug vor lieber schleunigst zu verschwinden. Als die Jungs dann das aufgeregte Reden herannahender Einwohner hörten die nachsehen wollen, was da auf dem Platz für ein Lärm war, stimmten sie mir wohl zu und wir rannten Richtung Kontor und hingen die wütende Menge nur knapp ab. Jetzt sollten wir uns erstmal bedeckt halten und hoffen, dass niemand uns dabei erkannt hat und wir den Händlern nicht auch noch unnötig Ärger machen. Wir warten jetzt ein wenig ab und machen uns dann auf den Weg.