Bei meiner Göttin, dieser Jonas ist ein noch größeres Schwein als ich dachte! Ich habe ja bereits nichts Gutes von ihm angenommen, aber dieser Typ und diese ganze Stadt werden mir zunehmend unsympathischer!
Gerade eben haben wir uns auch nur mit Mühe noch ins Kontor retten können um noch schlimmerem zu entgehen, als wir bereits angerichtet haben. Alarik und Dvalinn werden uns noch in die größten Schwierigkeiten bringen, wenn sie so weitermachen! Die Schlägerei eben war ja nur das letzte in einer Reihe von Übeln die die letzte Nacht waren. Ich glaube ja, dass Alarik es wirklich gut gemeint hat und mich auch verteidigen wollte, nicht zuletzt war es aber sein verletzter Stolz der uns beinahe in den Kerker von Ravensloft gebracht hätte. Wenn wir uns nicht sowieso schon mit unseren vorigen Taten in dieser langen Nacht dorthin manövriert haben....
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll liebes Tagebuch. Du siehst ich bin noch immer völlig aufgebracht und kann nach wie vor kaum glauben, was ich letzte Nacht alles erlebt habe!
Es ging zuerst harmlos und beinahe spaßig los, als ich den Jungs als Mann verkleidet die Treppe herunter entgegenkam. Dvalinn bemerkte gar nicht erst wer sich hinter dieser Verkleidung versteckte und reagierte völlig verwirrt, als Alarik schmunzelnd zum Aufbruch gen Stadt rief, als ich mich zu ihnen gesellte. Ein wenig aufgekratzt brachen wir dann auf und fielen in die erstbeste Kneipe die wir fanden. Überall hörten wir uns nach Jonas um, aber ohne größeren Erfolg. Dann wollte der Zwerg plötzlich in eine ganz bestimmte Kneipe und wir sagten zu, in dem Glauben, dass eine Kneipe hier so schlecht wie die andere sei. Wir wurden eines besseren belehrt, denn statt immer weniger bekleideten Bedienungen fanden wir dort ein...offensichtlich nicht zum gemeinsamen Trinken gedachtes Etablissement vor. Alarik war wohl vom Anblick der nahezu unbekleideten Frauen in Käfigen dermaßen schockiert, dass er den Laden fast schneller rückwärts verließ, als wir ihn betreten hatten. Er wird wohl nicht so viel Erfahrung mit Frauen haben, denke ich. Bei der bloßen Erwähnung oder Berührung mit Brüsten ist er bereits heute mehrmals aus dem Konzept gekommen. Ich fand den Anblick allerdings auch nicht besonders erbaulich. Der Zwerg war wohl ein wenig irritiert und staunte über ..sagen wir mal den originellen Geschmack und die vielfältige Auswahl in diesem Etablissement. Die Orkin schien ihn besonders zu fesseln. Wir machten ab, dass er sich schon mal umhören solle, während ich mich um Alarik kümmern und ihn zurückholen solle.
Ich fand ihn auch recht bald einige Meter weiter die Straße runter, wie er sich gegen die Zudringlichkeiten eines schmächtigeren jungen Mannes wehrte. Ein etwas ungleicher Kampf, wie ich meine...Ich ging mit einem beherzten „Finger weg, der gehört zu mir!“ dazwischen und Alarik schien ehrlich erleichtert, als der junge Mann entschuldigend die Hände mit einem „Sorry Lady!“ wegzog. Alarik schien weder zu merken, dass der andere meine Verkleidung offensichtlich durchschaut hatte, noch, dass ich ihn mit diesem Satz eigentlich auch ein wenig aufziehen wollte. Er war aber weniger froh mich zu sehen, als ich ihm eröffnete, dass ich beabsichtigte ihn wieder in das Lokal von eben zurückzuschaffen. Ich versuchte dem störrischen Waldschrat klarzumachen, dass er für die Sache auch mal über seinen Schatten springen müsse und das ich ja schließlich auch bereit wäre das zu tun. Das Ganze mündete schlussendlich in einer Art Kräftemessen, für die Alarik stur den Jungen am Kragen packte und in die nächste Kneipe schleifte, während ich Dickkopf mich dazu verpflichtet habe, zurück in das Bordell zu gehen und mich selbst um die Befragung zu kümmern. Genauere Gedanken hatte ich mir leider nicht dazu gemacht, aber als Alarik schnurstracks mit dem Strichjungen abzog, war die Sache besiegelt und ich ging zurück ins Bordell. Dvalinn war bereits verschwunden und ich konnte nur erahnen, wo er gerade steckte. Die Zwergenprostituierte war ebenfalls weg, deshalb dachte ich mir meinen Teil und hoffte einfach, dass Dvalinn den Grund unseres Kommens nicht völlig vergäße.
Ich setze mich also erstmal an die Bar und faselte mir etwas zusammen vonwegen ich warte auf meinen Freund Jonas, wir sind jetzt hier verabredet blabla. Immer in der Angst ich könnte jeden Moment als Frau auffallen. Aber die hochgeschlossene Dame an der Theke ging nach kurzem Zögern tatsächlich auf meine Geschichte ein, die wohl glaubwürdiger rüberkam, als ich in meiner Nervosität dachte. Ich wurde zunehmend sicherer und zog am Ende mit dem Mädchen ab, mit dem Jonas wohl vor wenigen Tagen noch zusammen gewesen ist. Ich buchte den selben Raum, wurde mit dem Mädchen in den Keller gebracht und trat ein.
Bis zu diesem Punkt würde ich sagen, ging an diesem Abend eigentlich noch alles gut. Aber der Keller entpuppte sich als wahrhafter Folterkeller mit allerlei Werkzeugen und Dingen, an die ich nicht mal zurückdenken möchte! Und dort tat dieser ekelhafte Jonas Dinge mit der gerade 19-jährigen Ilona, die mir auch jetzt noch die Haare zu Berge stehen lassen! Auspeitschen lassen muss sich das arme Ding! Und meine Fragen verwirrten das bedauernswerte Geschöpf genauso wie mein mangelndes Interesse irgendetwas zu tun, was nicht damit zu tun hatte ihr Fragen zu stellen. Kurzgesagt fand sie schließlich heraus, dass ich mich nur als Mann verkleidet hatte und ich versprach ihr sie dort so bald wie möglich rauszuholen, egal wie! Und dieses Versprechen werde ich auch einhalten, komme was wolle! Stell dir vor, ein Dutzend Frauen, gefesselt und eingesperrt in Käfigen werden dort wie Sklavinnen gehalten. Ich kann meine Wut kaum ausdrücken und hatte alle Mühe mich irgendwie zusammen zu nehmen, als ich wieder hoch in den Eingangsbereich kam und meine Rechnung begleichen musste. Aber wie hätte ich mich allein mit einem Dolch bewaffnet gegen den Schrank von Türsteher zur Wehr setzen sollen? Nein, dieses Problem musste anders gelöst werden und nicht mit einem unbedachtem Wutausbruch.
Aber wie gerne ich es getan hätte..! Meiner Wut Ausdruck verliehen.....Ich würde das Bordell zu gerne bei der Stadtwache melden, sobald ich hier fertig bin! Aber zuerst müssen wir noch etwas erledigen und dann auf dem Rückweg werde ich es wohl melden! Und wenn ich mir etwas einfallen lassen muss, woher ich diese Information habe, die Wachen MÜSSEN sich das einfach ansehen, unter was für unwürdigen Bedingungen die Frauen dort leben. Sklavinnen! Und das ist doch wohl eindeutig illegal.
…
Aber ich sollte jetzt besser zügig mit meiner Zusammenfassung fortfahren, damit ich alles weitere in Angriff nehmen kann.
Ich kam also aus dem Bordell raus, keine Spur von Dvalinn. Ich ging in das nächste Lokal in dessen Richtung Alarik abgezogen war und fand ihn wie erwartet auch dort, an einem Bier nippend. Neben ihm saß der junge Mann der sich als Hernandez vorstellte und Alarik wohl für eine Weile Gesellschaft geleistet hat, ohne über besonders wichtige Informationen verfügt zu haben. Daraus schließe ich, dass Alarik ihm wohl lieber ein Bier spendierte, anstatt mir in das Bordell nachzufolgen. Er betrachtete seinen Teil der Abmachung wohl für erledigt und verbrachte die Zeit lieber mit einem Bier und einem Prostituierten.
Dvalinn war auch bereits vor mir eingetroffen und redete immerfort von einer Orkin und steckte die anderen Jungs damit an. Wobei ich das Thema schnell vom Tisch fegte und ihnen eröffnete, was ich von Ilona und meinem Besuch im Folterkeller erfahren habe. Dabei sparte ich großzügig alles aus, was nicht direkt damit zu tun hatte, dass Jonas ein unglaubliches ...ein unglaublich unsympathischer Kerl ist und dieses Etablissement so bald wie möglich ausgehoben gehört. Und, dass ich wusste wo ungefähr sich Jonas wohl aufhalten müsse.
In der Zwischenzeit richtete sich allerdings die allgemeine Aufmerksamkeit mehr auf die hübsche Frau auf der anderen Seite des Lokals und ihr Dekolleté . Alarik war vollends abgemeldet, Hernandez verabschiedete sich bald um noch ein wenig Geld an diesem Tag zu verdienen (denn wir ließen uns nicht von ihm überreden, keiner von uns) und Dvalinn war auch keine große Hilfe mit den wenigen Informationen, die er von der Zwergin hatte. Weshalb er knapp eine Stunde dafür brauchte um herauszufinden, dass Jonas häufiger mal in das Bordell kommt und dann meistens eine der menschlichen Frauen mit auf ein Zimmer nimmt ist mir absolut schleierhaft! Diese Information habe ich nach weniger als fünf Minuten Gespräch mit der Frau an der Bar gehabt.
Wären wir ohne mich jetzt überhaupt einen Schritt weiter? Dvalinn hat ja noch vorgeschlagen das Bordell in Zukunft zu beschatten, bis Jonas wieder auftaucht. Was für eine grandiose Idee. Manchmal frage ich mich schon, ob das hier so eine gute Idee ist mit den beiden....
Auf jeden Fall saßen wir also in diesem Lokal und das Gespräch an dem Tisch mit oben genannter Frau, die zugegebenermaßen ausgesprochen hübsch ist, wurde plötzlich interessant. Man sprach über Jonas, denn der Begleiter, bzw. mit teurem Schmuck zahlende Liebhaber der Frau war offenbar ein Freund des berüchtigten Jonas. Und sie machte uns nicht ungern darauf aufmerksam, da sie unsere Abneigung gegen ihn wohl in gewissem Maße teilt.
Kurzentschlossen lief ich durch das Lokal, ließ mich auf einen Stuhl direkt gegenüber dem Mann fallen und schaute ihn an, während ich mit unverhohlener Genugtuung und kaum versteckter Abscheu nach Jonas fragte. Meine Wut und die beiden bedrohlich hinter mir aufgebauten Männer trugen wohl dazu bei, dass seine Entrüstung sehr schnell in Furcht umschlug. Wir beschlossen, dass der Mann unsere Rechnung begleichen und von uns nach Hause begleitet werden wollte, hakten ihn unter und verließen das Viertel. Es stellte sich heraus, dass der Mann Gerber war, ein Häuschen im Handwerkerviertel besaß und mit Jonas in einem schwarzmagischen Zirkel aktiv war.
Wie wir das herausbekamen? Intensives Ausfragen und ein paar unlautere Mittel dürften ihn bewogen haben uns einiges zu erzählen. Wir fanden auch ein Kästchen mit magischen Kristallen in seinem Häuschen, was seine Aussagen bestätigte. Der Gerber trug wohl einige Verletzungen und Knochenbrüche davon, bevor wir uns entschlossen die Nacht über in seinem Haus Wache zu halten, falls noch ein anderer Bekannter auf die Idee kam mal nach ihm zu schauen. Glücklicherweise verfügte der Gerber über einen Keller mit praktischer Falltür, der sich perfekt für unsere Zwecke eignete. Ich verbrachte die Nacht weich auf einige Felle gebettet, während Dvalinn sich oben das Bett gesichert hatte und Alarik mitten in seiner Wache einschlief. Dafür waren wir am nächsten Morgen zumindest ausgeschlafen und munter. Ich bereitete ein zweckmäßiges Frühstück für die Jungs und mich mit dem was ich im Haus finden konnte. Und dann beschloss Dvalinn die Sache mit dem Gerber endgültig zu beenden. Alarik hielt sich so gut er konnte von Dvalinn fern, weil der Zwerg wirkte als würde er Spaß am Foltern haben. Selbst mir fiel das auf, wobei ich mich wohl in Alariks Augen auch nicht mit Rum befleckt habe. Ich denke aber, dass manchmal auch unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssen und man kann nicht jeden mit Samthandschuhen anfassen. Alarik drückte sich einfach vor der Verantwortung, während wir die Drecksarbeit geleistet und auf unsere Schultern geladen haben.
Jedenfalls erledigte Dvalinn für uns alle den unangenehmsten Teil und Alarik zeigte mir unter vier Augen einen Zettel, den er gestern wohl noch von der schönen Dame zugesteckt bekommen hat. Leider musste ich ihm mitteilen, dass es sich nicht um einen Liebesbrief oder ähnliches handelte, sondern eine Einladung an uns Drei bei ihr vorbeizukommen, wenn wir mehr Informationen über Jonas suchen. Deshalb werden wir uns auch gleich zur von ihr genannten Adresse begeben. Ich bin gespannt, was uns diese Frau denn über Jonas wird erzählen können.
Aber in Zukunft werde ich vielleicht nochmal mit Alarik reden müssen. Ob ihn das nicht doch stört, dass er nicht Lesen kann? Ich war jedenfalls sehr überrascht und stelle mir das Leben ohne Lesen und Schreiben zu können sehr schwierig und vor allem auch um einiges leerer vor. Und an seiner Selbstbeherrschung sollten wir vielleicht auch mal arbeiten... ich denke da nur an die Situation von eben, wo wir uns nur knapp hierher flüchten konnten. Ich habe leider ein kleines Debakel ausgelöst, als ich in Männerkleidern vom Haus des Gerbers aus zum Kontor lief. Da wir ja dort übernachtet haben, hatte ich nichts anderes mit. Ich war also gezwungen in Männerkleidung zu gehen und entschied mich in Hemd und Hose den Rückweg anzutreten, es würde uns schon niemand sehen so früh am Morgen...Aber ich irrte mich. Ein paar Betrunkene waren noch unterwegs und nahmen sich unheimlich wichtig. Sie lachten und machten unangebrachte Witze über meine Kleidung. Da ich mich bei Alarik untergehakt hatte - weil ich mich ehrlich gesagt doch ziemlich unwohl fühlte in dieser Stadt ohne Rüstung und Waffen, dafür aber in Männersachen – gingen die Sprüche direkt gegen uns beide. Am Ende platzte Alarik dann doch der Kragen, weil sie an seinem männlichen Stolz kratzten. Es gab eine ordentliche Prügelei an der sich jeder Anwesende ausgiebig beteiligte (ich konnte Alarik dann doch nicht allein lassen, als ihm zugesetzt wurde) mit schlechtem Ausgang für die anderen. Als Dvalinn dann anfing die Taschen der Bewusstlosen untersuchen zu wollen, wurde mir alles endgültig zu viel, ich rief ihn zur Ordnung und schlug vor lieber schleunigst zu verschwinden. Als die Jungs dann das aufgeregte Reden herannahender Einwohner hörten die nachsehen wollen, was da auf dem Platz für ein Lärm war, stimmten sie mir wohl zu und wir rannten Richtung Kontor und hingen die wütende Menge nur knapp ab. Jetzt sollten wir uns erstmal bedeckt halten und hoffen, dass niemand uns dabei erkannt hat und wir den Händlern nicht auch noch unnötig Ärger machen. Wir warten jetzt ein wenig ab und machen uns dann auf den Weg.