Mittwoch, 20. April 2011

9. Mai 651 (Hildegard)

Die letzten Tage waren wieder unglaublich ereignisreich liebes Tagebuch!
Den Weg zum Kloster haben wir recht gut gefunden und Dagor konnten wir auch problemlos abliefern. Er wird sich sicher gut einfügen. Aber das Kloster war kein Stück weniger seltsam, als ich es befürchtet habe. Vielmehr war es sogar weitaus seltsamer als ich es jemals geahnt hätte!
Eigentlich in einer ruhigen Gegend gelegen, umgibt das Kloster eine unheimlich negative Atmosphäre. Ich kann es gar nicht besser beschreiben. Von weitem wirkte es so friedlich, eingehüllt in einen dämpfenden Nebel. Und als wir es verließen, war da diese unheimliche Wut.... so eine Wut wie ich sie selten verspürt habe in meinem Leben. Eine unbändige Wut auf dieses Kloster und diese Sekte und der tiefe, übermächtige Drang es mit einem Schlag von dieser Welt zu tilgen! Glücklicherweise konnten die Jungs mich noch davon abhalten, ich fürchte ansonsten hätte ich meinen Feuerball, den ich Dagor abgenommen habe gesprochen und auf dieses Kloster verschwendet. Doch es war alles andere als einfach mich zu überzeugen, obwohl ich vorher keinesfalls diese Wut verspürt habe und sie auch nachher verschwand wie sie gekommen war. Äußerst merkwürdig, wie ich schon sagte.... Und von weitem lag das Kloster wieder friedlich da. Wir beobachteten es noch, als wir schon wieder auf dem Rückweg waren. Die Jungs scheinen nicht weniger mitgenommen zu sein. Im Gegensatz zu mir verfielen sie in eine Art Lähmung, Dvalinn sah gar aus als hätte er einen Geist gesehen! Und das an dem Tag nachdem ich selbst von einer Art geisterhaften Erscheinung geträumt habe....
Aber der Tag war damit ja auch noch lange nicht beendet! Anstatt nach Ravensloft zurückzufahren mit dem Eselskarren, den Alarik morgens noch gemietet hatte, beschlossen wir den angebrochenen Tag zu nutzen und direkt nach Lissar durchzumarschieren.
Auf dem Weg machten wir noch Rast an einem traumhaften See! Das Wasser glitzerte im Sonnenlicht und wir ließen alle unsere Anspannung fallen. Dvalinn und ich schlossen uns sogar Alarik an und gingen gemeinsam schwimmen! Ich habe mich nicht einmal schlecht geschlagen beim Wettschwimmen, das muss ich schon sagen! Wir ließen unsere Ausrüstung am Ufer und plantschen ausgelassen eine Weile im Wasser. Und ich glaube die Sonne und gute Laune ist den Jungs ein wenig zu Kopf gestiegen, denn ich könnte schwören, dass sie mir beim Ausstieg aus dem Wasser versuchten auf die Brüste zu starren! Jedenfalls zog ich danach vor mir ein wenig abseits meine Wechselsachen zu nehmen und mich schnell umzuziehen, während meine nassen Kleider in der Sonne trockneten. Es kamen sogar ein paar Fischer auf Booten vorbei und boten uns Fisch an, den wir zu dritt am Ufer grillten. Alles in allem ein sehr entspannter Mittag!
Doch die Reise ging ja weiter! Wir zogen also nach dem Essen weiter Richtung Lissar, wobei ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits nach bester Möglichkeit als einfache Frau verkleidete. Sprich ich legte Rüstung und Waffen ab und löste mein Haar in der Hoffnung, dass ich mit leicht verändertem Auftreten nicht mehr als die Klerikerin erkannt werden würde, die gerade erst in Lissar war. Das ginge aber nicht, wenn wir wieder zu dritt als Gruppe auftreten, dachten wir uns. Also sollte Dvalinn alleine vorgehen und in der Taverne von Lissar so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie er nur konnte. Für einen Zwerg in Lissar kein schwieriges Unterfangen, Zwerge sehen die Leute da nicht oft. Sollte man ihn auf uns ansprechen, wollte Dvalinn einfach behaupten wir wären heute nicht dabei, sondern in Ravensloft geblieben oder etwas ähnliches. Alarik und ich hatten indes die Chance als Ehepaar getarnt unterzutauchen und unauffällig den Bürgermeister zu suchen und zu überwältigen.
Und Dvalinn tat seine Sache auch ausgesprochen gut! Als wir zu zweit in die Taverne kamen und uns einen Platz recht versteckt suchten, saß Dvalinn bereits laut fröhlich singend bei einem Barden und beide intonierten ein Trinklied nach dem anderen! Ich habe den Zwerg selten so ausgelassen erlebt, das muss ein Auftrag ganz nach seinem Geschmack gewesen sein. Und mit Bravour hat er ihn erfüllt! Alarik und ich fielen nicht im geringsten auf und konnten unauffällig nach dem Bürgermeister fragen, weil wir ja neu in die Stadt ziehen und ein neues Leben aufbauen wollten, oder so ähnlich. Wie es der Zufall so will, saß er an diesem Abend auch in der Taverne, weshalb wir ihm kurz nach seinem Abgang unauffällig folgen konnten. Wir schlichen ihm bis zu einer dunklen Seitengasse hinterher und überwältigten ihn, Alarik fesselte ihn mit der nächstbesten Leine die er finden konnte, während ich aus einem Stück meiner Kleidung einen Knebel improvisierte. Dann brachten wir ihn schnell zum Karren und warfen unsere Mäntel über ihn. Ich blieb dort um den Wagen zu bewachen, während Alarik Dvalinn in der Taverne ein Zeichen zum Aufbruch geben sollte, damit wir los könnten.
Das war der Zeitpunkt, an dem alles beinahe zu kippen drohte. Denn kaum war Alarik weg, näherten sich Schritte. Ich beeilte mich vom Wagen abzurücken und so unauffällig in der Gegend herumzustehen, wie ich nur konnte, damit wer auch immer des Weges kam möglichst schnell an mir vorbeilief ohne groß Notiz zu nehmen. Leider ging dieser Plan nicht auf, denn es war der Barde aus der Taverne und er schien es geradewegs auf mich abgesehen zu haben! Er kam direkt auf mich zu und sprach mich an, was mir in diesem Moment so gar nicht passte. Warum auch immer er ausgerechnet in diesem Moment draußen herumlaufen musste. Da hatte er weder etwas zu suchen, noch hatte ich die Muße auf seine fruchtlosen Flirtversuche einzugehen.Obwohl ich zugeben muss, dass er nicht ganz dumm zu sein schien. Zumindest ist ihm direkt aufgefallen, was wir in unserer Tarnung vergessen haben: Eheringe! Sollte ich mich jemals nochmal als Ehefrau ausgeben müssen, sollte ich unbedingt daran denken einen zu tragen! Diesmal wäre der Plan beinahe daran gescheitert. Glücklicherweise konnte ich ihm nach meiner ersten Überraschung und den unglücklichen ersten Versuchen glaubhaft vermitteln, dass ich eine zwar ehelose, aber dennoch keineswegs platonische Beziehung zu meinem Begleiter pflege und dass seine Anwesenheit deshalb nicht erwünscht sei. Und er verzog sich daraufhin auch wie er gekommen war. Wenigstens fragte er nicht auch noch, ob ich vielleicht meine nächste Nicht-Ehe mit ihm eingehen würde oder etwas ähnlich plattes...man trifft doch immer wieder auf Männer dieses Schlages!
Ich war ganz froh, dass dieser so viel Anstand besaß sich zu verabschieden, bevor Alarik etwas mitbekam. Ich hätte ihm ungerne wiedergegeben, was ich dem Barden alles erzählen musste, damit dieser sich zurückzog.... So kam ich mit einem „Er wollte sich unterhalten!“ davon, als er fragte was der Barde aus der Taverne gewollt hätte. Und in Anbetracht der Situation in der wir uns befanden schien er sich damit zufrieden zu geben. Als Dvalinn hinzugestoßen war, machten wir uns auf zum Stadtausgang. Da es bereits dunkle Nacht war, mussten wir das Stadttor öffnen und Alarik schloss es von innen wieder und kletterte anschließend über die Mauer und schloss zu uns auf. Also Klettern kann er schon und kräftig ist er auch, das muss man ihm zu Gute halten dem Kleinen.
Wir machten vor der Stadt bei irgendeinem Gebüsch halt und weckten den Bürgermeister, fragten ihn aus und flößten auch ihm das Wahrheitsserum ein. Er konnte im Grunde aber nur bestätigen, was wir bereits wussten. Wir beschlossen ihn vorerst sicher verwahren zu müssen, während wir uns um die verbliebenen Mitglieder kümmerten. Da es bei der Stadtwache von Ravensloft schwarze Schafe gab, konnten wir ihn nicht einfach dort melden und abgeben. Erst mussten wir dieses Übel beseitigen, bevor wir ein anderes aus der Welt schaffen konnten. Also liefen wir bis zum nächstgelegenen Kloster der Erdmutter und baten dort um Hilfe. Sie erklärten sich bereit den überführten Schwarzmagier für einige Tage zu bewachen. Wir machten uns auf den Weg zurück nach Ravensloft, wo wir am Abend ziemlich ermattet ankamen, trotz der guten Stärkung die wir im Kloster der Erdmutter bekommen haben. Eine Nacht ohne Schlaf und die langen Wege die wir zurücklegten, machten sich durchaus bemerkbar. Alarik brachte den Eselskarren zurück und wir beschlossen trotz der anstrengenden Tage noch einmal gemeinsam auszugehen auf ein Bier. Selbstverständlich suchte Dvalinn eine ansprechende Bar mit klebenden Böden, billigem Bier und barbusigen Schankweibern aus, wo sie ihm mal wieder alle ihre Brüste ins Gesicht hängen ließen. Aber wenn der Zwerg sich das gefallen lässt, seine Sache.... wir haben ihn letzten Endes dort zurück gelassen, als er sich nicht entscheiden konnte, ob er noch mit einer der Frauen nach oben verschwinden solle oder nicht. Alarik und ich wir haben uns derweil aufgemacht ins Kontor, wo wir jetzt schlafen und uns hoffentlich gut erholen werden! Hoffentlich kommt der Zwerg früher oder später mit all seinen sieben Sachen wieder hier an. Morgen soll der Missus hier in der Stadt sein, raunte es heute an jeder Ecke durch die Stadt. Dieses Schauspiel will ich mir morgen doch nicht entgehen lassen! Und wer weiß, vielleicht ist das die Gelegenheit für uns die Sache mit den Schwarzmagiern aus der Hand zu geben. So ungern ich diese Art von Menschen mag, ich bin auch nicht diejenige die hier dafür bezahlt wird für Ordnung zu Sorgen! Das mit Jonas ja, das war eine persönlich Sache. Aber bin ich der Rächer für Gerechtigkeit und Beauftragter jeden Schwarzmagier aus diesem Zirkel zu finden und auszuschalten? Wohl kaum! Dafür sind andere zuständig. Und hoffentlich ab morgen nicht mehr wir, wir waren lange genug involviert. Ich habe noch andere Dinge um die ich mich kümmern muss...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen