Freitag, 22. April 2011

12. Mai 651 (Hildegard)

Manchmal kommt es doch anders als man denkt, oder?
Ich sitze gerade auf dem Wagen der Händler, der heute auf der Strecke zwischen Ravensloft und Galimswerth mein Lager sein wird. Den magischen Ring habe ich in der Tasche um ihn mit Hilfe der Bücher in Thorndorf besser untersuchen zu können. Die Lurer Händler wollten sich dem Tross um Missus und Ritter anschließen, die auf direktem Weg nach Malfori reisen müssen, weil die Schwarzmagier ein Verfahren vor dem Fürsten verlangen. Und so kommt es, dass wir auch auf der Strecke mit dabei sind, zumindest bis zur Abzweigung nach Thorndorf . Ich musste Tiron also doch wieder unter die Augen treten, nachdem ich es gestern erfolgreich vermieden hatte.
Die Jungs haben es geschafft mich gestern noch zu überreden ein letztes mal mit ihnen trinken zu gehen, bevor wir Ravensloft verließen. Darauf, dass die Welt nicht untergeht und ich noch am Leben bin wollten sie anstoßen... vonwegen! Aber mir soll es gleich sein, ich wollte den Jungs nicht den Spaß verderben, auch wenn ich mich anfänglich sehr zog aus Angst direkt wieder auf Tiron zu treffen. Aber meine Befürchtungen waren überflüssig, Tiron hat die Abendschichten für Elaril übernommen, weshalb wir nur ihn mit einigen Rittern trafen.
Und wie immer benahmen sich die Jungs völlig daneben, machten laut Witze über mich und über Elfen, was sogar die Ritter vom Nebentisch mitbekamen. Und natürlich störte es sie dabei kein bisschen, dass der Hauptmann Elaril auch ein Elf ist.
Irgendwann wurde es mir dann zu bunt und ich dachte die Jungs verdienen mal eine ordentliche Lektion. Irgendjemand muss ihnen einfach mal beibringen, dass manche Dinge sich einfach nicht gehören! Also nutzte ich einfach den letzten dummen Spruch von Alarik und drehte den Spieß einfach mal um. Ich behauptete laut verstanden zu haben, dass Alarik soeben den Hauptmann Elaril zum Wetttrinken aufgefordert hätte. Dieser ging zum Glück sofort darauf ein und bestätigte das selbe gehört zu haben wie ich. Kurz darauf befanden wir uns in einem Wetttrinken zwischen einer Allianz aus Elaril und mir gegen Alarik und Dvalinn, der so dumm war mir ebenfalls eine gute Vorlage zu liefern ihn mit in die Sache hineinzuziehen. Schon nach wenigen Runden schied Alarik aus, dem plötzlich übel wurde. Ich habe mich noch nie auf den Boden einer Kneipe übergeben müssen, hoffen wir mal, dass mir das auch in Zukunft erspart bleibt! Für Alarik endete dies in einer kleineren Blamage und ich stieg ebenfalls aus dem Spiel aus, da für Elaril nur noch Dvalinn als Gegner übrig war. Unglaublich, welche Mengen die Männer in sich hineinschütteten! Der Verlierer hatte eine ganz ordentliche Summe zu zahlen.. Und selbstverständlich waren Alarik und Dvalinn die Verlierer dieses Spiels. Ich hätte das Ganze nicht angezettelt, wäre ich mir nicht sicher gewesen, dass wir eine Chance zu Gewinnen hatten. Ist ja nicht das erste mal gewesen. Und ich musste nichtmal nachhelfen!
Dabei hat mich die Bereitschaft Elarils am meisten beeindruckt, dass er so kurzentschlossen darauf eingegangen ist. Der Mann hat Humor! Ist mir sehr sympathisch.
Jedenfalls versuchte sich jeder danach ein wenig zu sammeln und Elaril schickte mir ein paar Männer mit, die mir helfen sollten die völlig betrunkenen Jungs zurück in unser Zimmer zu bringen. Das war auch bitter nötig, denn ich war die einzige die einigermaßen klaren Kopfes und ohne zu schwanken den Heimweg antreten konnte. Alarik hielt sich einigermaßen und Dvalinn wurde kurzerhand geschoben und im Kontor die Treppe heraufgetragen und aufs Bett verfrachtet. Da er aber meinte so strampeln zu müssen, dass er wieder aus dem Bett fiel, verbrachte er die Nacht eben auf dem Boden neben seinem Bett. Alarik und ich wenigstens darin. In unseren. Selbst Schuld.
Der kommende Morgen war dementsprechend hart für die beiden, aber ich zeigte schon wieder Mitleid und ließ jedem Tee kommen. Ob das aus pädagogischer Sicht so sinnvoll war?
Mit Liudprant habe ich eine Regelung bezüglich des Ringes getroffen und dann schlossen wir uns dem Tross der Händler und Ritter an. Die Jungs waren den ganzen Tag lang merklich angeschlagen und auch Elaril wirkte gestern fitter. Dvalinn bat mich dann noch um einen Gefallen wegen eines Traumes den er hatte, der Elf hätte mit Hilfe eines magischen Gegenstandes betrogen. So ein Unsinn. Dvalinn ist einfach nur ein schlechter Verlierer. Ich hielt das alles für Blödsinn, allerdings überprüfte ich für Dvalinn, ob Elaril tatsächlich einen magischen Gegenstand bei sich führt. Und tatsächlich, den hat er! Aber was der Sinn und Zweck dieses Anhänger ist? Ich weiß es nicht, aber ich bezweifle stark, dass er beim Trinken hilft...
Und Tiron? Aus dem werde ich irgendwie nicht ganz schlau... Ich scheine mich zumindest nicht in ihm geirrt zu haben, er behandelt mich genauso höflich und zuvorkommend wie zuvor. Aber ansonsten ist mir sein Verhalten ein Rätsel.. Er lud mich heute ein, statt auf dem Wagen mit ihm auf seinem Pferd mitzureiten. Ich kann nicht reiten, aber ich war schon neugierig und habe deshalb direkt zugesagt. Und Alarik freute sich, dass er meinen Platz auf dem Wagen einnehmen konnte.
Also saß ich den ganzen Tag hinter Tiron auf dem Pferd und wir haben ab und an ein wenig geredet. Über Verlest, Ritterturniere, Wywern... wir hätten aber genauso gut stundenlang schweigen können. Irgendwann ritten wir dann voraus um einen guten Platz für das Nachtlager auszukundschaften. Zuerst dachte ich, Tiron würde vielleicht die Gelegenheit nutzen, da wir in dieser Zeit zumindest einmal für eine Weile nicht unter ständiger Beobachtung aller anderen Mitreisenden standen und würde mir etwas sagen wollen. Als nichts von ihm kam dachte ich, vielleicht erwartet er etwas von mir. Aber was? Eine Erklärung, eine Entschuldigung? Was sollte ich denn sagen? Es war schön mit dir? Sollen wir das nochmal wiederholen? Oder tut mir leid, dass ich dich spontan abgeschleppt und zum Gespräch unter deinen Männern gemacht habe? Was erwartet ein Verlester Ritter ? Ich weiß es einfach nicht! Wahr wäre alles, aber ich konnte ja schlecht mit allem gleichzeitig herausplatzen, das hätte es nur noch schlimmer gemacht, denke ich. Also entschied ich mich für die sichere Variante und entschuldigte mich für mein arg forsches Vorgehen. Ich bin mir sicher, dass eine Frau wie ich ihn aus dem Konzept bringt. Er wird in Verlest wohl eher mit feinen Damen zusammenkommen und ich weiß noch von meinem letzten Besuch in Verlest, wie gut ich dort hineinpasse... Außerdem tut es mir auch tatsächlich Leid, dass aus einer Sache die eigentlich nur uns beide angeht jetzt so etwas ..ja beinahe öffentliches geworden ist. Ich wurde schon gestern von den Rittern darauf angesprochen, das macht eindeutig die Runde. Und so unaufmerksam, dass ich die ständigen Blicke und das verstohlene Kichern und Gerede nicht mitbekomme, bin ich nicht. Zum Glück scheint sich wenigstens der Missus völlig aus allem rauszuhalten und tut als würde er nichts bemerken. Und die Hauptmänner sind auch ständig um Ruhe bemüht. Nichtsdestotrotz.... ich finde die Situation eher schwierig und hoffe, dass ich Tiron da in nichts allzu unangenehmes hineinmanövriert habe. Falls ja, tut es mir sehr leid. Ich mag ihn, er ist wirklich ein lieber Kerl! Und mit Sicherheit keine schlechte Partie.... junger Ritter, adelig und höflich. Und dabei nichtmal schlecht im Bett... wenn eine der Damen über sein mangelndes Talent zur Konversation hinwegsehen kann, wäre sie sicherlich glücklich zu schätzen. Ich an ihrer Stelle wäre es.
Ob ich wohl auch mal zu diesen Frauen gehören werde? Werden Frauen wie ich überhaupt jemals sesshaft werden? Könnte ich es? Ich glaube nein.
Irgendwie habe ich mich so daran gewöhnt die letzten Jahre mit meinem Lehrmeister unterwegs zu sein, dass ich nicht daran dachte wie es danach weitergeht. Und die letzten Monate mit ihm die wir uns im Kloster niedergelassen hatten, waren auch nicht mit einem normalen Familienleben vergleichbar. Obwohl er meine Fähigkeiten als Heilerin und Vertraute sehr schätze, ließ er nie zu, dass ich mich wie eine Krankenschwester fühlte oder behandelte mich derart. Ihm war es immer wichtig mich zu lehren, dass ich auch andere Aufgaben auf der Reise des Lebens zu erfüllen haben werde. Aber ein wenig tat es mir schon leid, dass ich seine letzte Begleitung war und nicht etwa eine Frau oder Kinder. Aber wenigstens konnte ich bei ihm leisten, was bei meinem Vater nicht möglich war.
Ob mich auch mal irgendwann jemand pflegen wird? Oh Sehanine, ich bin gespannt was dein Weg für mich noch bereithält!

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