Donnerstag, 28. April 2011

14. Mai 651 (Tiron)

Liebes Tagebuch, wir kampieren auf der Straße ein paar Wegstunden östlich von Lur und ich komme endlich dazu, wieder ein paar Zeilen nachzutragen. Vielleicht wird das mir helfen, ein wenig Ordnung in das Chaos in meinem Kopf zu bekommen. Ich befürchte, ich habe mich in den letzten beiden Tagen außerordentlich ungeschickt angestellt. Ich meine, alleine die Idee, das Armband in Hildegards Tasche zu verstecken, statt es ihr anständig zu geben – man könnte wirklich meinen, ich hätte noch nie eine Benimmstunde gehabt. Ah, das Armband, das war wenigstens ein lichter Moment. Ich habe es kurz vor unserer Abreise aus Ravensloft gekauft, aus einem plötzlichen Impuls heraus. Mein Ausbilder hat immer gesagt, wir sollen unseren Instinkten vertrauen. Im Kampf, aber auch in der Einschätzung von Menschen. Ich sah das Armband, dachte an sie und habe es gekauft, so einfach war das. Ich weiß nicht genau, warum. Ich finde vielleicht auch einfach nicht die passenden Worte – nichtmal in meinem Kopf. Ich bin eben kein Mann großer Worte. Und vermutlich hält sie mich deshalb jetzt für einen totalen Idioten.

Am ersten Tag habe ich kaum ein Wort mit ihr geredet und dass, obwohl sie direkt hinter mir auf dem Pferd saß. Und am zweiten Tag war es nicht viel besser, befürchte ich. Sie hat das Armband abends gefunden und danach hat es keine zehn Herzschläge gebraucht, bis das ganze Lager wusste, was Sache war. Wobei – was ist eigentlich Sache? Das wüsste ich auch mal gerne.

Der Abend war, vom Feixen der anderen abgesehen und nachdem wir ein paar recht peinliche Momente hinter einem Wagenrad verbracht hatten, dafür sehr schön. Wir haben am Feuer gesessen und sie hat mir sogar erlaubt, meinen Mantel um sie zu legen. Einzig unerfreulich war ein kleiner Zwischenfall mit dem Zwerg und Elaril, es scheint zu stimmen, dass sich diese Völker nicht grün sind und jede Gelegenheit nutzen, aufeinander herum zu hacken. Offenbar hat der Zwerg gestern eine Trinkwette verloren und beschuldigt nun den Hauptmann, dabei betrogen zu haben. Was ich persönlich für sehr unwahrscheinlich halte. Elaril ist viel zu anständig, um sowas unehrenhaftes zu machen. Im ersten Moment war er deshalb auch rechtschaffen empört über den Vorwurf und die Tatsache, dass Hildegard ihn ohne sein Wissen auf Magie hin untersucht hat. Aber sie muss sich geirrt haben, denn Elaril versicherte, der betreffende Anhänger sei nicht magisch. Vielleicht hätte sie ihn besser direkt gefragt, bevor sie einen Suchzauber auf ihn gesprochen hat – aber selbstverständlich hat sie es zum einen für ihren Freund Dvalinn getan und zum anderen kennt sie Elaril nicht gut genug, um zu wissen, dass er bereitwillig auf jede Frage Rede und Antwort gestanden hätte. Ich fürchte, ich stehe schon wieder in Elarils Schuld, denn als wir uns an diesem Abend zum Schlafen niederlegten, habe ich nicht bei den Männern geschlafen, sondern bei Hildegard auf dem Karren. Es war ein gutes Gefühl, sie in den Armen zu halten und darauf zu lauschen, wie ihr Atem langsam und regelmäßig wurde, als sie einschlief. Aber ich habe prompt meine Wache verschlafen und Elaril, großmütig wie er nunmal ist, hat mich nicht geweckt.

Ich glaube, ich habe jetzt mehr über den Elfen geschrieben als über Hildegard. Da siehst du, liebes Tagebuch, mal wieder, wie wirr meine Gedanken noch sind. Heute Nachmittag sind Hildegard und ihre Gefährten nach Lur abgebogen. Eigentlich hatten sie uns schon vorher verlassen wollen, um nach Thorndorf zu gehen, aber der Zwerg hatte noch Geschäfte oder dergleichen in Lur zu erledigen, so dass sie uns bis dorthin begleiten konnten. Ich... fürchte fast, ich habe es bei der Verabschiedung ein bisschen übertrieben, aber manchmal muss man den Männern etwas zu sehen geben und ich glaube fast, dass es Hildegard zumindest nicht schlecht gefallen hat. Sie war vielleicht im ersten Moment ein bisschen überrascht, als ich sie fast von den Beinen warf, aber sie hat den Kuss erwidert! Wenn ich die Augen schließe, könnte ich schwören, dass da noch etwas von der Süße ihrer Lippen ist, auch wenn ich weiß, dass das der Wein ist, den Herr von Rodenwald heute an die Männer ausgegeben hat. Und ich weiß auch, dass die Wärme auf meinen Armen nicht der Nachhall ihres schlafenden Körpers ist, sondern vom Feuer herrührt. Aber ich will das alles nicht wissen. In zwei Tagen erreichen wir Malfori. Erst danach wird es Sinn machen, sich zu fragen, ob und wann ich sie wiedersehen kann. Und ich sollte jetzt schlafen – es ist jetzt schon zu spät.

3 Kommentare:

  1. Ich lese da irgendwie nur: Ach, der Elf ist so toll! Elaril hier, Elaril dort. Der Zwerg ist doof! Aber Elaril! Yay! Elfen... *fünününü*
    Aber der kitschige Teil ist echt süß. Ich sehe Tiron gerade dramatisch am Feuer stehen und dramatisch gestikulierend den Namen Hildegard in den Wind säuseln... DRAMA!

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  2. immerhin hat er das selbst gemerkt, dass er mehr von Elaril schreibt als von Hildegard. Wie die Katze um den heißen Brei. Und diesmal hat der Zwerg sogar einen Namen, ich habe schon fast überlegt, ob sich Tiron den überhaupt gemerkt hat. Immerhin war der Focus ja klar - Hildegard (*malt Herzchen drum herum*) und zwei Deppen, ein Zwerg und ein Mensch.

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  3. Elaril hier, Elaril da...der Elf war rechtschaffen empört... xD Klingt wirklich fast als würde Tiron für Elaril schwärmen!
    Dabei dachte ich, das würde ich schon tun XD haha

    Aber mal ehrlich, ich hab beim Lesen den Drang den armen Tiron mal fest in den Arm zu nehmen und zu drücken. :)

    Und ich glaub selbst die überforderte Hildegard würd das anders angehen, wenn sie Tiron besser verstehen würde. Oder auch nicht, ich weiß es nicht. Arme verwirrte Dinger sind das.

    Und mir fehlten bei meinem letzten Eintrag auch die Herzchen um Tirons Namen!

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