Es ist sehr spät am Abend liebes Tagebuch, aber ich möchte doch noch die Ereignisse der letzten beiden Tage notieren, bevor ich mich zur verdienten Bettruhe begebe. Wie freue ich mich wieder in einem richtigen Bett schlafen und mich erholen zu können nach diesen Strapazen! Was war das auch für eine Nacht?
Aber erst einmal alles der Reihe nach. Ich schrieb ja schon, dass wir uns gestern auf den Weg in den Wald nordöstlich von Lur machen wollten in dem Versuch die Leiche zu finden, bei der der magische Ring mit dem Wappen Ragnarons gefunden worden sein soll.Und wir wurden auch tatsächlich fündig, wenn auch nicht so wie ich es mir erhofft hatte. Aber das war ja mehr oder minder genau das, was die Karten uns vorher schon prophezeiten.
Das ganze lief so ab: Wir liefen die Strecke die Alarik vorher ausgekundschaftet hatte, bis wir an eine Wegabzweigung kamen. Ich schaffte es nicht mit göttlicher Hilfe zu entscheiden, welcher von den drei Wegen der richtige wäre und entschied schließlich einfach spontan. Der Weg den wir wählten führte uns stundenlang durch hohes Gras, in dem man kaum etwas erkennen konnte. Dementsprechend langsam bewegten wir uns suchend vorwärts, bis wir den Waldweg verließen und an einen Felsvorsprung kamen, auf dem ich zwei Raben sah, die sich um etwas stritten. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, wurde sich auch Alarik bewusst, was das für uns bedeuten konnte und wir drei begannen den Aufstieg, der uns in unseren Rüstungen unerwartet schwer fiel. Als dann noch ein plötzlicher Mairegen auf uns niederprasselte, liefen und kletterten wir nur noch so schnell wir konnten und kauerten uns frierend und bedeckt von Matsch unter den Felsvorsprung, den die Raben mittlerweile verlassen hatten. Dafür fanden wir dort die Ursache ihres Gezankes. Eine halb angenagte, verfaulte Leiche die mittlerweile mehr einem Skelett glich und an die Felswand angelehnt, noch immer aufrecht saß. Wir überwanden uns und untersuchten die Leiche, was immerhin eine schwere Rückenverletzung als Todesursache und ein Militärmesser mit Ragnaroner Wappen zutage förderte. Sein Beutel war offensichtlich zuvor bereits gründlich durchsucht worden und brachte uns keine Anhaltspunkte. Nach dem Regenschauer sahen wir uns noch in der Umgebung um, wobei ich auf einem etwas abgelegenen Weg einen Abhang herunterkam und die Überreste des Pferdes fand, auf dem der Landsknecht wohl bis hierher gekommen war. In den Satteltaschen waren noch seine Kleidung und einige verschiedene Beutestücke, wie silberne Kerzenhalter und ungeschliffene Edelsteine. Während Alarik und ich die Gegend absuchten, hub Dvalinn ein Grab für die Leiche aus, die wir anschließend den Felsen hinab trugen und bestatteten. Was der Landsknecht mit den Wertsachen und dem Ring hier gemacht hatte, wird uns aber wohl immer ein Rätsel bleiben. Waren die Gegenstände etwa alle gestohlen? Sie gehörten offenbar nicht zu ein und demselben Haushalt. Und was machte ein Landsknecht in dieser Ecke von Ragnaron mit Kerzenhaltern im Gepäck und einer tiefen Wunde am Rücken? Wann ist diese ihm zugefügt worden und von wem? Vielleicht werden wir das wirklich nie erfahren.
Wir waren jedenfalls zu dieser Zeit so weit weg von Lur, dass wir uns entschlossen ein provisorisches Nachtlager unter dem Felsvorsprung aufzuschlagen und am nächsten Morgen zurück nach Lur zu gehen. Die Nacht war unglaublich kalt, wir rückten alle zusammen so weit wir konnten. Wer wachte lauschte auf die Wölfe und ob sie dem Feuer fernbleiben würden und wer schlief wurde von Alpträumen geplagt. Jeder einzelne von uns träumte diese Nacht schlecht, von Skelettpferden wie bei Dvalinn, oder Untoten wie bei Alarik und mir. Und wie fast alle vorangegangenen Nächte war da wieder diese Frau im schlichten weißen Kleid, die ich Nacht für Nacht in meinen Träumen sehe seit Ravensloft. Seit ich diesen magischen Ring bei mir trage. Nur diesmal vertrieb sie die Untoten, die mich verfolgten und nach mir griffen, anstatt wie sonst ohne ein Wort gesagt zu haben wieder zu verschwinden. Ich vermute, dass es eine Botschaft von der verstorbenen Fürstin von Ragnaron sein könnte, habe allerdings bisher keine Hinweise gefunden, die meine Theorie hinreichend untermauern würden. Und was diese Botschaft mir sagen soll, vermag ich auch noch nicht zu erkennen. Nichts, außer dass ich gerufen werde kann ich über diese Träume sicher sagen.
Nach einer völlig unentspannten Nacht die wir mit bösen Träumen und Frieren verbracht haben, brachen wir also wieder auf Richtung Lur. Die Wölfe waren uns fern geblieben, aber dennoch waren sie viel zu früh im Jahr viel zu Weit ins Land vorgedrungen, was durchaus besorgniserregend ist. Mit Wölfen haben wir ja keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Mit Räubern allerdings auch nicht, und eben solche lauerten uns auf dem Rückweg im Wald auf. Einen von ihnen hatten wir schon ausgemacht und wir wollten uns gerade zur Wehr setzen, als sich herausstellte, dass wir bereits von Räubern eingekreist waren. Denn zwei weitere Räuber standen uns im Rücken und man forderte uns auf unsere Waffen niederzuwerfen und unsere Wertsachen auszuhändigen. Es folgte ein Moment angespannter Stille, denn ich hatte nicht vor unsere Wertsachen auszuhändigen, vor allem nicht den magischen Ring. Aber ich wusste nicht wie die anderen reagieren würden und wir waren nicht nur in der Unterzahl, sondern auch in einer schlechten Position, da nicht nur ein Bogenschütze auf uns zielte, sondern wir auch noch Gegner im Rücken hatten. Aber glücklicherweise konnten wir uns ganz ohne Worte untereinander verständigen, denn die anderen sahen wohl genauso wenig ein wie ich, dass wir uns ergeben sollten. Auf Alariks Kommando hin schickte Dvalinn einen wütenden Kampfschrei in Richtung des ersten Räubers und rannte mit gehobener Axt auf ihn zu. Der räuberische Bogenschütze setzte just in diesem Moment ebenfalls auf den schreienden Zwerg an, was Alarik freies Schussfeld auf den Bogenschützen gab. In dem Moment in dem ich realisierte, dass die Jungs die Situation vor uns unter Kontrolle bringen würden, drehte ich mich um und beschloss ihnen den Rücken freizuhalten. Womit ich mich zwei bewaffneten Räubern gegenübersah, die mich mit ihren Schwertern ganz schön in Bedrängnis brachten. Doch ich war wild entschlossen den Jungs Rückendeckung zu geben. Glücklicherweise bin ich durch das Geschenk der göttlichen Magie in der Lage Heilzauber zu sprechen, nicht nur auf andere, sondern auch auf mich. Ansonsten hätte ich diesen Kampf unmöglich überleben können. Aber durch Sehanine war es mir möglich übermenschliches zu leisten und meinen Jungs den Rücken freizuhalten. Zu dritt erledigten wir unsere Gegner und nahmen den einzigen Überlebenden mit nach Lur, nachdem dieser uns erzählte, dass er von einem Treffen der anderen Bandenmitglieder wusste und uns den Weg zu ihrem Quartier beschreiben konnte. In Lur versammelte man sich dann um uns am Marktplatz, man hätte meinen können halb Lur wolle unbedingt auf Räuberjagd gehen! Glücklicherweise nahm Aigolf sich der Organisation an, sperrte den Gefangenen in seinen Keller und stellte einen kleinen Trupp von mehr oder weniger fähigen Männern zusammen, mit denen wir morgen zum beschriebenen Treffpunkt aufbrechen werden.
Ich war froh nach dieser Nacht ein angenehmes Bad nehmen und gutes Essen von Berta genießen zu können. Zur Feier des Tages spendierte sie uns einen Kuchen, den wir unter uns aufteilten. Den hiesigen Zwergen schien er nicht so zu gefallen, Dvalinn dafür aber umso mehr! Im Anschluss habe ich noch Dvalinn und Alarik zugesehen, wie sie mit Durin Waffenübungen gemacht haben, da er fest entschlossen ist uns morgen zu begleiten. Und Dvalinn fühlt sich nun verantwortlich für ihn und wollte Durin ein wenig vorbereiten. So schlecht hat sich der kleine Zwerg auch gar nicht geschlagen, wobei ich mir die Verantwortung gegenüber dessen Familie nicht gerne aufgebürdet hätte. Aber was tut man nicht alles, wenn man sich beim Vater der Angebeteten einschmeicheln will...
Ich bin mal gespannt, was uns morgen erwartet. Hoffentlich lohnt es sich wenigstens mal für uns, dass wir schon wieder anderer Leute Aufgaben erledigen. So langsam fühle ich mich wie eine Ersatzwache, nur ohne Bezahlung...
Hihi, ich mag die Beschreibung des Kampfes. Alarik ist ein verkannter Taktiker, Dvalinn eine Kampfmaschine auf zwei kurzen Beinen und Hildegard hat wirklich mehr als meschliches geleistet als Schutz für Alariks Rücken. Mir fehlt nur Alariks Meisterschuss auf den Fliehenden, aber ansonsten - schön ^^.
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