Dies wird wohl mein letzter Eintrag sein. Es wird vielleicht der letzte Abend, den die Welt je gesehen hat, oder einfach nur mein letzter. Insoweit ist es eigentlich nicht mehr wichtig, ob ich noch schreibe oder nicht. Aber ich habe das Gefühl ich müsse wenigstens einmal meinen Gefühlen gegenüber dem heutigen Tag Ausdruck verliehen haben, bevor ich sterbe. Ich hatte so sehr gehofft, dass wir die Sache mit den Schwarzmagiern beiseite legen können, damit ich mich um dieses Bordell kümmern kann. Ich wollte wenigstens Ilona ein Leben in Freiheit ermöglichen. Jetzt hoffe ich, dass sich unsere Mühen gelohnt haben und es vielleicht nur mich trifft.
Der Kampf heute war schwer und ich möchte ungern mit diesen Bildern als letztes abtreten. Aus diesem Grund wollen mich die Jungs gleich nochmal richtig ausführen und mich aufheitern. Ich glaube sie nehmen meine Vorhersage nicht ganz so ernst wie sie sollten. Dabei habe ich auf Bitte von Dvalinn vorher für ihn eine Sache geklärt, die ihn sehr beschäftigt hat. Und zwar wurde er ebenfalls von Alpträumen geplagt, die allerdings seinem schlechten Gewissen entsprangen. Dieses ewige Foltern und Erpressen von Informationen ist ihm wohl aufs Gemüt geschlagen und er machte sich Sorgen, wie sich unsere Sicht auf ihn verändert haben könnte. Alarik verhielt sich ja die letzten Tage schon ein wenig komisch, aber ich habe nie bezweifelt, dass Dvalinn ein anständiger Kerl ist. Ansonsten würde ich nicht mit ihm durch die Lande ziehen, er hätte uns nicht schon einige male den Rücken freigehalten und er hätte mir auch nicht wortlos die magischen Gegenstände überlassen, die wir gefunden haben. Ich glaube Dvalinn ist im Grunde ein lieber Kerl, mehr als er sich wohl selbst eingestehen mag.
Und der ersten Vorhersage schenkte Dvalinn zumindest Glauben, scheint aber meine zweite Vorhersage für mich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen... aber vielleicht ist es auch nur die Art der Jungs damit umzugehen. Also...hier der voraussichtlich letzte Eintrag meines Lebens, der Ablauf des 10. Mai 651 in chronologischer Abfolge:
Nach dem Frühstück machten wir uns auf zum Marktplatz, wo der Missus mit Gefolge Einzug gehalten hatte. Er wurde begleitet von einer Eskorte an Rittern, davon jeweils sechs aus Malfori und sechs aus Verlest, den Wappen nach zu urteilen.
Ich wartete eine Weile ab und sah mir das Ganze an, bevor ich beschloss als erstes das Bordell zu melden um zu überprüfen, wie der Missus damit umgeht. Ich wollte nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen. Aber der Missus schenkte mir zumindest soweit Glauben, dass er einige seiner Männer mit mir zu besagter Begegnungsstätte schickte, wo wir selbstverständlich alles so vorfanden, wie ich es geschildert habe. Die Männer waren erschrocken und bemühten sich alle Frauen würdig aus diesem Etablissement zu schaffen, wofür wir sie erstmal mit unseren Mänteln bekleideten. Doch vor der Tür wurden wir von einer Truppe korrupter Stadtwachen empfangen, die ihre Hände bei dem Geschäft mit im Spiel hatten. Wir setzten uns gemeinsam mit den Rittern zur Wehr und standen auch gemeinsam diesen sehr harten Kampf durch. Ich hatte alle Mühe die meisten Männer am Leben zu erhalten und wieder einigermaßen auf die Beine zu stellen, für einige war es sehr knapp. Die Ritter kümmerten sich anschließend um die Überlebenden unter unseren Gegnern und führten diese dem Missus vor, der ziemlich erschrocken über den Zustand seiner Truppe war. Aber da ich nicht übertrieben hatte, schenkte der Missus auch meinen Ausführungen über den schwarzmagischen Zirkel Glauben und schickte zwei Reiter los den Bürgermeister von Lissar aus dem Kloster der Erdmutter zu holen. Anschließend beorderte er Truppen aus der Garnison in die Stadt, um sich um diejenigen zu kümmern, deren Namen wir ihm nennen konnten.
Anschließend durften wir uns noch zu einer Befragung einfinden und mussten alles zu Protokoll geben. Einer der Ritter hat mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt, weil er dem Barden von gestern zum verwechseln ähnlich sieht! Und ich war ganz froh, dass wir unsere Methoden ein wenig beschönigen oder unter Verschluss halten konnten und fürchtete für einen Moment, dass wir in größere Schwierigkeiten geraten könnten. Aber er schien uns definitiv nicht zu kennen und ist mit Sicherheit nicht die selbe Person. Und sollte uns jetzt noch Ärger drohen, weil wir etwas unlautere Methoden zur Informationsbeschaffung hatten, kann es mir ja jetzt auch egal sein...
Ich verlasse diese Welt zumindest nicht ohne als Abschiedsgeschenk für ein wenig mehr Sicherheit gesorgt zu haben, das sollte mir vielleicht ein Trost sein. Wobei es mich fast zerreißt daran zu denken, dass ich meine Familie jetzt nie mehr wiedersehen werde. Sie werden nie erfahren, was aus mir geworden ist und ich nicht, wie es ihnen in den letzten Jahren ergangen ist. Ob es ihnen gut geht? Werden sie mich vermissen? Oder haben sie mich schon lange abgeschrieben und vergessen?
Vielleicht kann ich den Jungs morgen mein Tagebuch anvertrauen, sie sollen es ihnen geben, wenn ich nicht mehr bin. Diesen letzten Wunsch werden sie mir doch sicher nicht abschlagen, oder?
OOOh, arme Hildegard. Ich hoffe, diese große Traurigkeit ist mehr fürs Tagebuch beim nochmal durchdenken entstanden als aus dem Spiel gegriffen. Und - ich bin sehr gespannt auf den nächsten Eintrag.
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